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22.07.2012

17:34 Uhr

Streit um Gorleben

Atomendlager-Kompromiss rückt näher

Die Hängepartie um die Standortsuche für ein Endlager könnte bald ein Ende haben. Laut „Spiegel“ haben sich Umweltminister Altmaier, SPD und Grüne weitgehend geeinigt. In der Gorlebenfrage hat die Opposition nachgegeben.

Besucher besichtigen das Erkundungsbergwerk Gorleben. dpa

Besucher besichtigen das Erkundungsbergwerk Gorleben.

Berlin/HannoverUnion, SPD und Grüne haben sich nach einem „Spiegel“-Bericht in der Frage des Standortes für ein künftiges Atomendlager weiter angenähert. Umweltminister Peter Altmaier (CDU), SPD-Chef Sigmar Gabriel und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hätten sich vor allem mit Blick auf den niedersächsischen Standort Gorleben weitestgehend verständigt, schreibt das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe.

Dem Bericht zufolge wird Gorleben nicht - wie von SPD und Grünen in Niedersachsen gefordert - von vornherein bei der Suche nach einem Endlager ausgeschlossen. Stattdessen sollen nun in den kommenden Jahren neben Gorleben weitere Standorte ergebnisoffen untersucht werden. Uneinig sind sich die Politiker weiter in Organisations- und Verfahrensfragen.

Altmaier will bis Ende des Monats eine Einigung in Sachen neue Endlagersuche erreichen. Widerstände gab es dem Vernehmen nach zuletzt vor allem noch bei den Grünen.

Der Komplex Gorleben hatte in der vergangenen Woche im niedersächsischen Landtag erneut für massiven Streit zwischen Regierung und Opposition gesorgt. SPD, Linke und Grüne im Landtag wollen ausschließen, dass der seit mehr als 35 Jahren umstrittene Salzstock im Wendland weiter im Rennen bleibt. Nach Auffassung von Landesumweltminister Stefan Birkner (FDP) liegen jedoch keine Erkenntnisse vor, dass Salz als Wirtsgestein etwa wegen der hohen Temperaturen und Neutronenstrahlung ungeeignet ist.

In der vergangenen Woche wurde zudem bekannt, dass der Hauptbetriebsplan für das Erkundungsbergwerk in Gorleben verlängert werden soll. Atomkraftgegner kritisierten den Antrag auf Verlängerung als eine Fortsetzung des Ausbaus.

Von

dpa

Kommentare (13)

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GeologieStudent

22.07.2012, 18:13 Uhr

Ein Atomendlager in einem Salzstock ist aus geologischer Sicht das dümmste was man überhaupt machen kann!

Kaum ein geologisches Material ist so formbar und wird durch den Auflastdruck anderer Gesteinsschichten so leicht und schnell an die Oberfläche befördert.

Die optimalen geologischen Verhältnisse für ein Endlager gibt es in Schweden. Dort ist eine Gebirgsauffaltung auch relativ unwahrscheinlich, sodass man tatsächlich ein sicheres Endlager hat.

Ein Endlager in einem Salzstock unter intensiv agrarisch genutzter Fläche....das ist wirklich selten dämlich. Ich will in Zukunft keine Lebensmittel aus Niedersachsen mehr haben und wohnen will ich da erst recht nicht.

Schon einmal an Salzkorosion bei Metallfässern voller Uran gedacht????

In Gorleben ist es unter Tage sehr feucht.Das weiß man schon seit einigen Jahrzehnten. Das sind einmal wieder Kenner am Werk.

Putin

22.07.2012, 18:41 Uhr

Ab nach Russland mit dem verseuchten Zeug.
Tschernobyl ist eh für Millionen Jahre verseucht, da könnte man deutsche Abfälle doch verbuddeln. Putin machts bestimmt deutlich billiger als unsere schrägen Beamten für Umbauten,Neubauten, Gutachten... hierzulande verschleudern.

holtwin

22.07.2012, 19:02 Uhr

Gut, dann will ich mal auf die vielen falschen Aussagen eingehen. Es scheint in Hinsicht auf dieses Thema ein große Informationsdefezit vorzuliegen.

Die vom Geologie Studenten angesprochenen Eigenschaften sind nicht etwa ein Problem, sondern genau der Grund für die Wahl von Salz als Einbettungsmaterial. Die Formbarkeit, sprich das platische Verhalten sorgt dafür, dass Belastungsänderung aufgefangen werden können. Risse durch Verschiebungen oder andere Einflüsse "wachsen" quasi wieder zu. Natürlich kommt hier der Gedanke an das Salzbergwerk Asse auf. Der Unterschied ist aber, das durch über 100 Jahre Salzabbau in der Asse riesige Hohlräume entstanden und das Salz diese nicht mehr verschließen kann. Gorleben ist dagegen ein unberühter Salzstock, der von oben mittig angebohrt wurde. Risse sind gerade wegen der Formbarkeit des Materials nicht möglich.

Die angesprochene agrarische Nutzung bezieht sich auf die oberste Erdschicht. Das Endlager ist in einer Tiefe von 800 m geplant und wasserdicht umschlossen von einem riesigen Salzstock. Ein Einfluss auf die Lebensmittelproduktion existiert somit nicht.

Die als Problem angesprochene Korosion der Fässer spielt für die Endlagerung keine Rolle. Das radioaktive Material wird lediglich zum Transport in Fässer verpackt. Die Fässer sind aber nicht Teil des Endlagerkonzepts. Im Prinzip könnte man das radioaktive Material auch einfach offen in den Stollen kippen. Durch die plastische Eigenschaft des Salzes werden bei einem Einschluss verbliebende Hohlräume gefüllt. Die Fässer sind dann nach einiger Zeit komplett von Salz umhüllt.

Ich hoffe auf eine Versachlichung der gesamten Debatte. Es ist auch zu berücksichtigen, dass Gorleben von unabhängigen Experten seit Jahren erkundet wird. Darunter sind auch viele Geologen.

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