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22.04.2013

10:58 Uhr

Steueraffäre um FC Bayern-Präsident

Hoeneß schweigt

Der Bayern-Präsident will sich in Sachen Steuerhinterziehung nicht äußern. Auch die Staatsanwaltschaft schweigt. Und so wird vor allem über die Höhe des Betrags spekuliert – und fast alle Fragen bleiben offen.

Uli Hoeneß hat sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt. dpa

Uli Hoeneß hat sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt.

MünchenJetzt will er schweigen, obwohl es viel zu sagen gäbe: „Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen, sagte Uli Hoeneß der „Süddeutschen Zeitung“. Und so bleiben fast alle Fragen um die Steuerhinterziehung und die Selbstanzeige des FC Bayern Präsidenten erst mal offen.

Klar ist in Sachen Hoeneß bisher nur eins: Der FC Bayern-Präsident hat sich im Januar selbst angezeigt – wegen eines Kontos in der Schweiz. Doch das war es dann auch schon mit den Klarheiten: Offen ist noch, ob die Selbstanzeige ausreicht – die Staatsanwaltschaft prüft die Vollständigkeit der Selbstanzeige. Auch um welchen Betrag es sich nun handelt und woher die Gelder kommen, ist ungeklärt. Und dann sind da auch noch prominente Namen im Spiel.

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, dass das Geld aus Einnahmen aus Börsenspekulationen komme. Dafür soll Hoeneß ein Darlehen von bis zu 15 Millionen Euro von Robert Louis-Dreyfus, dem Ex-Chef von Adidas, erhalten haben. Die Einnahmen aus diesen Spekulationen sollen Hoeneß demnach versteuert und das Geld in der Schweiz auf ein Konto gelegt haben. Doch die dann anfallende Kapitalertragssteuer blieb der den deutschen Finanzämtern schuldig.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Die „SZ“ berichtet, es handle sich wohl um ein Vermögen von 18 bis 20 Millionen Euro, ausgehend von den drei Millionen Euro, die Hoeneß für die Steuerhinterziehung nachgezahlt habensoll. Doch es wird noch über ganz andere Zocker-Beträge spekuliert: Die Münchner Abendzeitung hatte von „mehrere Hundert Millionen Euro“ berichtet und schon zu Beginn des Jahres 2013 schriebt der „Focus“ über einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe.

Hoeneß jedenfalls macht dicht und lässt mitteilen: „Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen.“ Er wies zudem darauf hin, dass er vorerst nichts zum schwebenden Verfahren sagen könne. „Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere.“ Auch die Staatsanwaltschaft gibt keine weiteren Details bekannt. Und so bleibt die Frage offen, welchen Betrag Hoeneß auf seinem Schweizer Konto geparkt hat.

Mit Material von dpa

Kommentare (8)

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Vicario

22.04.2013, 10:42 Uhr

Zitat : „Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere.“

- wird es der FC Bayern auch ? Welch eine Arroganz (...) ?!!!!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Busch

22.04.2013, 12:00 Uhr

Auch für Herrn Höneß gilt die Unschuldsvermutung.Ende.

Account gelöscht!

22.04.2013, 12:13 Uhr

es muss ja einen Maulwurf geben der dem Fokus den Tip gegeben hat..ich würde auch erstmal schweigen das Verfahren kann sich hinziehen

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