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27.02.2013

21:59 Uhr

Steinbrücks Berlusconi-Spott löst Eklat aus

„Clown mit Testosteron-Schub“

Dass Berlusconi wie ein Clown wirkt, sehen wohl viele so. Auch Steinbrück. Doch dass der SPD-Kanzlerkandidat den Ex-Premier auf diese Weise verspottet, bringt Italiens Staatspräsidenten auf die Palme. Und nicht nur ihn.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

BerlinAuch diesen Fettnapf lässt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nicht aus. Mit  seiner „Clown“-Äußerung über den Ausgang der Wahlen in Italien hat er einen diplomatischen Eklat ausgelöst. Italiens Präsident Giorgio Napolitano sagte am Mittwoch kurzfristig ein für den Abend in Berlin geplantes Abendessen mit Steinbrück im Hotel Adlon ab, wie Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer bestätigte. Am Nachmittag gab es dann wenigstens noch ein klärendes Telefongespräch zwischen Steinbrück und Napolitano.

Begründet hatte Napolitano die Absage mit den Äußerungen Steinbrücks vom Dienstagabend. Darin hatte Steinbrück den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als Clown verspottet. Steinbrück verteidigte am Mittwoch seine Aussagen: „Ich bin dafür bekannt, dass ich auch Klartext rede.“ Er könne den Präsidenten verstehen. „Ich habe eine Bemerkung gemacht oder eine Bezeichnung gewählt, die Eingriff nimmt in die italienische Innenpolitik.“ Vor diesem Hintergrund müsse Napolitano in seiner Neutralität als Staatspräsident Abstand wahren, sagte Steinbrück.

Napolitano äußerte sich in der „Bild“-Zeitung: „Peer Steinbrück hat mir am Telefon erklärt, dass er nicht beleidigend sein wollte“, sagte Napolitano. „Aber ein Treffen war aus meiner Sicht nach den Äußerungen, die er gemacht hat, nicht mehr möglich.“

In der Union stießen die Äußerungen Steinbrücks auf scharfe Kritik. „Steinbrück benimmt sich wie die Axt im Walde. Einerseits kritisiert er den Auftritt der Bundeskanzlerin in Europa, andererseits beleidigt er nach den Schweizern  nun auch die Italiener“, sagte Unions-Fraktionsvize Michael Meister Handelsblatt Online. „Das schädigt das Ansehen Deutschlands, ist widersprüchlich und unanständig.“

FDP-Generalsekretär Patrick Döring warf Steinbrück vor, nicht nur ein Problem mit der Schweiz und Zypern, sondern nun auch mit Italien zu haben. „Wer vom einen in das nächste Fettnäpfchen tritt, der kann auf internationalem Parkett nur ins Schleudern geraten“, sagte Döring Handelsblatt Online. „Wenn das der rote Faden von Steinbrücks Außenpolitik sein soll, na dann gute Nacht.“

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Die Lage in Italien ist verfahren: Beppe Grillo will mit niemandem zusammen regieren. Auch eine große Koalition erscheint immer unwahrscheinlicher. Das Krisenland steuert auf instabile Verhältnisse zu.

Für die flapsigen Aussagen sei „Fremdschämen“ angesagt, sagte die stellvertretende FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. „Mit solchen Äußerungen qualifiziert sich Steinbrück fürs Unterhaltungsfernsehen, aber nicht fürs Kanzleramt“, sagte die Bundesjustizministerin.

Auch treue Anhänger des SPD-Kanzlerkandidaten reagierten irritiert. "Wir dürfen das Wahlergebnis nicht auf die leichte Schulter nehmen oder als Ausrutscher begreifen", sagte Baden-Württembergs Europaminister Peter Friedrich (SPD) "Spiegel Online". "Da ist nichts Komisches dabei." Es helfe nicht, das Wahlergebnis zu kritisieren, "sondern wir müssen die Ursachen angreifen", fügte Friedrich hinzu. "Und für die ist Merkel mitverantwortlich."

Peer Steinbrück - seine Biographie

Gebürtiger Hamburger

Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.

Zwei Jahre Bundeswehr

1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.

Parteieintritt

1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.

Studium

1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.

Erstes Treffen mit Helmut Schmidt

1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.

Zeit als Referent

1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion

Büroleiter in Düsseldorf

1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.

