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05.01.2012

21:38 Uhr

Stellungnahme

„Was schausten so?“

Die ZDF-Journalistin Bettina Schausten reagiert gelassen auf den Spott, den sie sich durch einen einzigen Satz im Interview mit Bundespräsident Wulff eingehandelt hat. 150 Euro für eine Übernachtung bei Freunden?

Ob Bettina Schausten in diesem Augenblick bereits gewusst hat, dass ihre Antwort ihr noch eine Menge Ärger einbringen würde? Screenshot

Ob Bettina Schausten in diesem Augenblick bereits gewusst hat, dass ihre Antwort ihr noch eine Menge Ärger einbringen würde?

Die Fernsehjournalistin Bettina Schausten hat gelassen auf die Häme reagiert, die ihr nach dem TV-Interview mit dem massiv unter Druck stehenden Bundespräsident Christian Wulff zu Teil wurde. Mit einem einzigen Satz in dem Interview hatte es Schausten binnen Minuten geschafft, zwei eigene Seiten bei Facebook - darunter: „Fr. Schausten muss ihre bezahlten Übernachtungen bei Freunden offenlegen“ - viele Tweets bei Twitter und eine Menge Spott auf Webseiten und Blogs aller Art einzufahren. “Frau Schausten” ist das Schlagwort des Tages im deutschsprachigen Web geworden - Google findet 213.000 Einträge, die sich größtenteils mit ihrem großen Auftritt beschäftigen, oder besser gesagt: der 150-Euro-Frage.

Was ist passiert? Als Wulff Bettina Schausten und ihrem ARD-Kollegen Ulrich Deppendorf erklärt, warum sich “die Republik zum Negativen” wandele, wenn man als Bundespräsident nicht mehr kostenlos bei seinen Freunden übernachten dürfe, kommt es zu einem folgenschweren Wortwechsel.

Und zwar:

Bettina Schausten: „Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. Sowas. Was spricht dagegen eigentlich?“
Christian Wulff: „Machen Sie das bei Ihren Freunden so?“
Schausten: „Ja.“
Wulff: „Dann unterscheidet Sie das von mir in dem Umgang mit den Freunden.“

„Die Welle, die da heute durch das Internet ging, fand ich amüsant“, sagte die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. „Ich darf Ihnen sagen: Nein, ich nehme kein Übernachtungsgeld von Freunden, die auf meiner Gästematratze übernachten. Darum ging es in dem Interview mit Wulff aber auch nicht.“ Schausten führte aus: „Es ging im Gesprächskontext nicht um mich, sondern um die Frage, ob man als Ministerpräsident wirklich kostenlosen Urlaub bei Millionärsfreunden annehmen darf.“ Der Bundespräsident habe versucht, das ganze Thema auf die Ebene von normalen Besuchen bei Freunden herunterzubrechen. Sie habe sich dabei den Einwand erlaubt, dass man bei Urlaubsaufenthalten selbstverständlich auch Freunden anbieten könne, einen finanziellen Beitrag zu leisten, betonte Schausten. Das habe sie in der Vergangenheit auch selbst schon getan.

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Rasch reagieren

„Man muss schnell reagieren, um handlungsfähig zu bleiben. Eine Salamitaktik, das scheibchenweise Einräumen von Fehlern, hat noch nie funktioniert", sagt Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er forscht zu Medienskandalen und Medienethik.

Medienwandel begreifen

Der Professor sagt auch: „Die Salamitaktik funktioniert ganz besonders schlecht unter den gegenwärtigen Bedingungen digitaler Kommunikation, denn bei einem möglichen, eventuell dann wieder fehlerhaften Teilgeständnis ist der Gegenbeweis blitzschnell sichtbar.“

Maximale Transparenz

Ein weiterer Tipp des Experten: „Man muss die Vorfälle schonungslos aufklären und dann mit einer möglichst ernsten, überzeugenden Geste um Verzeihung bitten.“

Image und Inhalt

Ebenfalls sei die Übereinstimmung von Institution und Inhalt laut dem Medienexperten Pörksen sehr wichtig: „Die Art und Weise des Skandalmanagements darf dem eigenen Image und vor allem dem Repräsentationskorsett des Amts, das man ausübt, nicht widersprechen."

Die Häme gegen sich habe sie wahrgenommen, sagte die ZDF-Moderatorin. „Ich hatte mit dem journalistischen Ertrag des Interviews heute allerdings mehr zu tun.“ Die Entwicklung im Fall Wulff gehe weiter. „Der Bundespräsident hat neue Maßstäbe in Sachen Transparenz versprochen und wird sich daran messen lassen müssen.“

Kommentare (29)

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RDA

05.01.2012, 16:06 Uhr

Tja, und wenn Frau Schaustens Einkünfte aus Vermietungen zusammen mit sonstigen Nebeneinkünften jährlich mehr als 410 Euro betragen, dürfte sich auch das Finanzamt dafür interessieren.

Oldi

05.01.2012, 16:16 Uhr

Wenn ich zu meiner Freundin ins Rotlichtviertel gehe, muss ich auch 150 Euro bezahlen.

wullar

05.01.2012, 16:19 Uhr

"weil sie angeblich von Freunden 150 Euro für eine Übernachtung verlangt."

Das ist falsch, soweit Sie sich auf die Aussage von Frau Schausten im Wulff-Interview stützen. Ist es von Journalisten zuviel verlangt, den Unterschied zwischen geben und nehmen zu erfassen?

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