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07.01.2006

13:57 Uhr

Streichung der Zuzahlung

Kassen fordern mehr billige Medikamente für Patienten

Die Betriebskrankenkassen (BKK) planen eine neue Spar-Offensive. Die Patienten wollen sie dazu bewegen, bei den Kosten für Arzneimittel zu sparen. Bei bestimmten günstigen Medikamenten solle auf die Zuzahlung der Versicherten ganz verzichtet werden, schlug BKK-Verbandschef Wolfgang Schmeinck in der „Berliner Zeitung“ vor.

HB BERLIN. Vom Sparvorschlag der BKK wären solche Medikamente betroffen, die preislich unter dem erstattungsfähigen Festbetrag liegen. Für große Gruppen von verschreibungspflichtigen Medikamenten legen Ärzte und Kassen gemeinsam Festbeträge fest, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Laut BKK gibt es viele Medikamente, die erheblich unter den Erstattungsgrenzen liegen. „Verordnet werden solche günstigen Produkte allerdings noch viel zu selten“, erklärten die BKK-Experten. Sie führen dies unter anderem auf die umfassenden Marketingmaßnahmen der großen Arzneimittelhersteller zurück.

Bei Verzicht auf die Zuzahlung bei billigeren Medikamenten könnten die Patienten laut BKK etwa 600 Mill. Euro jährlich sparen. Die Kassen sparten rund 800 Mill. Euro ein. Patienten müssen bei Medikamenten grundsätzlich zehn Prozent, mindestens aber fünf Euro zuzahlen. Die Ärzte könnten bei Umsetzung des BKK-Vorschlags ihre Budgets besser einhalten und müssten seltener Regresse fürchten, argumentiert der Kassenverband. Außerdem stärke die Maßnahme kleinere Pharmaunternehmen, die besonders viele preiswerte Präparate im Angebot hätten.

Das von der Bundesregierung geplante Sparpaket für Arzneimittel wurde vom Präsidenten der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, kritisiert. „Ich bezweifle, dass die Arzneimittelkosten überhaupt gesenkt werden können, ohne Abstriche bei der Qualität der Behandlungen machen zu müssen“, sagte Hoppe dem in Bremen erscheinenden „Kurier am Sonntag“. Die Ärzte würden bereits sehr kostenbewusst verschreiben. Mit ihrem jüngst beschlossenen Sparpaket für Arzneimittel will die Bundesregierung die Krankenkassen um eine Milliarde entlasten.

Ärzten bei Budgetüberschreitung die Mehrkosten vom Honorar abzuziehen, sei „der falsche Weg“, sagte Hoppe. Damit würden Mediziner gezwungen, „Patienten schlechter zu behandeln als unter Einsatz modernster medizinischer Mittel möglich“. Die Politik dürfe nicht zulassen, „dass der Arztberuf für Neueinsteiger immer unattraktiver wird“. Erforderlich seien die Beseitigung unnötiger Bürokratie, bessere Arbeitsbedingungen und eine vernünftige Bezahlung für Ärzte.

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