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01.01.2015

10:23 Uhr

Streit um Stromnetz-Ausbau

Industrie warnt Seehofer vor Alleingängen

CSU-Chef Seehofer hat Bedenken gegen den Bau neuer Stromtrassen von Nord nach Süd. Doch Industrie und die Betreiber der Stromnetze sehen keine Alternative: Ohne die neuen Supertrassen kann die Energiewende kaum gelingen.

Neue Stromtrassen sollen Windenergie aus dem Norden in den Süden der Bundesrepublik bringen. dpa

Neue Stromtrassen sollen Windenergie aus dem Norden in den Süden der Bundesrepublik bringen.

BerlinDie Industrie warnt Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer davor, im Streit um den Ausbau der Stromnetze den Bogen zu überspannen. Nationale Alleingänge und Egoismen der Bundesländer gefährdeten den Erfolg der Energiewende, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo.

CSU-Chef Seehofer hat große Bedenken gegen den geplanten Bau neuer Stromtrassen von Nord nach Süd. Derzeit läuft dazu in Bayern, wo es heftige Proteste gibt, ein Dialog mit den Bürgern. Im Frühjahr will Seehofer dann entscheiden. Experten halten es für möglich, dass die Strompreise im Süden Deutschlands steigen könnten, wenn der Netzausbau blockiert wird.

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Grillo forderte von Seehofer mehr Realismus: „Bayern kann nicht autark sein.“ Energie mache nicht an Landesgrenzen halt. „Wir brauchen nicht 17 Energiewenden in Deutschland. Wir brauchen dringend eine gesamteuropäische Energiewende“, sagte der Unternehmer aus Duisburg. Ein vollständig integrierter Energiemarkt würde Europa jährlich Effizienzgewinne von rund 50 Milliarden Euro bringen.

Experten weisen schon jetzt auf Schieflagen bei der Finanzierung der Stromnetze hin. Während in ländlichen Regionen durch neue Ökostrom-Anlagen die Netzentgelte steigen und die Stromrechnung der dortigen Verbraucher belasten, stagnieren die Entgelte in städtischen Regionen. Während in Berlin eine Familie mit einem Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden im kommenden Jahr 236 Euro für die Stromnetze zahlen werde, seien es in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns 411 Euro. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende, die sich auch auf Daten der Netzbetreiber bezieht.

„Schon heute belaufen sich die Netzentgelte bundesweit auf mehr als 17 Milliarden Euro, das ist fast so viel wie die Ökostrom-Förderung“, sagte Agora-Chef Patrick Graichen. Durch den benötigten Netzausbau werde die Schere bei den Netzentgeltkosten weiter auseinandergehen. Agora schlägt daher vor, die Kosten für die Stromnetze bundesweit zu vereinheitlichen.

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