Staatssekretär in Kiel

Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.

Als Minister zurück in NRW

1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.

NRW-Ministerpräsident

Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Finanzminister

Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

Vortragsredner

Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.

Der SPD-Europaexperte Michael Roth verteidigte Steinbrück. "Wenn es nicht so traurig wäre: aber Peer Steinbrück hat doch recht", sagte Roth Handelsblatt Online. "Diese deutlichen Worte wünschte ich mir in der EU öfter." Und auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte: "Clown ist das Mildeste, was mir persönlich zu Berlusconi in diesem Zusammenhang einfällt.“

Der SPD-Politiker Friedrich mahnte hingegen eine sachliche Debatte über den Wahlausgang in Italien an. "Mir scheint, dass sowohl Berlusconi als auch Grillo von Merkels unausgewogenem Wirtschaftskurs für Europa profitieren.

Viele junge Menschen in Italien empfinden Europa als Bedrohung und nicht als Hilfe für ihre Lebenssituation und wählen dann Populisten", sagte Friedrich. "Die Botschaft der italienischen Wahl ist: Merkels einseitige Politik des Sparens ohne Wachstum gefährdet den Erfolg Europas."

Kommentare (139)

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RFR

27.02.2013, 15:43 Uhr

Nun, zwischen "nicht viel halten" und in beleidigender Weise herum pöbeln liegt durchaus noch ein himmelweiter Unterschied. Und das schreibe ich als einer, der von unserer Regierung nicht viel hält und sich über eine wählbare Alternative freuen würde. Aber da hat sich der Herr mit dem großen Geldbeutel und dem losen Mundwerk nun zum wiederholten Male disqualifiziert.

Politiker

27.02.2013, 15:48 Uhr

Wer genau ist den bitte in Italien wählbar. Jemand wie z.B Beppe Grillo, der sich in die Öffentlichkeit stellt und behauptet die Ehrlichkeit wird Mode. Lügt auch nicht er?? Wen sich ein Berlusconi in die Öffentlichkeit stellt und lügt aber gleichzeitig auch sagt er lügt! Ist das ehrlich? Macht dies ihn zu einem besseren Menschen? Genauso wie manch andere Politiker in Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien undsw diese Praxis schon lange genauso verfolgen und das über Jahre hinweg. Z.B Steinbrück ist plötzlich für einen bezahlbaren Mietspiegel, aber seine politische Praxis sah zurzeit der Großen Koalition anders aus (in Deutschland)! Auch die versprechen von Nicolas Sarkozy wurden nie ganz eingehalten. Auch die Versprechen von anderen Spitzenpolitikern aus anderen Ländern wurden nie ganz eingehalten. Sollte vielleicht die Bevölkerung mal kleine Brötchen backen?? Für mich ist dies ein Mentalitätsproblem. Lieber glaubt man denen „Die, dick auftragen“! Nicht denen die sich zurückhalten, aber wahrscheinlich mehr wüssten! Wenn man sich genau die Politikerklasse ansieht, sind schon mehr als 50% in mancher Partei, nur noch solche, die "Dick auftragen“. Aber warum? Ein Teufelskreislauf Parteien bekommen kaum nachwuchs! Warum weil genau solche in Verbindung mit der Parteienlandschaft gesetzt werden. Und warum? Weil die Basis und diejenigen die vielleicht mehr wüssten, nicht aufstehen und sich währen!!Und auch aktiv mitgestalten. Lieber lässt man eine immer kleiner werdende Parteibasis zur treibenden Macht werden lassen. Und somit die Verantwortung nicht übernehmen zu müssen! Armes Deutschland, Italien, Frankreich (armes Europa), Armes (Amerika) kurz (arme politische Welt).

Radek

27.02.2013, 15:49 Uhr

Ach Gott, ist das eine "kluge" Erkenntnis, dass nach seinem Eindruck zwei Populisten die Wahl in Italien gewonnen haben.
Hat Fettnpf-Peer sonst keine Erkenntnisse außer Vermutungen über Testosterongehalte bei Berlusconi.
Der Mann will Spitzenpolitiker sein und ist noch nicht einmal in der Lage sein "Mundwerk" zu steuern.
Napolitani hat dieser Witzfigur, die Kanzler werden will zurecht einen Korb verpasst.

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