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05.08.2013

15:58 Uhr

Streit um den „Veggieday“ der Grünen

„Freitag bleibt die Küche kalt, Renate sammelt im Wald“

VonJonas Jansen

Nach dem Wunsch der Grünen sollten Kantinen künftig ein mal pro Woche auf Fleisch verzichten. Das sorgt für heftige Diskussionen im Netz: Über Bevormundung und den Sinn hinter dem Vorschlag.

Lieber Schafskäse statt Fleisch: Renate Künast steht hinter der Kampagne für den fleischlosen Kantinentag. dpa

Lieber Schafskäse statt Fleisch: Renate Künast steht hinter der Kampagne für den fleischlosen Kantinentag.

DüsseldorfDer Vorstoß der Grünen, einen fleischlosen Tag pro Woche in Deutschlands Kantinen einzuführen stößt auf heftige Reaktionen. Unter vielen Kommentatoren bei Handelsblatt.com gab es einen Aufschrei über eine „Diktatur des Vegetariats“ und lakonische Kommentare wie „Der Staat weiß schließlich am besten was mir schmeckt!“

Eigentlich ist der Vorschlag der Grünen nicht neu: Bereits auf der Bundesdelegiertenkonferenz 2010 beschloss die Partei, einen „Veggie-Day“ zu unterstützen, seit April steht der Wunsch auch im Wahlprogramm. Doch wenn die Bild-Zeitung das Thema im Wahlkampf aufgreift, wird es schnell zum Aufreger. Denn rund ums Essen und Geschmäcker lässt sich niemand gerne reinreden. Das findet auch Kommentator „dermaddin“, der schreibt: „Eigentlich eine gute Idee, obwohl ich gerne Fleisch esse, entscheide ich mich seit längerem bewusst für die vegetarischen Gerichte in der Kantine, (...) allerdings bieten viele Kantinen ohnehin vegetarische Alternativen an und irgendwie nerven die Grünen ein bißchen mit ihrer Dauerbevormundung!“

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Vegetarisch kochen sei mehr als nur Fleisch weg lassen, meinen die Grünen. Kantinen sollen einmal pro Woche auf Fleisch verzichten. Der Umweltverband BUND geht noch weiter. Die Linken sprechen von „Erziehungsdiktatur“.

Bevormundung ist auch bei Twitter ein großes Thema. So schreibt dieser Nutzer:

Innerhalb kürzester Zeit sammelten sich unter dem Hashtag #veggieday bei Twitter Kommentare zu dem Vorschlag. Fleischfans fühlten sich diskriminiert und forderten gleich eine Gegenbewegung:

Andere nehmen die Diskussion mit Humor:

Dabei hat die Debatte einen ernsten Kern: Ist es nun Bevormundung, wenn Menschen, die gerne Fleisch essen, an bestimmten Tagen vegetarisch essen sollten? Oder ist der Vorschlag nicht grundsätzlich unterstützenswert, wenn weniger Tiere geschlachtet werden? Doch viele Nutzer zweifeln an der richtigen Wirkung des Vorschlags. So meint dieser Nutzer:

Was bringt ein einzelner Tag den Vegetariern. Auch Nutzerin @Autofocus spricht sich statt für einen gänzlich fleischlosen Tag eher für mehr Varianten für Vegetarier aus:

Zudem könnte ein fleischloser Tag eher ein Verlustgeschäft für Kantinen werden - weil dann die Kunden wegbleiben. So erwartet auch Frank Rieger eine Verschiebung der Mittagsmahlzeit an andere Orte:

Der Nutzer @GillyBerlin beschwert sich darüber, dass direkt gegen Meinungen gehetzt wird, die nicht den eigenen entsprechen...

...eine Meinung, die man auf beide Seiten beziehen kann: So könnten sich die Fleischfans etwas gemäßigter über die Lebensführung von Vegetariern äußern - genauso aber auch gestattet sein, Fleisch zu essen, wenn man mag.

Kurz vor der Bundestagswahl melden sich natürlich auch Politiker zu Wort. Im Wahlkampf kann keine These unkommentiert bleiben. Die FDP reagiert mit einem Foto einer liberalen Wahkämpferin auf den #veggieday: Für sie ginge es schließlich um die Wurst, weshalb sie welche verteilt. Gerade für die Liberalen kommt der Vorschlag einer „Volkserziehung“ gleich. Und auch CDU-Generalsekretär Roland Theis kann sich mit dem Vorschlag nicht anfreunden:

Darauf entgegnet der Grüne Bundestagsabgeordnete Sven Kindler:

Außerdem stellt Kindler noch einmal klar, dass es kein Gesetz geben soll, sondern die Partei bloß diese Kampagne unterstütze. Auch Lars Fischer fragt sich, was die ganze Aufregung eigentlich soll.

Sven Lehmann, Landesvorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen beschwert sich, dass das Thema im Netz so hochgekocht wird.

Doch mit der Kritik müssen die Grünen nun leben. Es ist Wahlkampf - und da kann ein fleischloser Tag schnell ein Aufregerthema werden.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels fehlte der Hinweis zum Zeitpunkt des Veggieday-Vorschlags der Grünen.

Kommentare (12)

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HansWurst

05.08.2013, 16:15 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

05.08.2013, 16:23 Uhr


Die Grünen bevormunden uns in allen Lebensbereichen, seien es das Dosenpfand, das Autofahren, die Stromnutzung, der Ausbau von Wasser- und Autostrassen, die Umsetzung neuer Technologien (eine sehr lange Liste von Transrapid bis Gen-Forschung!!), das Reisen, und jetzt auch noch das Essen.

Account gelöscht!

05.08.2013, 16:25 Uhr

@ HansWurst:

würden Sie unsachliche Adjektive weglassen, wäre Ihr Kommentar seriöser und glaubhafter

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