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23.09.2014

07:13 Uhr

Streit um Renteneintritt

Bessere Bedingungen für Ältere im Job

Erst seit Sommer ist die abschlagsfreie Rente ab 63 Gesetz, da geht es schon um Rentenübergänge ab 60. Soll die Politik Älteren im Job weiter entgegenkommen? Union und SPD sind mit großen Forderungen konfrontiert.

Bauarbeiter in München: „von den Arbeitgebern im Durchschnitt mit 58 Jahren aussortiert“. dpa

Bauarbeiter in München: „von den Arbeitgebern im Durchschnitt mit 58 Jahren aussortiert“.

BerlinUnmittelbar vor Koalitionsberatungen über flexiblere Übergänge in die Rente pochen Opposition und Gewerkschaften auf Erleichterungen für ältere Arbeitnehmer. Belastungen für Beschäftigte um die 60 müssten verringert, Abschläge bei Frührentnern abgemildert werden, sagten Experten der Linken, der Grünen und des Deutschen Gewerkschaftsbundes der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. In interner Sitzung nimmt eine Arbeitsgruppe der Koalition an diesem Dienstag in Berlin ihre Debatte über einen flexibleren Renteneintritt wieder auf.

„Bauarbeiter werden von den Arbeitgebern im Durchschnitt mit 58 Jahren aussortiert, Bäcker scheiden mit 60 aus und Krankenpfleger mit 61“, sagte Annelie Buntenbach vom DGB-Vorstand.

Der Grünen-Rentenexperte Markus Kurth warf Union und SPD vor, auf politische Geländegewinne aus zu sein statt auf eine Lösung von Problemen älterer Beschäftigter. Dabei müsse die Rente mit 67 gerade für jene vernünftig gestaltet werden, die nicht bis 67 im Beruf Vollgas geben könnten. „Es deutet sich bereits an: Die Koalitionsfraktionen werden sich bloß auf Detailänderungen bei den Hinzuverdienstgrenzen verständigen und den Teilrentenbezug einige Monate früher als bisher möglich machen“, sagte Kurth.

Das Rentenpaket der Großen Koalition

Mütterrente

Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig besser honoriert. Pro Kind sind das ab 1. Juli brutto knapp 28 Euro monatlich mehr im Westen und gut 26 Euro mehr im Osten. Dies ist eine Verdoppelung des bisher bezahlten Zuschlags. Frauen mit jüngeren Kindern sind bei der Mütterrente aber immer noch bessergestellt.

Abschlagsfreie Rente ab 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll schon ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen können. Begünstigt sind die Geburtsjahrgänge zwischen 1952 und 1963. Phasen kurzer Arbeitslosigkeit sollen mit angerechnet werden, aber nicht in den letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Das soll eine Welle von Frühverrentungen verhindern. Selbständige, die in ihrem Berufsleben mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenkasse entrichtet haben und danach freiwillig weiterversichert blieben, sollen ebenfalls ab 63 eine abschlagfreie Frührente beziehen können. Das kommt vor allem Handwerkern zugute.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, soll brutto bis zu 40 Euro mehr Rente bekommen. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 – und damit zwei Jahre länger als bisher – in die Rentenkasse eingezahlt hätten.

Reha-Leistungen

Um Frühverrentungen aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert – also schrittweise erhöht – werden.

Bisher nutzen die für mindestens 63-Jährige bestehende Möglichkeit der Teilrente laut gewerkschaftsnaher Hans-Böckler-Stiftung nur gut 1000 Beschäftigte pro Jahr. Sie arbeiten also weniger, gehen früher, aber mit Abschlag in Rente. Kurth sagte: „Wenn die Teilrente aber kein Ladenhüter bleiben soll, brauchen wir wirkliche Verbesserungen, zum Beispiel die Möglichkeit, sie ab 60 zu beziehen.“ Bei Geringverdienern müssten Rentenabschläge ausgeglichen werden können.

Kommentare (5)

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Herr Woifi Fischer

23.09.2014, 07:39 Uhr

Für frühere Rente Rufe nach besseren Bedingungen werden lauter.

Warum verwenden die Parteien so viel Energie um die Rente?

Politiker sollten die gleiche Energie auf die Aufgeblasenen Pensionen und sonder Bezüge verwenden.
Die arbeitenden Menschen, erhalten nach einem arbeitsreichen Leben eine weitaus geringere Rente als die Beschäftigten im öffentlichen Dienst.
Es müssen die Renten und Pensionen im öffentlichen Dienst an das Rentennivea der Arbeiter und Angestellte angepasst werden.
Hier müssen die Parteien endlich aktiv werden.

Wer 45 Jahre voll gearbeitet hat, hat das Recht, selbst zu entscheiden ob er in Rente möchte oder nicht, ihm steht dann die volle Rente zu ohne Abzug zu.

Der Staat oder die Parteien haben kein Recht, ständig an den Renten herum zu manipulieren.

Herr Peter Spiegel

23.09.2014, 08:58 Uhr

Genau, die Rente ist wie Eigentum zu behandeln.

Herr Wolfgang Trantow

23.09.2014, 09:08 Uhr

Frührente? was soll das? Leute ab 40 werden nicht mehr eingestellt. Ich als Fachkraft, überqualifiziert, wurde über 10 Jahre vom Arbeitsamt, Abeitsagentur, Jobcenter nicht vermittelt, da die Mitarbeiter nicht gewillt waren, mich zu vermitteln ( Speditionskaufmann). Sie brachten mich nur wiederwillig in Kursen unter, damit ich lerne einen Lebenslauf zu schreiben. Dieser wurde sogar noch falsch gelernt, lt. Konzernen. Man wollte mich schon mit 55 in die Rente schicken!!!!!! Das ich Hartz IV nicht erhielt, versteht sich. Ich war ja verheiratet mit einer Deutschen, die am unteren entlohnt wurde!

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