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23.05.2011

16:57 Uhr

Strauss-Kahn-Nachfolge

Unionsfraktionsvize trommelt für Josef Ackermann als IWF-Chef

VonDietmar Neuerer

ExklusivMerkel gerät in der IWF-Debatte zunehmend unter Druck. Nachdem sie offen Sympathie für Lagarde als neue Fonds-Chefin geäußert hat, gehen Unions-Politiker auf die Barrikaden und fordern einen eigenen Personalvorschlag.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Quelle: Reuters

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

DüsseldorfIn den Koalitionsfraktionen gibt es deutlichen Unmut über den mangelnden Einsatz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für einen deutschen Kandidaten für den IWF-Chefposten. "Die Bundesregierung sollte auch über einen Deutschen an der IWF-Spitze nachdenken", sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs Handelsblatt Online. "Es könnte auch jemand aus dem deutschsprachigen Raum sein: Herr Ackermann wäre eine exzellente Wahl", betonte der CDU-Politiker. "Wenn jemand ökonomischen Sachverstand und internationale Erfahrung hat, dann gerade auch der Deutsche-Bank-Chef."

Der CDU/CSU-Obmann im Bundestagsfinanzausschuss und Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach, verlangte ebenfalls von der Kanzlerin, sich für einen eigenen IWF-Kandidaten stark zu machen. "Deutschland sollte als eine der leistungsfähigsten Volkswirtschaften weltweit nicht die Chance aus der Hand geben, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken", sagte Michelbach Handelsblatt Online. "Es gibt dafür in unserem Land genügend Personen, die für das IWF-Amt außerordentlich qualifiziert sind."

"Ich kann mir auch deutsche Kandidaten vorstellen", sagte auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle in Berlin. Namen wollte er nicht nennen: "Mir fallen viele ein, aber ich nenne keinen." Der Auswahlprozess für die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn müsse sorgfältig geführt werden. Als aussichtsreichste Anwärterin auf den IWF-Chefsessel gilt derzeit die Französin Lagarde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Wochenende erneut durchblicken lassen, dass sie Lagarde für grundsätzlich geeignet hält.

Dazu sagte Brüderle, Lagarde sei "ohne Frage eine starke Kandidatin". Es sei richtig, dass Europa den Posten erneut für sich reklamiere, weil der IWF tief in die Euro-Rettung eingebunden sei. Auch die meisten IWF-Kredite würden nach Europa vergeben. "Insofern ist die Besetzung der IWF-Spitze schon von einer besonderen Bedeutung."

Die Grünen kritisierten Brüderles Vorstoß scharf. Die Koalition schaffe es nicht einmal in internationalen Personalfragen an einem Strang zu ziehen. „Wenn der FDP-Fraktionsvorsitzende Brüderle der Bundeskanzlerin in die Parade fährt und über eine deutsche Kandidatur sinniert, während Kanzlerin und Finanzminister längst die französische Kandidatin Lagarde unterstützen, mindert das die Chancen, die Position mit einer Europäerin oder einem Europäer besetzen zu können, was offenbar Ziel der Bundesregierung ist“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, zu Handelsblatt Online.

Das CDU-Bundesvorstandsmitglied Fuchs zeigte wenig Sympathie für Lagarde. "Mit Frau Lagarde habe ich aus ordnungspolitischen Gründen ein Problem", sagte Fuchs. "Den Vorwurf, den sie mal geäußert hat, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und der deutsche Exportüberschuss die Euro-Zone oder andere europäische Volkswirtschaften in Schwierigkeiten bringen würden, halte ich für absurd." Deutschland gefährde nicht andere Staaten der Euro-Zone, sondern sorge für den stabilen Außenwert des Euro und das Vertrauen der Kapitalmärkte in die gemeinsame Währung und niedrige Zinsen. "Davon profitieren auch hoch verschuldete Euro-Länder."

Kommentare (18)

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23.05.2011, 16:30 Uhr

Ackermann an der IWF-Spitze wäre eine Katastrophe. Die Deutsche Bank will mit Umschuldungen von Staaten Milliardenbeträge an Provisionen verdienen, so dass Ackermann als Vertreter der Bankenlobby Staatsbankrotts zum Elend der Menschen knallhart durchziehen würde. Eine widerliche Vorstellung. Wir sollten beten, dass wir davor bewahrt werden.

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23.05.2011, 16:35 Uhr

Andre ich stimme ihnen zu hundertprozentig zu, verschont den IWF, Europa und die Welt vor Ackermann.
Danke

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23.05.2011, 16:40 Uhr

Es geht doch schon lange nicht mehr darum, den Posten mit dem fähigsten Mann oder der fähigsten Frau zu besetzen. Hauptsache man hat seine Freunde gut versorgt - das ist alles.
Schade eigentlich, er wäre in Europa und der Welt so viel zu bewegen und möglich - aber nicht mit irgendwelchen Sesselwärmern.

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