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06.12.2012

13:37 Uhr

Stephan Weil

Der unbekannte Favorit

VonStefan Kaufmann

Stephan Weil fehlt der Glamourfaktor, er beherrscht nicht die bundesweiten Schlagzeilen, ist Fan von Hannover 96. Niedersachsen ist der SPD-Mann ein Leben lang treu. Zum Dank wird er wohl zum Ministerpräsidenten gewählt.

Die Krawatte muss sitzen: Spitzenkandidat Stephan Weil mit Doris Schröder-Köpf. dpa

Die Krawatte muss sitzen: Spitzenkandidat Stephan Weil mit Doris Schröder-Köpf.

Düsseldorf"Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen", so singen die Menschen im Nordwesten der Republik voller Inbrunst. Eine Hymne, wie für Stephan Weil geschrieben. Sehr erdverwachsen sei er, sagt der 53-jährige Sozialdemokrat. "Seit 48 Jahren lebe ich in Hannover". Zurzeit ist er Oberbürgermeister in der Landeshauptstadt, ab Januar will er als Ministerpräsident das ganze Bundesland führen. Und seine Chancen stehen gut.

Dabei nimmt sein Bekanntheitsgrad in Deutschland bescheidene Ausmaße an. Das zeigt auch eine repräsentative Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts „mafo.de“ im Auftrag von Handelsblatt Online. Danach gaben nur 14,5 Prozent der Befragten an zu wissen, bei wem es sich um Stephan Weil handelt. Der amtierende Ministerpräsident David McAllister (CDU) kam bei der Umfrage immerhin auf einen Bekanntheitsgrad von 40,8 Prozent.

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Rund einen Monat vor der Niedersachsen-Wahl erzielt die CDU auf der Handelsblatt-Prognosebörse den Höchstwert, die FDP knackt die Fünf-Prozent-Hürde. Trotzdem reicht es für Ministerpräsident David McAllister nicht.

"Stephan Wer?" dürfte daher die Standardantwort auf die Frage nach dem SPD-Spitzenkandidaten sein. Antworten auf die großen politischen Fragen, die die Republik bewegen, hat Weil parat – los wurde er sie bislang kaum. Was ihn auch nicht überrascht. "Ich stehe erst seit elf Monaten auf der landespolitischen Bühne", sagt Weil. Gewinnt er die Wahl, will er sich auch bundespolitisch einmischen.

"Berlin und Brüssel sind wichtige Arbeitsplätze für einen niedersächsischen Ministerpräsidenten", sagt er im Gespräch mit Handelsblatt Online. "Dort fallen Entscheidungen, die uns direkt betreffen, beispielsweise wichtige Steuerfragen. Mein Vorwurf an David McAllister ist, dass er gegenüber der Bundesregierung sehr samtpfötig auftritt."

McAllister und die CDU liegen eineinhalb Monate vor der Wahl in Niedersachsen laut einer Umfrage vorne. Trotzdem ist Stand heute eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition unwahrscheinlich. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung von Infratest dimap im Auftrag des NDR würden sich 40 Prozent der Wähler für die CDU entscheiden. Die FDP käme aber nur auf drei Prozent und wäre damit nicht mehr im Landtag vertreten.

SPD und Grüne – die zusammen koalieren wollen – erreichen 33 beziehungsweise 15 Prozent der Stimmen. Die Linke käme der Befragung zufolge auf drei Prozent der Stimmen. Die Piraten würden mit drei Prozent ebenfalls einen Einzug in den Landtag verpassen.

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Für die FDP und ihren Vorsitzenden Rösler geht es um alles oder nichts.

"Die Lage ist sehr stabil, Rot-Grün hat in den Umfragen seit Monaten die Mehrheit", sagt Weil. Ruhig läuft der Wahlkampf bislang. "Es gibt nicht das eine Thema. Für die SPD geht es um grundlegende Fragen, wie eine bessere Bildungspolitik, Bekämpfung des Fachkräftemangels, mehr Kitaplätze und die Energiewende." Gesprächsbedarf gebe es nicht nur wegen Gorleben, sondern auch wegen der Off-Shore-Politik ab der Küste.

Stephan Weil kennt die Befindlichkeiten, sein Lebenslauf weist ihn als Niedersachsenkenner aus. Abitur in Hannover, Jurastudium in Göttingen, zweites juristisches Staatsexamen im OLG-Bezirk Celle, Rechtsanwalt und Richter in Hannover, Stadtkämmerer von Hannover und seit 2006 Oberbürgermeister. Fußballfan? Natürlich Hannover 96. "Tiefwurzler" hat ihn eine Zeitung jüngst genannt und es hat ihm gefallen. "Wobei, Langstreckenläufer hätte noch besser gepasst – beruflich und privat." Die Abteilung "Glamour und Schlagzeilen" führt bei den niedersächsischen Genossen jemand anderes.

Kommentare (1)

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hagra

19.12.2012, 14:06 Uhr

Danke für den Artikel, Herr Kaufmann und das HB machen es sich wohl zur Aufgabe, einem Nowbody zu ein Bißchen Bekanntheit zu verhelfen. Durch die Umfragen entsteht der Eindruck, dass die Niedersachsen hinter alles ein Kreuzchen machen, wenn es nur Rot genug ist: sie würden auch einen am Kleiderbügel hängenden Mantel wählen, wenn er nur rot wäre. Wurde der Text des Artikels aus Sparsamkeit vom SPD-Wahlkampfbüro übernommen? Nochmals danke für die Wahlhilfe!

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