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30.09.2014

21:19 Uhr

Streit um Flugrechte

Piloten für hartes Durchgreifen gegen Etihad

VonDietmar Neuerer

ExklusivDas Luftfahrtbundesamt will dem arabischen Großaktionär von Air Berlin Etihad wichtige Flugrechte entziehen. Die deutsche Airline versteht die Welt nicht mehr, die Pilotengewerkschaft Cockpit stützt die Bundesbehörde.

Die Pilotenvereinigung Cockpit unterstützt im Streit um Flugrechte mit der Airline Etihad die Seite des Luftfahrtbundesamtes. dpa

Die Pilotenvereinigung Cockpit unterstützt im Streit um Flugrechte mit der Airline Etihad die Seite des Luftfahrtbundesamtes.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit hat es begrüßt, dass das Luftfahrtbundesamt der arabischen Fluggesellschaft Etihad wichtige Code-Share-Rechte entziehen will. „Bei Code-Share-Abkommen geht es auch darum, wie die Erlöse auf einer Strecke aufgeteilt werden. Insofern begrüßen wir, wenn auf die strikte Einhaltung dieser Regelungen geachtet wird“, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Alles andere wäre weder im Sinne der deutschen Beschäftigten, noch langfristig im Sinne der Kunden oder des Staates.“

Das Handelsblatt hatte zuvor aus Verhandlungskreisen erfahren, dass Etihad eine entsprechende schriftliche Ankündigung der Bundesbehörde Anfang August erhalten habe. Die Flugrechte sind demnach entgegen bestehender Luftverkehrsabkommen genehmigt worden. Dabei gehe es um rund 30 Verbindungen und damit rund die Hälfte der Kooperationsflüge unter gemeinsamer Flugnummer, die zwar die Beteiligung Air Berlin ausführt, vom Großaktionär Etihad aber mit einer eigenen Flugnummer angeboten werden.

Cockpit-Sprecher Handwerg verteidigte das harte Vorgehen des Luftfahrtbundesamtes. „Nach internationalem Recht ist der Luftverkehr reglementiert, um eine Ausgewogenheit zwischen den Interessen der beiden Länder, aus denen die Unternehmen stammen zu erreichen“, sagte er. „Diese sind wichtig, gerade gegenüber den Ländern die durch unfaire Wettbewerbsbedingungen ansonsten die Luftfahrtindustrie in anderen Ländern mit besseren Sozialstandards oder anderer Staatsfinanzierung sofort übernehmen würden.“

Etihad und Air Berlin vertraten hingegen die Ansicht, die gemeinsamen „Codesharing“-Flüge seien durch das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten gedeckt. „Dies ist aus den Genehmigungen für Codeshares ersichtlich, die seit Januar 2012 bereits sechsmal vom Luftfahrt-Bundesamt erteilt wurden“, sagte ein Air-Berlin-Sprecher. Air Berlin erwarte, dass die fraglichen Strecken „für die kommende Wintersaison und darüber hinaus genehmigt werden“.

Bislang nutzt das schwer angeschlagene Unternehmen Air Berlin das Codesharing-System, um beispielsweise Flüge von Berlin nach Helsinki besser auszulasten. Und die Golf-Airline profitiert davon, dass sie durch die Kooperation eine Verbindung von Abu Dhabi via Berlin nach Helsinki anbieten kann, obwohl Etihad die finnische Hauptstadt selbst gar nicht anfliegt. Das übernimmt dann Air Berlin.

Durch Codesharing stieg allein im ersten Halbjahr 2014 die Zahl der von Etihad und Air Berlin gemeinsam beförderten Passagiere um sieben Prozent auf 270 000. „Beim Verlust von Verkehrsrechten läuft eine auf Beteiligungen an anderen Fluggesellschaften und Codesharing ausgerichtete Wachstumsstrategie Etihads ins Leere“, warnt Richard Klophaus, Luftfahrtexperte an der Hochschule Worms.

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