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30.12.2011

10:29 Uhr

Strauß junior zum Euro

Im Namen des Vaters

VonDietmar Neuerer, Gerd Höhler

Wie hätte Franz-Josef Strauß auf die Euro-Krise reagiert? Sie wäre ihm nicht gleichgültig gewesen. Wie sein Sohn denkt, wissen wir jetzt - dank eines Facebook-Eintrages. Dort macht Max Josef Strauß seinem Ärger Luft.

Max Josef Strauß. Reuters

Max Josef Strauß.

Düsseldorf/AthenLange hat er geschwiegen: Max Josef Strauß, Jurist und ältester Sohn des legendären bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß. Doch jetzt platzte ihm der Kragen. Der Anlass: Der Steuerbetrug ist einer der Hauptgründe für die dramatische Finanzlage Griechenlands. Experten haben ausgerechnet, dass das Land binnen zehn Jahren kein Finanzproblem mehr hätte, wenn der Staat alle Steuern eintreiben könnte. Doch dann der Paukenschlag. Am Mittwoch schmissen zwei Steuerfahnder ihren Job wieder hin. Zur Begründung führten sie eine politische Einmischung in ihre Arbeit an. Mehr wurde bislang nicht bekannt. Nur so viel, dass einmal mehr Land unter ist in dem krisengeschüttelten Euro-Staat und das Griechenlands Regierungschef Lukas Papademos eine sofortige Untersuchung angeordnet hat.

In Deutschland löste diese neue Episode in der griechischen Finanztragödie bei einem prominenten Kritiker großen Unmut aus. Max Josef Strauß machte auf seiner Facebook-Seite seinem Ärger Luft. „Jetzt kommt das, was zu erwarten stand: In Griechenland ändert sich nichts, und die EU legt unter kräftiger Beteiligung Deutschlands Hunderte von Milliarden Euro für das Desaster hin“, schreibt Strauß und fügt mit Blick auf die bisherige Rettungsarbeit der europäischen Staats- und Regierungschefs hinzu: „Wenn Merkel, Sarkozy und Barroso die DDR zu reformieren gehabt hätten, wäre wahrscheinlich die Stasi mit der Durchführung beauftragt worden.“

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Strauß ärgert, dass die die Rettungspolitik schlicht nicht fruchtet – und quasi der Bock zum Gärtner gemacht wird, da, wie er nüchtern feststellt, „dieselben, die den Karren restlos in den Dreck gefahren haben, nun Recht und Ordnung wiederherstellen“ sollen. Auch das Griechenland ein Schuldenschnitt signalisiert wurde, hält der Strauß-Sohn für falsch. Eine solche Maßnahme habe „den unangenehmen Beigeschmack, dass das Geld weg ist (bzw. dass die griechischen Steuerbetrüger es haben und nicht die europäischen Steuerzahler)“, kritisiert er.

Strauß hält daher härtere Maßnahmen für unabdingbar. „Die EU müsste Personal ins griechische Finanzministerium setzen, das dort mal durchgreift“, schlägt er vor. Denn: „Die Griechen werden das nie von sich aus tun. Kein Funktionär räumt freiwillig seinen Platz und gibt Privilegien auf“, betont er.

Strauß löste mit seinen Einlassungen bei Facebook eine rege Diskussion aus. Viele Schreiber geben ihm recht. Und einer erinnert sich an eine Begebenheit aus der Geschichte, wo schon mal, aber erfolgreich, ein Staat gerettet wurde - unter Mithilfe von Franz-Josef Strauß. Dieser fädelte 1983 einen Milliardenkredit für die verhasste DDR ein. Den SED-Staat rettete die Finanzspritze vor der Pleite. Für Strauß-Sohn Max Josef eine Steilvorlage, die er gerne annimmt. Den Milliardenkredit von zwei Milliarden D-Mark nennt er "eine der größten politischen Leistungen meines Vaters", zumal, wie er schreibt, der wirtschaftliche Zusammenbruch der DDR zu erwarten war - mit "grausamen Folgen für die Bevölkerung, die bis an die Grenze einer Hungersnot gehen hätten können".

Erich Honecker habe sich damals finanziell völlig verausgabt. "Damals bestand die Gefahr, dass die Sowjettruppen einen Aufstand wie 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn und 1968 in der CSSR zusammengeschossen hätten", ist sich Strauß sicher. Umso wichtiger sei die Kredithilfe gewesen. So sei genau die Zeit überbrückt worden, die gebraucht wurde, damit die DDR in einer "wundervollen friedlichen Revolution ohne einen Schuss" habe zusammenbrechen können. "Dafür sind 2 Milliarden DM geradezu geschenkt, die, nebenbei bemerkt, mit der Wiedervereinigung deutsche Staatsschuld wurden, so dass die Bundesrepublik dabei letztendlich an sich selbst gezahlt hat." Klar, was Strauß damit auch sagen will: Der Hilfs-Einsatz für die einstige DDR hat sich gelohnt, der für Athen könnte Schiffbruch erleiden.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

30.12.2011, 10:06 Uhr

Da hat er recht, der Vogel.

Ex-FDPler

30.12.2011, 10:07 Uhr

Solche Leute wie Strauß, die Klartext reden und sich nicht an der Volksverdummung beteiligen, braucht das Land dringender denn je.

Pleitosisbetrugos

30.12.2011, 10:19 Uhr

Es ist immer wieder faszinierend, dass die Öffentlichkeit versucht, die Wahrheit auszublenden. Die Griechen selbst sagen über sich, dass Steuerbetrug aus Leidenschaft und an jeder Stelle Teil deren Allgemeinguts ist. Erst vor wenigen Wochen stand wieder ein Artikel im Handelsblatt über die Bemühungen der Griechen, in der Schweiz gebunkerte Schwarzgeld Milliarden wieder zurückzuholen. NIX passiert. Der Rest, so stand es zu lesen, liegt in Rumänien oder Bulgarien? Und die cleveren Griechen kaufen schnell noch eine Immobilie in London.

Herr Strauss hat selbstverständlich Recht! Griechenland wurde - wenn überhaupt - nur aus geopolitischen Gründen mit in die EU aufgenommen. Ich traue mir zu sagen, dass es alle anderen europäischen EU-Mitglieder nicht mehr nachvollziehen können und auch leid sind, dass dort NICHTS vorwärts geht.

Aber die echte Krise kommt ja erst noch!

Guten Rutsch

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