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01.04.2006

16:48 Uhr

Stoiber fordert völligen Neubeginn

Schulgewalt in Berlin löst Politikerdebatte aus

Nach dem Brandbrief von Berliner Lehrern wegen der Gewalt an ihrer Schule ist die politische Debatte über die Integration von Ausländerkindern voll entbrannt.

Die Rütli-Hauptschule im Berliner Stadtbezirk Neukölln. FOTO: dpa Quelle: dpa

Die Rütli-Hauptschule im Berliner Stadtbezirk Neukölln. FOTO: dpa

HB BERLIN. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und auch Spitzenpolitiker anderer Parteien halten bessere Deutschkenntnisse für einen Lösungsansatz. Auch hartes Durchgreifen gegen jugendliche Gewalttäter bis hin zur Abschiebung wurde gefordert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verlangte eine Versachlichung der Debatte über Gewaltprobleme. Die Forderung seines Bildungssenators Klaus Böger (SPD) nach mehr Geld für Schulen in sozialen Brennpunkten lehnte er ab.

Am Donnerstag war der schriftliche Hilferuf der Lehrer an der Rütli-Hauptschule im Berliner Problemstadtteil Neukölln ans Schulamt bekannt geworden. In der Schule werden zu 80 Prozent Kinder aus Migrantenfamilien unterrichtet. Am Freitag sorgten erstmals Polizisten vor der Schule für Sicherheit und Ordnung. Inzwischen wurden die monatelang vakante Stelle des Schulleiters besetzt und Sozialarbeiter mit Arabisch- und Türkischkenntnissen an die Schule abgeordnet. Nach „Spiegel“-Informationen haben Lehrer im Berliner Stadtteil Wedding Ende März einen ähnlich alarmierenden Brief verfasst.

Beim Wahlparteitag der Berliner CDU kritisierte Merkel den rot- roten Hauptstadt-Senat. Die SPD/PDS-Regierung unter Wowereit habe falsche Akzente in der Bildungspolitik gesetzt - das zeige sich in den Gewaltproblemen. Die Kanzlerin plädierte für eine Verbesserung der Deutschkenntnisse von Migrantenkindern. Diese müssten in der Lage sein, ihre Lehrer „überhaupt mit den Worten zu verstehen“. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil forderte, ausreichende Deutschkenntnisse zur generellen Voraussetzung für die Einschulung zu machen. „Wir sollten zusammen mit den Ländern dafür sorgen, dass in wenigen Jahren kein Kind mehr auf eine deutsche Schule kommt, ohne die deutsche Sprache zu sprechen“, sagte er der „Braunschweiger Zeitung“. Die Vorgänge in Berlin seien aber nicht nur eine Frage der Ausländer-Integration. „Wir erleben einen bedrohlichen gesellschaftlichen Zerfallsprozess, bei dem die sozialen Schichten auseinander driften. Soziale Herkunft entscheidet bei uns stärker als in anderen Ländern über Bildungs- und Lebenschancen.“

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