Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.07.2017

15:26 Uhr

Streit um G20-Krawalle

Eklat im TV-Talk – Bosbach flieht, Ditfurth bockt

CDU-Politiker Wolfgang Bosbach verlässt wutentbrannt den Maischberger-Talk. Er war mit Jutta Ditfurth aneinandergeraten wegen der G20-Krawalle. Die frühere Grünen-Politikerin soll ebenfalls gehen, doch sie bleibt sitzen.

Eine Mutter sitzt mit ihrem Kind in Hamburg im Schanzenviertel nach Ausschreitungen in der Nacht vor einem Ladenlokal mit der Aufschrift «Chaostage Hamburg». Die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Links-Autonomen und der Polizei erhitzen auch noch Tage später die Gemüter in der Politik. dpa

G20-Gipfel-Krawalle

Eine Mutter sitzt mit ihrem Kind in Hamburg im Schanzenviertel nach Ausschreitungen in der Nacht vor einem Ladenlokal mit der Aufschrift «Chaostage Hamburg». Die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Links-Autonomen und der Polizei erhitzen auch noch Tage später die Gemüter in der Politik.

BerlinDer CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hat nach einer hitzigen Diskussion mit der früheren Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth wutentbrannt die ARD-Talksendung „Maischberger“ verlassen. „Frau Ditfurth ist persönlich, vom Verhalten und ihrer (...) Argumentation unerträglich. Das muss ich nicht mitmachen“, sagte der Bundestagsabgeordnete.

Er verließ am Mittwochabend vor laufenden Kameras die Gesprächsrunde über die Krawalle während des Hamburger G20-Gipfels. Ditfurth konterte, der CDU-Mann sei eine „kleine Mimose“, dabei habe er doch so lange im Bundestag gesessen.

Innenminister de Maizière: „Sie haben ihren Einsatz gemacht“

Video-News: Innenminister de Maizière: „Sie haben ihren Einsatz gemacht“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Bosbach hatte Ditfurth unter anderem vorgeworfen, die Krawalle zu verharmlosen und den ebenfalls in der Talkrunde sitzenden Hamburger Hauptkommissar Joachim Lenders mehrfach „in geradezu unverschämter Weise angegangen“ zu haben.

Als Mitbegründerin der Grünen führte Jutta Ditfurth in den 1980er Jahren deren linken Flügel an. Im Jahr 1991 trat sie aus der Partei aus. Ihr Vorwurf: Die Grünen hätten sich zu stark dem Kurs der bis dahin etablierten Parteien im Bundestag angepasst. Später gründete sie mit der Ökologischen Linken eine ökosozialistische Partei (ÖkoLinX), die nicht über den Status einer Kleinpartei hinausgekommen ist.

Als Mitbegründerin der Grünen führte Jutta Ditfurth in den 1980er Jahren deren linken Flügel an. Im Jahr 1991 trat sie aus der Partei aus. Ihr Vorwurf: Die Grünen hätten sich zu stark dem Kurs der bis dahin etablierten Parteien im Bundestag angepasst. Später gründete sie mit der Ökologischen Linken eine ökosozialistische Partei (ÖkoLinX), die nicht über den Status einer Kleinpartei hinausgekommen ist.

Ditfurth hatte unter anderem gesagt, in Hamburg seien Menschen in ihren Grundrechten verletzt und nicht-vermummte Journalisten verprügelt worden, weil anderswo „einige Leute schwarz gekleidet“ waren.

Nach Bosbachs Abgang bat Moderatorin Sandra Maischberger seine Kontrahentin, das Podium ebenfalls zu verlassen, um „die Parität“ in der Runde wieder herzustellen. Ditfurth blieb aber sitzen.

„Mit ihrem Sitzenbleiben trotz Aufforderung zum Verlassen der Sendung hat Frau Ditfurth ihre Haltung ganz deutlich gemacht. „Ich mache, was ich will, ohne Rücksicht auf andere““, sagte Bosbach später „Focus Online“. Im Nachhinein wäre es aus seiner Sicht „vielleicht besser gewesen, noch früher zu gehen. Die permanente Mischung aus Dazwischenquatschen und Grimassenschneiden von Frau Ditfurth war eine echte Zumutung.“

Am Rande des Gipfels waren fast 500 Polizisten und eine unbekannte Zahl an Demonstranten bei Ausschreitungen verletzt worden. Geschäfte wurden geplündert, Autos angezündet und etliche Gebäude demoliert - zumeist von schwarz gekleideten Krawallmachern.

