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02.09.2012

15:57 Uhr

Streit in der CDU

Biedenkopf macht Kohl für Euro-Desaster verantwortlich

Ego vor Verantwortung: So lautet der Vorwurf von Kurt Biedenkopf an Helmut Kohl. Der habe das heutige Euro-Desaster mit einer überhasteten Währungsunion erst möglich gemacht. Biedenkopf erhält prominente Unterstützung.

Der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU). dpa

Der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU).

MünchenDer frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hat Altkanzler und CDU-Parteikollege Helmut Kohl schwere Versäumnisse bei der Vorbereitung der Gemeinschaftswährung vorgeworfen. "Helmut Kohl war der Zeitplan letztlich wichtiger als die Stabilität", sagte Biedenkopf dem Nachrichtenmagazin "Focus". Darum habe Kohl auch sein politisches Schicksal mit dem Euro verbunden und damit eine rationale Debatte verhindert.

Schon während der Verhandlungen zum europäischen Stabilitätspakt sei deutlich geworden, dass die meisten Länder eine strikte Sparpolitik nicht mittragen werden. "Kohl konnte nicht ernsthaft darauf hoffen, dass die Stabilitätskriterien eingehalten würden", sagte Biedenkopf weiter.

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Der ehemalige sächsische Ministerpräsident kritisiert die Schwäche des Parlaments.

Rückendeckung erhielt er dabei vom Kohl-Biografen Hans-Peter Schwarz. Der Altkanzler trage eine "maßgebliche Mitverantwortung" für die heutige Euro-Krise, sagte Schwarz dem Magazin. Kohl sei fest davon überzeugt gewesen, dass eine gemeinsame Währung die europäische Einigung unumkehrbar machen würde. "Dem hat er alles andere untergeordnet."

Thüringens Ex-Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) wies die Kritik hingegen zurück. "Heutige Krisensituationen hat Helmut Kohl natürlich nicht vorher sehen können", sagte Vogel dem "Focus". Er habe aber "größten Wert gelegt auf eine bestmögliche Sicherung der Stabilität des Euro".

Kommentare (110)

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exCDUler

02.09.2012, 16:16 Uhr

Kohl hat sich "bemüht" und das ging voll in die Hosen.

Kapturak

02.09.2012, 16:17 Uhr


Es ist wichtig, dass hier ein Schwergewicht Klartext redet.

Denn die Erkenntnis, dass die Währungsunion in ihrer jetzigen Form ein historischer Fehler ist, muß am Anfang der Suche nach einer Lösung für die Krise stehen.

Thomas-Melber-Stuttgart

02.09.2012, 16:18 Uhr

Diese historischen Betrachtungen sind nicht zielführend. Eine Aufarbeitung mag erfolgen, wenn die Krise überwunden ist - sonst lenkt das nur von den aktuellen Verantwortlichkeiten der derzeit Regierenden und Handelnden ab.

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