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13.01.2007

18:36 Uhr

Stoibers Zukunft

Schicksalsstunden in Kreuth

Die Führungskrise in der CSU-Spitze spitzt sich dramatisch zu und das Gerangel um die politische Zukunft von Parteichef Edmund Stoiber schlägt sich nun auch in drastisch sinkenden Umfragewerten nieder. Doch Stoiber hält eisern an der Macht fest. Nur wie lange noch? Über sein Schicksal dürfte wohl in Wildbad Kreuth entschieden werden.

Ernste Miene vor dem Showdown in Wildbad Kreuth. Foto: Archiv dpa

Ernste Miene vor dem Showdown in Wildbad Kreuth. Foto: Archiv

HB MÜNCHEN. Führende Christsoziale erhoffen eine einvernehmliche Lösung, weil ein Putsch gegen Stoiber tiefe Gräben in der CSU reißen würde. Aber das scheint nicht zu funktionieren. Stoiber sei „fest entschlossen“, sagt ein CSU-Spitzenmann. Die neueste Umfrage ist ein Albtraum für die CSU. Die Stoiber-Krise hat laut ZDF-Politbarometer so auf die Stimmung im Lande durchgeschlagen, dass nur noch 45 Prozent für die CSU stimmen würden - gut 15 Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl 2003. Außerdem sind 65 Prozent der Bayern gegen Stoiber als CSU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2008. Sogar 52 Prozent der CSU-Anhänger lehnen demnach eine Stoiber-Kandidatur ab.

Ein CSU-Sprecher relativierte die Zahlen. „Das ist lediglich ein Stimmungsbild, das aufgrund der aktuellen Diskussion auch verständlich ist“, sagte er. Bei der Sonntagsfrage zur Landtagswahl schneide die CSU regelmäßig mit deutlich über 50 Prozent ab.

In der Partei herrschen Konfusion und Verwirrung. In der gegenwärtigen aufgeheizten Stimmung dürfe man bloß nichts überstürzen, heißt die Devise. Aber die Ereignisse überstürzen sich. Fraktionschef Joachim Herrmann sendet äußerst verwirrende Signale aus: „Wir stehen zum Ministerpräsidenten“, sagt er am Samstag zunächst. Und fügt wenig später im Bayerischen Rundfunk hinzu: „Es ist unüberhörbar, dass sich die Stimmen mehren, dass man vielleicht doch in einer anderen Formation in die Landtagswahl 2008 gehen will.“ Herrmann ist gegen einen Putsch: „Ich glaube nicht, dass eine Hau-Ruck-Aktion sinnvoll wäre.“

Entscheidend für Stoibers Zukunft wird wohl der Auftritt des Parteichefs bei der Winterklausur der Landtags-CSU in Wildbad Kreuth am kommenden Dienstag. In der Landtagsfraktion überschlagen sich unterdessen wilde Gerüchte über mögliche Nachfolgekonstellationen: Innenminister Günther Beckstein der neue Ministerpräsident, Wirtschaftsminister Erwin Huber als neuer Fraktionschef, lautet ein Modell. Huber als Regierungschef, lautet die zweite Option. Abgeordnete der CSU-Landesgruppe im Bundestag verfolgen die Vorgänge in der Landtagsfraktion mit Entsetzen.

Beckstein sei in der Bevölkerung beliebter als Huber, heißt es bei den Anhängern des Innenministers. Sowohl Huber als auch Beckstein legen am Samstag Treueschwüre ab. Beide erklären fast gleich lautend, sie würden „nie gegen Stoiber antreten“. Parteivize Horst Seehofer wird immer wieder als neuer CSU-Vorsitzender genannt. Aber auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Gewiss ist nur eins: „Verheerender Schaden“, sagt ein Christsozialer.

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