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30.10.2013

16:51 Uhr

Streit über Gründe

Tausende Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Laut Bundesagentur für Arbeit haben 21.000 junge Menschen in diesem Jahr keine Ausbildungsstelle. Der Gewerkschaftsbund spricht von „krisenhaften Zügen“, die Industrie- und Handelskammer wehrt sich gegen die Kritik.

Ein Auszubildender im Ausbildungszentrum des Autoherstellers BMW in München: „Den Betrieben gelingt es immer öfter nicht, Azubis zu finden.“ dpa

Ein Auszubildender im Ausbildungszentrum des Autoherstellers BMW in München: „Den Betrieben gelingt es immer öfter nicht, Azubis zu finden.“

Berlin/NürnbergUngeachtet der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt sind in diesem Jahr mehr Jugendliche ohne Lehrstelle. Bislang hätten 21.000 junge Menschen keine Ausbildungsstelle gefunden, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Das sind 5400 oder rund vier Prozent mehr als vor einem Jahr. „Es ist schwieriger geworden, Bewerber und Ausbildungsstellen zusammenzubringen“, sagte BA-Vorstand Raimund Becker. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Wirtschaft streiten über die Gründe dafür.

„Der Ausbildungsmarkt nimmt krisenhafte Züge an“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. „Vor allem kleine und mittlere Unternehmen fliehen aus der Ausbildung.“ Besonders Jugendliche mit Hauptschul- und mittlerem Schulabschluss schafften allzu oft nicht den Sprung von der Schule in die Lehrstelle. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) verwahrte sich gegen die Vorwürfe. „Den Betrieben gelingt es immer öfter nicht, Azubis zu finden“, sagte Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. In allen Branchen und Berufen gebe es unbesetzte Lehrstellen.

Nach Angaben der Bundesagentur waren am Ende des Ausbildungsjahres noch 33.500 Stellen unbesetzt. „Die tatsächliche Zahl liegt jedoch weit höher, denn längst nicht jeder Betrieb meldet seine offenen Stellen“, sagte Dercks. Der anhaltende Trend zum Studium erschwere den Betrieben zudem die Suche nach Azubis. So habe sich die Zahl der Studienanfänger seit 1995 auf fast 500.000 verdoppelt.

Kommentare (9)

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30.10.2013, 17:11 Uhr

Die Unternehmen holen mit Hilfe edr Arbeitsagentur Tausende Jugendliche aus Südeuropa ins Land. Billige Arbeitskräfte!
Und besser ausgebildet als nach Absolvierung des maroden Deutschen Bildungssystems, das in den deutschen Kleinstaaten nicht mal ausreichend Lesen und Rechnen nach Abschluß der 10.Klasse gewährleistet!

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30.10.2013, 17:34 Uhr

ob das wohl daran liegt, dass dieses Jahr 2 Abiturjahrgänge fertig geworden sind?
= Doppelt so viele Bewerber mit Abitur...

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30.10.2013, 17:35 Uhr

"Besonders Jugendliche mit Hauptschul- und mittlerem Schulabschluss schafften allzu oft nicht den Sprung von der Schule in die Lehrstelle."
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Holla!? Wundert das irgend jemanden? Nach der Einschätzung von Arbeitgeberpräsident Hundt ist rund ein Viertel der Schulabgänger (in Berlin bis zu einem Drittel) *nicht ausbildungsfähig*, und wenn ich mir so anschaue, welcher, mit Verlaub, Bodensatz aus den Hauptschulen quillt, ist das imho noch konservativ geschätzt. Es fehlen selbst die elementaren Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen, und "Kanaksprak" ist wohl kaum die korrekte Ausdruckweise im Berufsleben.

Ich bin zum Glück nicht verpflichtet, auszubilden, und dafür bin ich sehr dankbar, weil mir eine Menge Ärger und Frust erspart bleibt. Wäre ich dazu verpflichtet (nur als Gedankenspiel!), würde ich bestimmt keine Jugendlichen einstellen (nicht einmal als Volontär, was ich könnte und dürfte), für die Dreisatz ein Buch mit sieben Siegeln und deren Ausdrucksweise schlichtweg unverständlich ist, von elementarer Physik und Chemie ganz zu schweigen. Die müßten schon Abi haben und obendrein eine gewisse künstlerische Begabung plus gepflegte Umgangsformen und Ausdruckweise mitbringen.

Nein, hier liegt in der Schulausbildung einiges im Argen und die Schuld bei den Betrieben zu suchen, ist mehr als fragwürdig, evtl. Vorwürfe eine Frechheit. Die sind dazu da, *berufsspezifisch* auszubilden, nicht aber, allgemeine, hochgradige Bildungsdefizite aufzuarbeiten, und schon gar nicht dazu, erst mal Lesen, Schreiben, Rechnen und richtiges Deutsch beizubringen.

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