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03.09.2012

15:37 Uhr

Streit um Honorare

Ärzte starten Proteste gegen Krankenkassen

Patienten in Deutschland müssen sich auf Praxisschließungen und Ärztestreiks ab Ende September einstellen. Schon kommende Woche planen niedergelassene Mediziner Aktionen gegen die Kassen. Sie fordern mehr Honorar.

Für viele Kassenärzte ist das Maß voll. Sie erwägen drastische Protestmaßnahmen. dpa

Für viele Kassenärzte ist das Maß voll. Sie erwägen drastische Protestmaßnahmen.

BerlinIm Streit um die Ärztehonorare wollen die niedergelassenen Mediziner ab der kommenden Woche mit gezielten Aktionen gegen die Krankenkassen beginnen. Praxisschließungen und Warnstreiks sollten dagegen erst zu einem späteren Zeitpunkt im September stattfinden.

Die freien Ärzteverbände riefen ihre Mitglieder am Montag zu einer Urabstimmung über Warnstreiks und Praxisschließungen auf. Diese könnten dann „noch im September“ stattfinden, hieß es in der von der Allianz deutscher Ärzteverbände und zahlreichen Berufsverbänden unterzeichneten Erklärung. Anvisiert sei insbesondere die letzte Septemberwoche, sagte Ärztevertreter.

Zuvor hatten Spitzenfunktionäre der Mediziner eine neue Verhandlungsrunde über die weitere Ausgestaltung der Entgelte platzen lassen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) setzte durch, dass sie zunächst auf Vorstandsebene mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über die künftigen Grundlagen der gemeinsamen Selbstverwaltung sprechen. Die KBV wollte zudem am Montag Klage gegen den Schlichterspruch beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg einreichen.

Hintergrund der Empörung ist, dass die rund 130.000 niedergelassenen Ärzte im kommenden Jahr 270 Millionen Euro mehr Honorar erhalten sollen. Dies ist nur ein Bruchteil der von der KBV geforderten 3,5 Milliarden Euro. Im sogenannten Erweiterten Bewertungsausschuss waren die KBV-Vertreter vergangene Woche von den Kassen und den unparteiischen Mitgliedern überstimmt worden.

Erste „harte Aktionen“ der Kassenärzte sollen sich kommende Woche gegen die gesetzlichen Krankenkassen richten, denen sie „Blockadehaltung“ vorwarfen. Diese Maßnahmen zielen vor allem auf das interne Umverteilungssystem von Geldern nach Diagnosen, dem sogenannten morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich. Dieses System werde man „so durcheinanderwirbeln, dass die Krankenkassen nicht mehr wissen, wie sie das Geld verteilen sollen“, kündigte der Sprecher der Allianz deutscher Ärzteverbände, Dirk Heinrich, an. Auch wollen die Ärzte bei der Bearbeitung von Regressen, beim Kostencontrolling oder bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen ihre Mitarbeit verweigern.

Kommentare (10)

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Haustechniker

03.09.2012, 12:08 Uhr

Das ist doch die beste Gelegenheit mal das gesamte Gesundheitssystem zu überdenken und zu reformieren. Wir haben sowieso viel zu viele Ärzte die die Menschen in den Brunnen fallen lassen.
Prävention beschränkt sich doch nicht auf Vorsorgeunter- suchungen ab einem gewissen Alter, sondern auf das gesamte Individuum und seine speziellen einzigartigen Vorgaben. Die zu erfassen und darauf ein zu gehen das bringt uns weiter und macht das System auf Dauer bezahlbar.

Ragnar_Danneskjoeld

03.09.2012, 13:16 Uhr

Das sind alles nur Auswüchse eines staatlich geregelten Gesundheitssystems. Würde man das Gesundheitsystem dem Markt überlassen, dann würde sich alles von alleine Regeln, und zwar zum Besseren für alle!!!

heini

03.09.2012, 14:06 Uhr

Erschreckend, wie sehr sich diese Berufsgruppe von der Realität der Gesellschaft entfernt hat.

Häufig miserabler Service, lange Wartezeiten etc. für die Kassenpatienten von heute - die dafür 14% ihres Einkommens jeden Monat bezahlen!!

Die Herren Niedergelassenen sollten sich vielleicht langsam einmal vor Augen halten, dass ihre (Kassen-)Kundschaft langsam die Nase voll hat.

Wer sich einmal von der Qualität professionell geführter MVZ (ohne Wartezeit, ohne entwürdigendes Betteln um Termine) gemacht hat, KÖNNTE auf die Idee kommen, dass es zunehmend Menschen gibt, die auf das aktuelle System mit niedergelassenen Ärzten gerne verzichten würden.

Aufwachen, Leute! Wenn Ihr jetzt für >20k € im Jahr streiken wollt, freuen sich nur diejenigen, die im Moment schon in den Startlöchern stehen: Private Klinik-Ketten, Großpraxen etc.

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