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27.10.2011

14:11 Uhr

Steinbrück und Schmidt

Zwei Männer auf Kanzlerkurs

VonHeike Anger

Heute erscheint das Buch, das Peer Steinbrück zum Kanzler machen soll. In „Zug um Zug“ räsoniert er gemeinsam mit Helmut Schmidt über drängende politische Fragen. Die SPD dürfte nicht von allen Passagen begeistert sein.

Hanseatische Freundschaft: Peer Steinbrück (l.) und Helmut Schmidt dpa

Hanseatische Freundschaft: Peer Steinbrück (l.) und Helmut Schmidt

BerlinIm Jahr 1958 kauft Helmut Schmidt für 7000 Mark ein Wochenendhaus am Brahmsee in Schleswig-Holstein. 20 Jahre später begegnet er als Bundeskanzler zum ersten Mal Peer Steinbrück. Der war damals sein Hilfsreferent. Wiederum 30 Jahre später besucht Steinbrück Schmidt am Brahmsee. Da ist Steinbrück Bundesfinanzminister und es herrscht Bankenkrise.

Zu diesem Zeitpunkt pflegen die beiden Sozialdemokraten schon eine hanseatisch korrekte Freundschaft. Manchmal spielen sie Schach, rauchen, und der Altkanzler erteilt als bewährter Krisenmanager Rat. Vielleicht ist am Brahmsee auch die Entscheidung gefallen, Peer Steinbrück zum nächsten Kanzler der Republik machen zu wollen. Zumindest wurde dort im Ferienhaus die zentrale Botschaft formuliert: Steinbrück kann Kanzler. Transportiert wird sie mit dem Buch "Zug um Zug", das heute in den Handel kommt.

Darin räsonieren die Raucher und Schachspieler Schmidt und Steinbrück auf gut 300 Seiten über globale Machtverschiebungen, Politik als Beruf und die Finanzkrise. Ungefähr in der Mitte des Buches kommt die entscheidende Passage: Ob es Steinbrück in den Kram passe oder nicht, sagt dort Schmidt, er sei der Auffassung, dass die SPD gut beraten wäre, ihn als Kanzlerkandidaten zu nominieren. Steinbrück habe bewiesen, dass er regieren und verwalten könne. "Mein Eindruck ist aber, dass die Republik heute keine schlaflosen Nächte hat über der Frage, wer Kanzlerkandidat der SPD wird", entgegnet Steinbrück aufgeräumt. Doch die Botschaft war lanciert.

Da zu Beginn der Woche, nach einem großen Magazininterview und einem TV-Auftritt, ein wesentlicher Teil des Mentorenmarketings in der K-Sache bereits vollbracht war, dient das Buch nun vor allem der Beweisführung. Kann Steinbrück wirklich Kanzler?
Natürlich ist interessant, wenn der 92-jährige Elder Statesman Chinas Staatskapitalismus preist. Amüsant auch die Plänkelei über die 150 Dollar, die ein kanadisches Hotel Schmidt in Rechnung stellte, weil das Zimmer nach seiner Qualmerei grundgereinigt werden musste.

Doch dem politischen Beobachter drängt sich eine andere Lesart auf. Die nach dem Machtwillen des 64-jährigen K-Aspiranten Steinbrück. Und der teilt gut aus: Gegen die Kanzlerin, gegen die Banker und gegen seine SPD.

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