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12.02.2014

06:45 Uhr

Streit um Stromnetz-Ausbau

Altmaier schaltet sich im Trassen-Streit ein

CSU-Chef Seehofer hat den Streit um Höchstspannungsleitungen quer durchs Land nach Kräften befeuert. Nun soll in Berlin geschlichtet werden. Am Abend empfängt die Kanzlerin europäische Energiemanager.

Neue Höchstspannungsleitungen sollen quer durchs Land führen. Doch vor allem in Bayern mehren sich die Bürgerproteste gegen das Projekt. dpa

Neue Höchstspannungsleitungen sollen quer durchs Land führen. Doch vor allem in Bayern mehren sich die Bürgerproteste gegen das Projekt.

BerlinIn den Streit um den Ausbau der Stromnetze schaltet sich laut einem Medienbericht Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) als Vermittler ein. Er habe für diesen Mittwoch Vertreter Bayerns, Thüringens und Sachsen-Anhalts ins Kanzleramt geladen, dazu die Netzbetreiber 50Hertz und Amprion, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwoch) unter Berufung auf Regierungskreise. Gegenstand der Gespräche sei vor allem die 450 Kilometer lange Südost-Trasse, die von Halle aus durch Thüringen nach Augsburg führen soll.

Vor allem in Bayern mehren sich die Bürgerproteste gegen das Projekt. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) fordert deshalb einen Planungsstopp. Das hatte er am Dienstag trotz Kritik noch einmal bekräftigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat allerdings bereits deutlich gemacht, dass sie am Bau neuer Stromtrassen in den Süden festhält. Bundestag und Bundesrat hatten im Vorjahr im Bundesbedarfsplangesetz 36 vordringliche Projekte beschlossen.

Wie der „Münchner Merkur“ (Mittwoch) berichtet, hat der Betreiber Tennet für die längste der geplanten Trassen, den „SuedLink“, alle Informationsveranstaltungen in den kommenden drei Wochen gestoppt. Auch die für dieses Jahr geplante Antragstellung werde mit Bedauern bis auf Weiteres verschoben. Das gehe aus einem Brief der Geschäftsführung an Seehofer hervor. Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (CSU) habe den Schritt bestätigt.

Der Umlage-Dschungel beim Strompreis

Ökostrom-Umlage

Macht derzeit 21 Prozent des Strompreises aus. Sie ist 2014 auf 6,24 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Gezahlt wird damit die Differenz zwischen dem am Markt für den Strom erzielten Preis und den auf 20 Jahre garantierten festen Vergütungssätzen. Die Förderkosten könnten sich 2014 auf 23,5 Milliarden Euro belaufen - die Solarvergütungen machen dabei fast die Hälfte aus. Bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden sind rund 250 Euro zu zahlen.

Umlage für Netzentgelt-Rabatte der Industrie

Die Umlage für Netzentgelt-Rabatte der Industrie (4 Euro im Jahr bei 4000 Kilowattstunden Verbrauch laut dem Vergleichsportal Verivox): Die §19-Umlage musste bereits reformiert werden. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf und auf Druck der EU-Kommission war eine Komplettbefreiung von Netzentgelten für über 200 besonders energieintensive Unternehmen aufgehoben worden. Nun gibt es gestaffelte Rabatte, je nach Verbrauch oder Lastverschiebung in nachfrageschwache Nachtstunden. Dadurch ist die Umlage gesunken.

Offshore-Umlage

Die Offshore-Umlage (10 Euro): Damit werden Kosten für Verspätungen oder Pannen bei der Netzanbindung von Meer-Windparks abgewälzt.

Konzessionsabgabe

Mit der Konzessionsabgabe (68 Euro bei 4000 kWh laut Vervivox im Schnitt) werden Städte und Gemeinden unter anderem für die Nutzung von Straßen und Wegen zur Verlegung von Leitungen entlohnt.

Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage

Mit der Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage (7 Euro bei 4000 kWh) wird die entsprechende Strom- und Wärmegewinnung in KWK-Anlagen gefördert.

In Sachen Energiewende sind am Abend auch führende europäische Energiemanager bei Kanzlerin Merkel zu Gast. Die CDU-Vorsitzende will sie über den Stand der Umsetzung und die Reform der Ökostromförderung informieren. Die deutsche Branche ist zunehmend beunruhigt, weil die Politik die Wirtschaft stärker an den Milliardenkosten beteiligen will. In den europäischen Nachbarstaaten verfolgt man das teure Mega-Projekt mit einer Mischung aus Neugier, Unverständnis und Ärger. An dem Abendessen im Kanzleramt nimmt auch Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) teil.

Bei einem Empfang des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) hatte Gabriel am Dienstagabend gesagt, dass er eine Kappung der Industrie-Rabatte bei der Ökostrom-Förderung um bis zu eine Milliarde Euro für möglich halte. Geforderte Summen von vier Milliarden Euro seien illusorisch. Die Rabatte zahlen die anderen Stromverbraucher über die im Strompreis enthaltene Ökostrom-Umlage mit. Die EU-Kommission fordert aus Wettbewerbsgründen eine Reform, Gabriel will dies bis zum Sommer schaffen.

„Gegen ungerechtfertigte Einschnitte werden wir uns wehren“, kündigte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in der „Schweriner Volkszeitung“ (Mittwoch) an. „Wir wollen die Vergünstigungen bei der EEG-Umlage auf die Unternehmen zurückführen, die wirklich im internationalen Wettbewerb stehen.“

Von

dpa

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

12.02.2014, 07:54 Uhr

bekommt man den eindruck, dass die Energietrassen keiner wirklich haben will, die auch keiner bezahlen kann und will, dass diese "Energiewende" nur scheitern kann.
Wir sollten rechtzeitig einlenken und von diesem toten Gaul absteigen, lassen wir unsere Kraftwerke laufen, bauen wir die Kernkraft aus und machen uns von Russischem Gas ein stück mehr unabhängig .
Dei CO2 neutrale Energiegewinnung die auch noch bezahlbar ist und wofür nicht die Landschaft mit Stromleitungen verschandelt wird kann nur mit der Kernkraft umgesetzt werden !

Marlin

12.02.2014, 08:21 Uhr

Das ist doch irre, hier in Augsburg wurde in letzte 10 Jahre 5000 Stellen von Siemens gestrichen, 2000 von MAN, 259 von KUKA, 222 von Fujitsu, 2000 von Weltbild, Osram 340. Das ganze Industrie hier in Augsburg wird bald Geschichte.
Kein Mensch braucht hier solche Stromkapazitäten, und umgekehrt hier gibts keine grosse Wasser odet Windkraftwerke. Also für welchem Zweck wird das gebaut ist sehr fragwürdig!

Account gelöscht!

12.02.2014, 08:24 Uhr

Altmaier schaltet sich im Trassen-Streit ein?
Ein Ex-Umweltminister der in seiner Amtszeit nichts auf den Weg gebracht hat, will nun den Schlichter spielen?
Was die Regierung und Parteien bei der sogenannten Energiewende zum Besten geben, ist einfach nur noch erbärmlich.
Großindustrie wird weiter entlastet mit dem Argument „sie stehen im internationalem Wettbewerb“ zahlen soll diese Hirngespinste der kleine Stromkunde, wie sozial ist diese Wende?

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