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12.10.2014

15:46 Uhr

Sterbebegleitung

Das Recht auf den eigenen Tod

Mehr als 500 000 Menschen bräuchten jährlich in Deutschland Sterbebegleitung, sagen Experten. Weniger als 100 000 bekommen sie. Die Jungen Liberalen wollen auch Kindern das Recht auf selbstbestimmtes Sterben einräumen.

Sterbehilfe auch für unheilbar kranke Kinder? Das fordern die Jungen Liberalen. dpa

Sterbehilfe auch für unheilbar kranke Kinder? Das fordern die Jungen Liberalen.

Die Jungen Liberalen haben sich dafür ausgesprochen, auch für unheilbar kranke Kinder aktive Sterbehilfe zu ermöglichen. Sie fordern, eine rechtliche Grundlage zu schaffen. Doch der Bundestag wird wohl erst in einem Jahr über die gesetzliche Regelung zur Sterbehilfe entscheiden. Die abschließende Debatte soll im vierten Quartal 2015 stattfinden, wie die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Högl am Freitag sagte. Högl und die SPD-Abgeordneten Kerstin Griese legten ein Positionspapier vor, in dem ein Verbot von Sterbehilfe-Vereinen verlangt wird. Eine ähnliche Initiative gab es bei den Grünen.

Am 13. November diesen Jahres soll es eine „Orientierungsdebatte“ im Plenum geben, in der die Abgeordneten unabhängig von Fraktionsgrenzen ihre Positionen darlegen können. Bei der Entscheidung im kommenden Jahr soll kein Fraktionszwang gelten. „Wir brauchen für diese Debatte auch Zeit“, sagte Högl. „Es geht nicht darum, dass wir in den nächsten paar Wochen oder Monaten eine Lösung finden.“

Wo Sterbehilfe erlaubt ist

USA

In den USA ist aktive Sterbehilfe generell verboten, der ärztlich assistierte Freitod aber in einigen Bundesstaaten erlaubt. Oregon ermöglichte als erster US-Staat Ärzten, unheilbar Kranken ein tödliches Medikament zu verschreiben, das der Patient dann selbst einnimmt. Ein Gesetz von 1997 sieht dafür strenge Auflagen vor. Zwei Ärzte müssen bescheinigen, dass der Kranke voraussichtlich nur noch höchstens sechs Monate zu leben hat. Der Betroffene muss volljährig sein, seinen Wohnsitz in Oregon haben und seinen Sterbewunsch mehrfach mündlich wie schriftlich äußern. Ähnliche Regelungen gibt es in den Bundesstaaten Washington und Vermont, in Montana und New Mexico entsprechende Gerichtsentscheide.

Deutschland

In DEUTSCHLAND ist die aktive Sterbehilfe ebenfalls strafbar. Erlaubt ist passive Sterbehilfe, bei der Ärzte lebenserhaltende Maßnahmen abbrechen, indem sie etwa das Beatmungsgerät abschalten. Auch ein Mittel zur Selbsttötung bereitzustellen, das der Betroffene selbst einnimmt, ist vom Grundsatz her nicht strafbar. Unter Umständen können Unterstützer aber wegen unterlassener Hilfeleistung oder Totschlags belangt werden. Ärzten ist die Beihilfe zum Suizid durch die Berufsordnung untersagt

Schweiz

In der SCHWEIZ ist Sterbehilfe zwar weithin gesellschaftlich akzeptiert, eine aktive Unterstützung - wie etwa Tötung auf Verlangen - ist aber auch hier verboten. Die Gesetze erlauben jedoch, aus nicht-selbstsüchtigen Motiven sterbenskranken Menschen auf Wunsch Beihilfe zum Suizid zu leisten. Bei der Einnahme eines tödlichen Medikaments dürfen Sterbebegleiter sowie Angehörige und Freunde zugegen sein. Die Sterbehilfe-Organisation Exit akzeptiert nur Antragsteller, die ihren festen Wohnsitz in der Schweiz haben. Offen für Sterbewillige aus aller Welt ist die Organisation Dignitas.

Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO bräuchten 60 Prozent der Schwerstkranken eine professionelle Sterbebegleitung. Tatsächlich hätten nur 15 Prozent der jährlich 870 000 Sterbenden in Deutschland eine solche Hilfe erfahren, sagte Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz in Dortmund.

Die Stiftung Patientenschutz fordert einen Masterplan zum Ausbau einer professionellen, mobilen Sterbebegleitung und die Einführung einer besonderen Pflegestufe für Sterbende. Die Mehrkosten, die auf die Sozialkassen zukämen, beziffert sie auf eine Milliarde Euro im Jahr. „Ich glaube, dass das Geld gut angelegt ist“, sagte Brysch. „Heute zahlen wir ein Mehrfaches für unnötige Chemotherapien oder Operationen.“ Zudem sei eine eigene Pflegestufe notwendig. „Die Sozialkassen müssten 5000 Euro pro Monat zusätzlich für die letzten Lebenswochen bereitstellen.“

Von

dpa

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