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28.07.2012

13:57 Uhr

Steuerreform

Sozialabgaben sind für Geringverdiener die Hauptlast

VonAxel Schrinner

Staatliche Steuer-Privilegien kosten in der Summe eine Menge Geld. Demnach müssen alle Steuervorteile weg. Doch Radikalreformer übersehen dabei ein wichtiges Detail.

Niedrige Steuersätze müssen nicht unbedingt schlecht sein. dpa

Niedrige Steuersätze müssen nicht unbedingt schlecht sein.

Niedrige Steuersätze, breite Bemessungsgrundlage - gebetsmühlenartig predigen Finanzwissenschaftler diese Parole. Begründung: Steuervergünstigungen nutzen meist nur wenigen Steuerzahlern, und die Masse zahlt dafür.

Weil aber jeder von einer Steuervergünstigung profitieren möchte, gewährt der Staat immer mehr Privilegien. Dies kostet in der Summe eine Menge Geld, insbesondere wenn die Steuerzahler ihr Verhalten anpassen und sich steueroptimal verhalten, also etwa dann besonders viel arbeiten, wenn sie steuerfreie Schichtzuschläge erhalten.

Ergo müssen alle Steuervorteile weg und die Steuersätze runter. Nun mögen niedrigere Steuersätze nicht unbedingt schlecht sein. Womöglich steigt dadurch wirklich das Arbeitsangebot. Allerdings spielen im unteren Gehaltssegment die Steuersätze kaum eine Rolle für das Arbeitsangebot. Denn nicht Steuern, sondern die Sozialabgaben sind hier die Hauptlast.

Für einen gesetzlich krankenversicherten Single ist erst ab einem Bruttoeinkommen von etwa 80.000 Euro die Belastung durch Lohnsteuer und Soli höher als die durch Sozialabgaben. Wer also wirklich den Anreiz zu (ehrlicher) Arbeit im unteren und mittleren Einkommensbereich erhöhen will, der kommt um das Thema Sozialabgaben nicht herum. Und wer hier Geringverdiener entlasten will, muss zwangsläufig im oberen Bereich belasten.

Kommentare (2)

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28.07.2012, 17:18 Uhr

Hallo,
in den Sozialabgaben sind doch längst Steuerleistungen enthalten (Fremdleistungen), die nur zum Teil aus dem Steuerhaushalt wieder an die Sozialkassen erstattet werden.
Eine sozilale Grundsicherung könnte direkt über Steuern erhoben werden. Wer besser abgesichert sein will kann dies privat tun (der Blinddarm wird entfernt - aber vom Chefarzt nur gegen Privatzahlung, usw).

XXX

28.07.2012, 17:27 Uhr

Der Staat sollte nichts dauerhaft subventionieren.
Es sollte klar sein, wenn man von einer Arbeit nicht
leben kann. Langfristig werden Menschen diese Arbeit
verlassen usw. Da kann der Staat helfen/investieren. Wenigsten die nächste Generation kann etwas anderes machen. Umverteilungen führen zu unübersichtlichen Abhängigkeiten, die irgendwann "reformiert" werden müssen. z.B. dann, wenn Menschen ihre Arbeit verlieren, weil sie für Andere Kosten tragen. Warnung: Es gibt immer genug "ehrliche" Arbeit und die naheliegende Vorstellung, die Arbeitlosen könnten sie tun doch niemand will soviel bezahlen, wie nötig wäre.
Wir sollten die Marktwirtschaft hier nicht verlassen.
Es drohen riesige Umverteilungen, wenn viele Menschen sich
an solche Verhältnisse gewöhnen.

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