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01.07.2015

12:30 Uhr

Steinmeier wird Trauzeuge

Die Trauringe, bitte!

VonDaniel Delhaes

Männerfreundschaft zwischen Außenminister und Bahnchef: Frank-Walter Steinmeier wird Trauzeuge von Rüdiger Grube. Die beiden verbindet eine Reihe auch politischer Entscheidungen.

Frank-Walter Steinmeier (SPD) wird die Ehe von Bahnchef Rüdiger Grube mit TV-Köchin Cornelia Poletto bezeugen. dpa

Der Außenminister als Trauzeuge

Frank-Walter Steinmeier (SPD) wird die Ehe von Bahnchef Rüdiger Grube mit TV-Köchin Cornelia Poletto bezeugen.

BerlinEiner wie Rüdiger Grube stellt sogar Königin Elisabeth II. in den Schatten. „Bahn-Chef heiratet TV-Köchin“ stand in großen Lettern vergangenen Freitag auf der Titelseite der Bild-Zeitung; die Schlagzeile „Deutschland feiert die Queen“ wirkte dagegen mickrig s in dem Boulevard-Blatt. Der 63-jährige Chef des 100-prozentigen Staatskonzerns heiratet im August in Hamburg die Köchin Cornelia Poletto. Und die nächste Schlagzeile steht auch schon fest: „Grube und Poletto: Steinmeier wird Trauzeuge“.

Nach Informationen des Handelsblatts hat Grube Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gebeten, Trauzeuge bei seiner Hochzeit zu sein – und Steinmeier hat zugesagt. Das Auswärtige Amt wollte sich dazu auch auf mehrfache Nachfrage nicht äußern. Grubes Sprecher bei der Bahn erklärte: „Zu privaten Angelegenheiten meines Chefs äußere ich mich grundsätzlich nicht.“

Grube und Steinmeier duzen sich und treffen sich auch privat. Als Hartmut Mehdorn 2009 über die Abhöraffäre im Unternehmen stürzte, hatte sich Steinmeier für Grube als neuen Chef der Deutsche Bahn AG eingesetzt. „Unsere Wege haben sich in den letzten Jahren immer wieder gekreuzt“, sagte Steinmeier damals dem Handelsblatt. „Ich schätze ihn als einen unprätentiösen Gesprächspartner.“

Aber auch Kanzlerin Angela Merkel hatte damals bereits den Diplom-Ingenieur als Kandidaten im Blick. Als Daimler-Vorstand und vor allem als EADS-Verwaltungsratschef war er kein Unbekannter. Grube hat Merkel das komplizierte Geflecht des Rüstungskonzerns erklärt und sich als geschickter Diplomat präsentiert.

Genau das Richtige, was die Bahn nach dem hemdsärmeligen Manager Mehdorn brauchte, um das verlorene Vertrauen beim Anteilseigner Bund, Politikern im Bund und in den Ländern wie auch bei den Gewerkschaften wieder herzustellen und sicher aufs Gleis zu kommen – ohne weitere Börsengangfantasien. Auf das „Brot- und Butter-Geschäft“ der Bahn wollte er sich von Anbeginn konzentrieren, als Service, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Bahn, sagte Grube bei seiner ersten Pressekonferenz.

Seinem Freund Steinmeier half Grube kurz nach seinem Antritt als Bahnchef. Im August 2009, der Wahlkampf des SPD-Spitzenkandidaten Steinmeier ging in die heiße Phase, gaben beide gemeinsam in Steinmeiers Wahlkreis den Startschuss für ein Schienenverkehrsforschungszentrum. Grube soll eigens seinen Urlaub unterbrochen haben, um Steinmeier beizustehen und die Forschung am CO2-freien Schienentransport als „kühne Vision“ zu bewerben. CDU-Politiker nannten den Termin damals die „Steinmeier-Show“, zumal die Finanzierung noch nicht gesichert war.

Der damalige Wahlkreis-Abgeordnete der CDU, Ludwig Burkardt, kommentierte Grubes Besuch mit den Worten: „Schließlich muss man sich ja für die Berufung an die Spitze eines solchen bedeutenden Unternehmens wie der Bahn revanchieren.“ Das Zentrum wurde nie gebaut.

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