Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.12.2015

15:00 Uhr

Steuererklärungen

Das Finanzamt wird papierlos

Computer und nicht mehr Beamte sollen demnächst die Steuerbescheide versenden. Das Finanzamt soll dadurch schneller und transparenter werden. Das Bundeskabinett beschloss die Modernisierung des langwierigen Verfahrens.

Die Bearbeitung soll ab 2022 digital erfolgen. dpa

Steuererklärung 2.0

Die Bearbeitung soll ab 2022 digital erfolgen.

BerlinFinanzämter sollen in einigen Jahren den Großteil der Steuererklärungen vollautomatisch bearbeiten. Spätestens ab 2022 sollen Bürger flächendeckend jederzeit und papierlos mit dem Finanzamt kommunizieren können – Computer übernehmen dann den Datenaustausch zwischen Fiskus und Arbeitnehmer. Ein entsprechendes Gesetz von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg gebracht.

Angestrebt wird, dass die meisten Steuererklärungen nicht mehr von Finanzbeamten bearbeitet werden. Diese würden so von Routineaufgaben entlastet und könnten sich auf komplizierte Verfahren konzentrieren. Durch ein „Risikomanagementsystem“ sollen lediglich betrugsanfällige Erklärungen herausgefiltert und näher beleuchtet werden.

Diese Belege gehören zur Steuererklärung - und diese nicht

Mantelbogen
  • Zuwendungsnachweise wie z.B. Spendenbescheinigungen
  • Nachweis der Behinderung im Erstjahr bzw. bei Änderung
Zu Anlage G, S, L - Einkünfte aus Gewerbe, Selbstständigkeit, Landwirtschaft
  • Unterlagen über die Gewinnermittlung (aber auch nur, falls nicht elektronisch übermittelt)
Zu Anlage KAP - Kapitalerträge
  • Steuerbescheinigung über anrechenbare Kapitalertragsteuer, nur wenn eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge oder die Günstigerprüfung beantragt wird
  • Steuerbescheinigung über Kapitalerträge, für die keine Kirchensteuer einbehalten wurde, obwohl eine Kirchensteuerpflicht besteht
  • Bescheinigung über anrechenbare ausländische Steuern
Zur Anlage N - Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
  • Lohnsteuerkarte (in der Regel nicht mehr nötig, da Daten elektronisch übermittelt)
Zur Anlage VL - Vermögenswirksame Leistungen
  • Bescheinigung über vermögenswirksame Leistungen
Zur Anlage Unterhalt
  • Nachweis der Unterhaltsbedürftigkeit
Nicht benötigte Belege

Die meisten Quittungen und Bescheinigungen müssen nur auf Nachfrage dem Finanzamt vorgelegt werden, dazu gehören zum Beispiel Nachweise über Ausgaben für:

  • Arbeitsmittel
  • Beiträge an Berufsverbände
  • Beitragsbestätigungen für Versicherungen
  • Kontogebühren
  • Kinderbetreuung
  • haushaltsnahe Dienstleistungen

Die einzelnen Ausgabenposten können aber vom Finanzamt geprüft werden und müssen dann nachträglich belegt werden.

Bürger, die ihre Steuererklärung freiwillig elektronisch abgeben, sollen von einer schnelleren Bearbeitung profitieren. Die schon bestehende elektronische Steuererklärung „Elster“ soll dazu ausgebaut werden. Die vorausgefüllte Steuererklärung kann dann einfach aus dem Internet heruntergeladen werden. Papierbelege würden nur noch in Zweifelsfällen verlangt.

Daten Dritter wie des Arbeitgebers, der Krankenkasse oder über Kapitaleinkünfte sollen elektronisch eingefügt werden. Die fertige Steuererklärung kann dann per Knopfdruck an das Finanzamt übermittelt werden - der Steuerbescheid kommt ebenfalls digital zurück. Die Länder stehen hinter den Plänen zur „Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“, über das sie seit eineinhalb Jahren mit dem Bund diskutiert haben.

Steuererklärung ohne Belege: Warum Finanzämter vor Quittungen warnen

Steuererklärung ohne Belege

Warum Finanzämter vor Quittungen warnen

Schluss mit dem Papierkram, verspricht die Bundesregierung – endlich sollen Steuererklärungen ohne Belege möglich sein. Dabei ist die Abgabe der Erklärung fast ohne Quittungen bereits gewünscht und gang und gäbe.


Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×