Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2015

17:17 Uhr

Steuerhinterziehung

NRW verzeichnet Höchstwert bei Selbstanzeigen

Steuerhinterzieher erstatten immer öfter Selbstanzeige. In Nordrhein-Westfalen wurden 2014 Höchstwerte erreicht. Der Fiskus darf sich nun über eine stattliche Summe an Mehreinnahmen freuen.

Selbstanzeigen von Steuersündern nehmen zu. dpa

Selbstanzeigen von Steuersündern nehmen zu.

DüsseldorfDie Zahl der Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern ist in Nordrhein-Westfalen 2014 auf neue Höchstwerte gestiegen. Mehr als 7500 Menschen hätten im vergangenen Jahr bei den Behörden Steuersünden im Zusammenhang mit der Schweiz gebeichtet, teilte das nordrhein-westfälische Finanzministerium am Donnerstag mit.

Das seien mehr als in den beiden Vorjahren zusammen. „Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache“, bilanzierte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. „Viele Steuerhinterzieher haben endlich begriffen, dass wir es ernst meinen“, fügte der SPD-Politiker hinzu. 2015 rechne er nun aber mit weniger Selbstanzeigen. Die Voraussetzungen für eine Strafbefreiung wurden verschärft, zudem stieg der Strafzuschlag für nachgezahlte Steuern.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Walter-Borjans hatte immer wieder ein hartes Vorgehen gegen Steuerbetrüger gefordert. Die Furcht vor der Entdeckung sei das wichtigste Motiv für eine Selbstanzeige, hatte der SPD-Politiker erklärt. NRW hatte ab 2010 mehrere CDs mit Datensätzen von Steuerhinterziehern gekauft, zahlreiche hatten Gelder bei Schweizer Banken versteckt. Seit Frühjahr 2010 hätten allein in NRW 19.471 Menschen Selbstanzeigen bei der Finanzverwaltung abgegeben. Der Fiskus fuhr Mehreinnahmen von über 1,5 Milliarden Euro ein, teilte das Ministerium weiter mit.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

08.01.2015, 17:47 Uhr

"NRW verzeichnet Höchstwert bei Selbstanzeigen"

Man muss doch die Frage stellen, wie der Finanzminister von NRW früher seine Zuständigkeit organisierte, seinen Job machte?

Jede Selbstanzeige ist doch eine Klatsche für Herrn Borjans.

Account gelöscht!

08.01.2015, 17:52 Uhr

Höchst- und andere statistische Werte sind nur von Interesse und Bedeutung, sofern sie aussagen können, wie viele Steuerverweigerer sich bislang nicht angezeigt hätten.

Es dürften viele Millionen sein. Und die werden mehrheitlich auch nie so dumm sein, sich staatlichen Erpressern auszuliefern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×