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02.01.2006

08:33 Uhr

Streit Russland – Ukraine

Industrie stellt sich auf Gasknappheit ein

Dass Russland der Ukraine kein Gas mehr liefert, bekommt auch das restliche Europa zu spüren. Denn offenbar bedient sich die Ukraine nun aus einer Transit-Pipeline nach Westen. Ungarn und Polen klagen bereits über einen Druckabfall. Deutschland wappnet sich für den Ernstfall.

Die Gas-Großkunden stellen sich auf Lieferengpässe ein. Foto: dpa

Die Gas-Großkunden stellen sich auf Lieferengpässe ein. Foto: dpa

juf/HB DÜSSELDORF. Die deutsche Gaswirtschaft reagierte am Sonntag zwar gelassen auf den russischen Lieferstopp an die Ukraine. Sie hält aber mittelfristig Engpässe durchaus für möglich und sorgt bereits für eine mögliche Drosselung der Lieferungen aus Russland vor. Noch seien die Lieferungen stabil, heißt es bei Marktführer Eon Ruhrgas. Man müsse aber abwarten wie sich die Situation in den kommenden Tagen und Wochen entwickle. Begrenzte Einschränkungen für Großkunden könnten nicht ausgeschlossen werden, sagte Vorstandschef Burckhard Bergmann. „Wenn sich die Lieferkürzungen als sehr groß heraus stellen sollten, lang anhalten und der Winter besonders kalt wird, stoßen auch unsere Ausgleichsmöglichkeiten an Grenzen.“ Für Haushalte und Kleinverbraucher werde es aber selbst bei einer weiteren Eskalation des Konfliktes nicht zu Einschränkungen kommen, betonte Bergmann: „Wir sind gut gerüstet.“

Eon Ruhrgas beziehe zum einen Gas noch aus anderen Quellen – wie Norwegen, den Niederlanden und Deutschland. Zum anderen verfüge das Unternehmen über große Erdgasspeicher und ein leistungsfähiges Transportnetz. Hinzu kommt, dass es eine weitere Gaspipeline durch Weißrussland gibt.

Das staatlich kontrollierte russische Gasunternehmen Gazprom hatte am Sonntag die Lieferungen an die Ukraine gestoppt. Die Ukraine weigert sich, eine Preisanhebung von 50 auf 230 Dollar je 1000 Kubikmeter Erdgas zu akzeptieren. Gazprom hat seine Forderung mit international üblichen Preisen begründet. Die Ukraine vermutet indes eine Bestrafung für die pro-westliche Haltung der Regierung. Sie ist zwar mit einer Angleichung an das Weltniveau einverstanden, fordert aber eine Übergangsphase.

Gazprom stellt zwar weiter die für Westeuropa bestimmten Mengen bereit. Das Unternehmen hat Ende vergangener Woche aber die Kunden in Europa vorgewarnt, dass es zu Lieferschwierigkeiten kommen könne. Nach Angaben von Eon Ruhrgas zweigt die Ukraine Teilmengen der für Westeuropa bestimmten Transitmengen ab, so dass hier nicht mehr die vollen Mengen ankommen.

Nach Angaben des Bundesverbands der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) können die Lieferungen aus den anderen Ländern erhöht werden. Zudem seien die 43 unterirdischen Erdgasspeicher gut gefüllt. In ihnen lagern rund 20 Prozent des deutschen Jahresverbrauchs von rund 100 Mrd. Kubikmetern. Bei einem Totalausfall aller Lieferwege würde diese Menge für rund 75 Tage halten, schätzt der BGW.

Die seit Jahren anhaltenden Spannungen mit der Ukraine sind ein Grund, warum Gazprom gemeinsam mit den deutschen Partnern Eon Ruhrgas und Wingas eine dritte Pipeline bauen will. Die Nordeuropäische Gaspipeline, die Deutschland und Russland direkt durch die Ostsee verknüpft, wird aber nicht vor 2010 in Betrieb gehen.

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