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22.05.2013

17:30 Uhr

Steueroasen

Konzerne sehen sich zu Unrecht am Steuer-Pranger

ExklusivDeutschlands große Unternehmen wehren sich gegen die Unterstellung, den Fiskus zu betrügen. Es seien ja gerade die Regierungen gewesen, die gezielt steuerliche Anreize geschaffen hatten - mit Billigung der EU.

Ein Airbus der Fluggesellschaft Aer Lingus im Anflug auf Dublin. Irland galt lange als Niedrigsteuerland, das viele Konzernzentralen anlockte. dpa

Ein Airbus der Fluggesellschaft Aer Lingus im Anflug auf Dublin. Irland galt lange als Niedrigsteuerland, das viele Konzernzentralen anlockte.

Die Konzerne in Deutschland wehren sich gegen den Vorwurf, sie würden zulasten der Gesellschaft exzessiv Steuern sparen. „Viele steuerliche Anreize sind von den beteiligten Staaten eingeführt und von der EU mit dem Ziel der Wirtschaftsförderung strukturschwacher Gebiete abgesegnet worden“, sagte Ullrich Fechner, langjähriger Steuerabteilungsleiter bei Boehringer Ingelheim. „Und jetzt werden sie als illegitime Ausnutzung von Steuerschlupflöchern bezeichnet“, sagte er dem Handelsblatt. Beim EU-Gipfel in Brüssel berieten am Mittwoch die Regierungschefs darüber, gezielt gegen die Steuergestaltung internationaler Konzerne vorzugehen.

Der Industrieverband BDI beklagte, es sei unfair, wenn Unternehmen, die sich legal verhielten, in die Nähe von Steuerbetrügern gerückt würden. Der deutsche Fiskus sei längst nicht so wehrlos, wie Bundesfinanzminister Schäuble es gelegentlich darstelle, meint der BDI. Die Zinsschranke etwa begrenze seit dem Jahr 2008 die Gewinnverlagerung in Richtung Irland. Die Steuerausfälle durch Verlagerung einzelner Tätigkeitsfelder lasse sich der Fiskus in Form einer Steuervorauszahlung auf künftig zu erwartende Gewinne ersetzen.

Weltweit sei Deutschland das einzige Land mit einer so harten Regel, sagte BDI-Steuerabteilungsleiter Berthold Welling. Lizenzgebühren wiederum werden teilweise auf die Gewerbesteuer angerechnet.

Christian Kaeser, Konzernsteuerchef bei Siemens, hält einige der populärsten Vorwürfe in der Debatte für falsch. „In der vermeintlichen Steueroase Delaware zahlen Unternehmen 35 Prozent Bundessteuern. Das ist mehr als in Deutschland“, sagte er dem Handelsblatt. Der große Vorteil von Delaware als Firmensitz liege im Gesellschaftsrecht: Nirgendwo sonst in den USA ließen sich mit weniger Aufwand Firmen gründen.

Den gesamten Artikel können Sie ab 20 Uhr in der Live-App lesen.

Von

dri

Kommentare (13)

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muunoy

22.05.2013, 18:57 Uhr

Zitat: Der Industrieverband BDI beklagte, es sei unfair, wenn Unternehmen, die sich legal verhielten, in die Nähe von Steuerbetrügern gerückt würden.
Lieber BDI: In Deutschland sind kleine Selbständige in den Augen der meisten Steuerprüfer schon potenzielle Steuerbetrüger, wenn es einfach mal gut läuft. Und dann wird man auch entsprechend behandelt. Immer wenn es bei mir mal besonders gut oder besonders schlecht läuft, habe ich Angst vor den kommenden Repressalien. Aktuell warte ich noch darauf, dass mir meine Firmenunterlagen von 2009 bis 2011 vielleicht mal wieder zurück gegeben werden. Die Prüfung war im Januar! Der parasitäre Staat wird immer unberechenbarer.
Ach ja, kürzlich hat Walter-Bjorjahns mal wieder die Steuerprüfer nach D-Dorf geladen, um sie zu noch härteren Prüfungen zu vergattern. Jetzt sind eben bald auch mal größere Unternehmen mit Repressalien des kleptokratischen Staates dran.

Account gelöscht!

22.05.2013, 19:07 Uhr

Es ist aber nicht zu Unrecht, wenn man realistischer Weise davon ausgeht, dass die Konzerne über Ihre Lobbygruppen die Freigiebigkeit der Regierungen "initiiert" haben.

Firmen_raus_aus_D

22.05.2013, 20:28 Uhr

Genau, deshalb sollte man auch alle Firmen aus Deutschland rausjagen, dann kann sowas nicht passieren.

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