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13.07.2012

15:27 Uhr

Stracke-Abgang

„GM verzockt das Vertrauen der Mitarbeiter“

VonDietmar Neuerer

ExklusivIn der Politik wächst die Kritik an General Motors. Mit der Entlassung von Opel-Chef Stracke setze der US-Konzern den "Zick-Zack-Kurs" fort, sagt Hessens stellvertretender Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn.

Hessens Innenminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) kritisiert General Motors. dapd

Hessens Innenminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) kritisiert General Motors.

BerlinDie stellvertretende Ministerpräsident von Hessen, der Justiz- und Europaminister des Landes Jörg-Uwe Hahn, hat auf den überraschenden Rücktritt von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke mit scharfer Kritik an der Muttergesellschaft General Motors (GM) reagiert. „GM verzockt gerade das Vertrauen seiner Mitarbeiter, der Verbraucher und das Vertrauen der Politik“, sagte der FDP-Landeschef Handelsblatt Online. Er erhoffe sich nun „ein Ende der Zick-Zack-Taktik für Opel“ und endlich eine nachhaltige Unternehmensstrategie. „Diese zu entwickeln und das Unternehmen langfristig zu sichern, ist jetzt die wichtigste Aufgabe eines neuen Opel-Chefs.“

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Mit Blick auf den Rücktritt des Opel-Chefs sagte Hahn weiter, mit oder ohne Stracke sei allen klar gewesen, dass vor Opel schwere Zeiten stünden. „Ich mache dafür vor allem das amerikanische Management verantwortlich“, sagte der FDP-Politiker. Opel habe eine Chance verdient. „Die hessische Landesregierung erwartet, dass die Zusagen von Herrn Stracke gegenüber den Opelanern eingehalten werden.“

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) appellierte am Freitag an die Adam Opel AG, den bisherigen Kurs nach dem Stracke-Rücktritt fortzusetzen. Die offensive Strategie müsse beibehalten werden: „Wir werden als Politik darauf achten, dass die Opel-Standorte in ihren Interessen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

Die FDP in Nordrhein-Westfalen forderte eine Öffnung der Märkte für Opel. „Statt ständig durch Wechsel in der Geschäftsführung für Unruhe bei Mitarbeitern und Kunden zu sorgen, sollte GM endlich die Erschließung der Märkte in Asien und Amerika für Opel freigeben, um die notwendigen Umsätze zu generieren“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, Dietmar Brockes, Handelsblatt Online.

Kommentare (1)

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13.07.2012, 12:41 Uhr

GM hat den Ruf von Opel inzwischen derart ruiniert, daß sich die Kunden entsetzt abwenden. Das US Management agiert derart dilettantisch und hat keinen blassen Schimmer wie man in Europa Autos baut und verkauft, kein Wunder bauen sie ja auch seit Jahrzenhten nur Autos für den US Markt die in der übrigen Welt nicht konkurrenzfähig sind und die keiner haben möchte.

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