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04.04.2006

14:39 Uhr

Strom- und Gaspreise

Teure Energie macht der Industrie zu schaffen

VonKlaus Stratmann und Jürgen Flauger

Energieverbraucher aus der Industrie sehen sich durch hohe Strom- und Gaspreise in die Enge getrieben. Sie weisen der Politik Mitverantwortung für die Entwicklung zu. Die Politik soll gegensteuern, fordern Unternehmen.

BERLIN | DÜSSELDORF. „Kurzfristige Richtungsentscheidungen für mehr Wettbewerb und für günstigere Strom- und Erdgaspreise müssen oberste Priorität in der Politik haben“, forderte gestern der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). In ihm haben sich Energieverbraucher aus der Industrie zusammengeschlossen. Aktuelle Fehlentwicklungen schädigten den Standort in seiner Substanz, so die Kritik.

Beispiel Strom: Die Preise für Industriekunden sind seit Anfang Dezember 2005 um fast ein Drittel gestiegen. Die Entwicklung hat verschiedene Ursachen. In den Augen der Stromverbraucher ist der mangelnde Wettbewerb einer der Hauptgründe. Tatsächlich erzeugen die vier großen Stromproduzenten – Eon, RWE, EnBW und Vattenfall – rund 80 des Stroms. „Die Bundesregierung ist dringend gefordert, dem engen Strom-Oligopol entgegen zu wirken. Die Politik sollte einen funktionsfähigen Wettbewerb schaffen. Nur dann haben wir eine Chance auf faire Strompreise“, sagte VIK-Geschäftsführer Alfred Richmann dem Handelsblatt.

Auch die Kosten für die Nutzung der Stromnetze sind in den Augen der Verbraucher viel zu hoch. Laut Bundesumweltministerium entfallen knapp 30 Prozent der Stromkosten auf die Netznutzung. Der Wert liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Für Abhilfe könnte die Bundesnetzagentur sorgen. Die Behörde will die Netzentgelte bis zum Mai prüfen und genehmigen.

Seit Monaten streiten Stromverbraucher und -produzenten zudem über Belastungen, die sich aus dem Handel mit Emissionszertifikaten ergeben. Die Stromhersteller stellen ihren Abnehmern die Zertifikate, die zu Beginn des Emissionshandels kostenlos zugeteilt wurden, zum jeweils aktuellen Marktpreis in Rechnung. Der VIK errechnet daraus Zusatzgewinne für die Stromkonzerne in Höhe von fünf Mrd. Euro jährlich. Die Stromerzeuger weisen die Vorwürfe der Verbraucher zurück. Man sei zu knapp mit Zertifikaten ausgestattet worden und habe in erheblichem Maße Emissionsberechtigungen zukaufen müssen.

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