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24.01.2007

09:49 Uhr

Stoiber-Nachfolge

Ramsauer gibt der CSU Rätsel auf

VonMaximilian Steinbeis

Bleibt Karl Ramsauer, Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten, an der Seite von Horst Seehofer oder ergreift er Partei für Erwin Huber? In den vergangenen Tagen äußerte sich der Landesgruppenchef durchaus konträr zur Nachfolge von Edmund Stoiber. Eine Tendenz ist dennoch erkennbar, doch die entspricht nicht gerade den Erwartungen.

CSU-Landesgruppenchef Karl Ramsauer. Foto: dpa Quelle: dpa

CSU-Landesgruppenchef Karl Ramsauer. Foto: dpa

BERLIN. Eine gewisse Biegsamkeit ist von Vorteil für Spitzenpolitiker der CSU in diesen schwierigen Zeiten. Einer, dem in den vergangenen Tagen besonders fein austarierte Stellungnahmen abverlangt wurden, ist Landesgruppenchef Peter Ramsauer: Letzte Woche hatte der Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten noch den Eindruck erweckt, als kämpfe er an der Seite von Horst Seehofer gegen die Inthronisierung von Erwin Huber als neuem CSU-Chef. Dann hieß es, seine Landesgruppe habe sich ebenso entschlossen für Huber ausgesprochen. Schließlich sagte Ramsauer, der Parteivorsitzende gehöre in Zeiten der Ämtertrennung nach Berlin – was als Parteinahme für Seehofer verstanden wurde.

Ramsauer wird am Freitag an dem Spitzengespräch teilnehmen, bei dem Noch-Parteichef Edmund Stoiber die Chancen für eine Einigung im Diadochenkrieg ausloten will. In München wird unter Parteifreunden schon gespottet: „Ich fürchte, dass er das ganze ohne strategischen Zielpunkt betreibt“, heißt es in der Parteispitze. Den Landesgruppenchef trieben „protokollarische Gründe“: Ihm komme es offenbar mehr auf das Mitentscheiden an als auf das Ergebnis. Dabei sei klar, dass ein Parteivorsitzender Seehofer nicht in seinem Interesse sein könne. „Dann ist Ramsauer in Berlin abgemeldet. Wenn Seehofer als Parteivorsitzender in Berlin ist, dann ist da keine Luft mehr zum Atmen.“

Doch aus Berliner Sicht stellt sich die Sache für manchen ganz anders dar: Wenn Huber als Parteichef von München aus agiert, hätte es Ramsauer schwerer, den bundespolitischen Anliegen der Landesgruppe Gehör zu verschaffen. Huber sei, etwa in der Finanzpolitik, viel mehr in der landespolitischen Sicht gefangen als es Stoiber war. Dazu kommt: Wenn Seehofer zurückweicht, dann nicht ohne Preis. Zwar weiß niemand so recht, was man ihm bieten will. Aber offenbar stellt sich Stoiber eine Art Dreier-Team vor: Es sei denkbar, aus dem designierten Führungsduo ein „sehr, sehr gutes Trio zu machen“, sagte Stoiber Am Dienstag. Ein Problem mit Seehofer hätte Ramsauer damit so oder so.

Ohnehin sind die Spekulationen, wer jetzt was werden kann in der CSU, längst in vollem Gang. Schwierig wird es für Generalsekretär Markus Söder: Wenn Seehofer das Rennen macht, dürfte er die längste Zeit Generalsekretär gewesen sein – die beiden können nicht miteinander. Mit Huber gäbe es keine persönlichen Probleme, wohl aber solche des Proporzes: Die Oberbayern dürften Anspruch erheben, nach Stoibers Abgang abgefunden zu werden. Außerdem spräche viel für einen Generalsekretär aus den Reihen der Bundestagsabgeordneten: Dort gibt es viele junge Talente – der Finanzpolitiker Georg Fahrenschon, die bildungspolitische Fraktionssprecherin Ilse Aigner, der Wirtschaftsexperte Alexander Dobrindt werden genannt.

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