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12.01.2015

13:55 Uhr

Steuerbetrug in Deutschland

2014 Rekordwert bei Steuer-Selbstanzeigen

Kurz vor knapp noch reinen Tisch gemacht: Bevor Steuerbetrug noch härter bestraft wird, nutzten so viele Steuersünder wie noch nie im vergangenen Jahr die strafbereifende Selbstanzeige. 40.000 Selbstanzeigen sind Rekord.

Ein Kugelschreiber auf einer „Selbstanzeige“ neben einer Einkommenssteuerklärung: Die strafbereifende Anzeige war 2014 besonders beliebt. dpa

Ein Kugelschreiber auf einer „Selbstanzeige“ neben einer Einkommenssteuerklärung: Die strafbereifende Anzeige war 2014 besonders beliebt.

BerlinVor dem Inkrafttreten schärferer Regeln für die strafbefreiende Selbstanzeige haben so viele Steuerbetrüger in Deutschland reinen Tisch gemacht wie nie zuvor. 2014 seien bei den Finanzbehörden fast 40.000 Selbstanzeigen eingegangen, wie aus einer Umfrage der Zeitung „Die Welt“ hervorgeht.

Die meisten Anzeigen habe es in Baden-Württemberg gegeben, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die wenigsten Selbstanzeigen seien aus Mecklenburg-Vorpommern gemeldet worden.

Der Rekordwert hatte sich schon länger abgezeichnet. Seit Januar ist es für reuige Steuerbetrüger deutlich teurer, per Selbstanzeige straffrei davonzukommen. Steuerbetrug bleibt nun lediglich noch bis zu einer hinterzogenen Summe von 25.000 Euro straffrei.

Diese Steuern sollten Sie kennen

Einkommenssteuer

Sofern Ihr Gewinn über bestimmten Freibeträgen liegt, müssen Sie ihn versteuern. Im Prinzip sind alle Kosten, die in Zusammenhang mit der Erwirtschaftung der Einnahmen stehen, absetzbar. Da die Regelungen im Detail aber recht kompliziert sind, sollten Sie über einen Steuerberater nachdenken.

Körperschaftssteuer

Die Körperschaftssteuer fällt nur für Kapitalgesellschaften an. Versteuert werden deren Gewinne minus einem Freibetrag. Eine einkommensabhängige Progression gibt es hier nicht. Zum 1. Januar 2008 fiel der Satz von 25 auf 15 Prozent.

Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer ist eine kommunale Steuer. Jeder, der in Deutschland ein Gewerbe angemeldet hat, muss sie zahlen. Für einige Berufsgruppen gibt es Ausnahmen. Bei Personengesellschaften gilt aber die Grenze von 24.500 Euro – darunter müssen sie keine Gewerbesteuer zahlen. Sie wird einmal jährlich abgegeben. Wenn das Finanzamt Sie auffordert, müssen Sie darüber hinaus ein- bis viermal im Jahr Vorauszahlungen leisten.

Mehrwertsteuer/Umsatzsteuer

Alle Unternehmen schlagen die Umsatzsteuer auf ihre Rechnungen auf und geben sie dann an das Finanzamt weiter. Bekanntermaßen beträgt der Satz je nach Produkt 19 bzw. sieben Prozent. Die Buchführung für die Umsatzsteuer machen Sie am besten mit Nettobeträgen, für den Mehrwertsteuersatz führen Sie dann eine Extra-Rechnung durch.

Kirchensteuer

Kirchensteuer wird nur von natürlichen Personen gezahlt, nicht von Gesellschaften. Das maßgebliche Einkommen ist bei Personengesellschaften der gesamte Gewinn.

Bei höheren Beträgen wird nur gegen Zahlung eines kräftigen Zuschlags von Strafverfolgung abgesehen. Für eine wirksame Selbstanzeige verlängert sich auch der Offenlegungszeitraum. Der geständige Steuerhinterzieher muss nun für zehn Jahre reinen Tisch machen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Niccolo Machiavelli

12.01.2015, 14:10 Uhr

Derweil geht die Verschwendung von Steuergeldern in großem Stil (nach meinen Feststellungen jedes Jahre ein deutlich dreistelliger Milliardenbetrag) unbekümmert weiter.

Insofern haben Sie die Selbstanzeigen einen bitteren Beigeschmack.

Herr Manfred Zimmer

12.01.2015, 15:30 Uhr

Dann kommt ja auch bald die Zeit, dass es keine Selbstanzeigen mehr gibt und der nordrhein-westfälische Finanzminister Borjan an die Schweiz ausgeliefert wird.

Der Mann wird per Haftbefehl wegen eines Delikts, das auch hierzulande einen Straftatbestand erfüllt, gesucht.

Es ist schon erstaunlich, dass Beamten signalisiert wird, dass der Staat auch Straftäter in den eigenen Reihen beschäftigt und diese sogar Karriere machen.

Wenn es Bürger gibt, die daran Anstoß nehmen, dann ist dies nicht verwunderlich. Es gibt wohl keinen Politiker, dem dies nicht bekannt ist und alle schweigen. Ich habe sie alle bei der Demonstration in Paris vermisst!

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