Ditfurth sitzt für die Wählervereinigung ÖkoLinX-Antirassistische Liste im Frankfurter Stadtparlament. Sie versteht sich nach wie vor als antiautoritäre Linke und ist in verschiedenen Bündnissen aktiv. Ditfurth schreibt zudem politische Kommentare, hält Vorträge und macht Radiosendungen sowie multimediale Vorträge für Theaterbühnen.

Moderatorin Sandra Maischberger hat sich am Donnerstag für den Eklat entschuldigt. Sie sagte, sie bedauere sehr, dass Wolfgang Bosbach die Sendung vorzeitig verlassen habe. „Mein Versuch, ihn zum Bleiben zu bewegen, schlug leider fehl. Das ist immer eine Niederlage in einer Sendung, deren Aufgabe es ist, Menschen ins Gespräch zu bringen – gerade, wenn sie noch so unterschiedliche Meinungen haben. Wir wollen gesellschaftliche und politische Kontroversen im Fernsehen so führen ..., wie sie im Leben stattfinden: ungeschnitten und ungeschönt. Das tut manchmal weh. Auch mir, wenn es nicht gelingt, meine Gäste im Dialog zu halten.“

Maischberger wandte sich auch ausdrücklich an Bosbach-Kontrahentin Ditfurth: „Ich möchte mich ausdrücklich bei Frau Ditfurth für den Versuch entschuldigen, sie aus der Sendung komplementieren zu wollen. Das war eine unüberlegte Kurzschlussreaktion, getrieben von dem Wunsch, in der Sendung den Ausgleich der Seiten wiederherzustellen. Es war ein Fehler den ich bedauere."

Von

dpa

Kommentare (52)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Grutte Pier

13.07.2017, 08:57 Uhr

Ich habe die Sendung nicht gesehen, heute Morgen im Radio zuerst davon gehört.
Die Überschrift zu dem Artikel ist bereits manipulierend, wenn man schreibt „… Bosbach flieht ….“, denn man muss sich von linken Ideologen, wie Ditfurth ganz klar Eine ist, nicht alles bieten lassen.
Frau Ditfuths Aussagen wie: „…. in Hamburg seien Menschen in ihren Grundrechten verletzt und nicht-vermummte Journalisten verprügelt worden,…..“ sind für jeden Normalbürger ein Schlag ins Gesicht und kehren die Realitäten, wie bei dieser Klientel üblich um. Wer von Hochhäusern Steine, Flaschen und „Mollies“ auf Polizisten wirft, Autos abfackelt, Straßenzüge verwüstet und Geschäfte plündert nimmt keine „Grundrechte“ wahr, sondern ist ein Terrorist.
Das nicht vermummte Journalisten verprügelt wurden ist allerdings Tatsache, nur wurden diese Journalisten, soweit mir bekannt, von den bunten Demonstranten angegangen, da man Sie als angebliche Na*is „identifiziert“ hatte.
Dieser „Auftritt“ einer führenden Person des rot-links-grünen Lagers zeigt anschaulich die staatszersetzende „Wirkung“ der Grünen und anderer Linker mit Ihren abstrusen Argumenten.
Was ich bei Herrn Bosbach allerdings nicht verstehen kann ist, dass er immer weiter „Werbung“ für die CDU macht, die unter der Rautenkanzlerin sogar bereit ist, mit den grünen Staatsfeinden zusammenzuarbeiten. Wer konsequent ist, legt ein anderes Handeln an den Tag. Da hat Frau Steinbach die folgerichtigen Schritte vollzogen und ist aus der CDU ausgetreten.

Herr Hubert Anderl

13.07.2017, 09:12 Uhr

Danke Herr Grutte Pier, ich stimme Ihnen vollumfänglich zu!

Die Regierungspolitik hat viel Schuld auf sich geladen und trägt die Verantwortung für viele negative Entwicklungen in unserem Land, Sicherheitserwägungen werden grundsätzlich negiert, die Multi-Kulti-Ideologie, die sie gemeinsam mit den Linken und Grünen teilt, fördert Parallelgesellschaften ....

Herr Kuno van Oyten

13.07.2017, 09:25 Uhr

@ Herr Grutte Pier - 13.07.2017, 08:57 Uhr - Herr Hubert Anderl - 13.07.2017, 09:12 Uhr - Eine der schlimmsten Hetzerinnen wie die ewig gestrige Frau Steinbach als positiv darzustellen grenzt schon an völlige Blindheit. Noch mehr Menschenverachtung und Polemik geht kaum noch und deshalb bin ich mehr als froh das einer solchen Frau kein Podium mehr geboten wird ihre Tirade loszulassen. Sorgen sie für Lösungen und nicht für "End-Lösungen"

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×