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11.05.2012

17:30 Uhr

Stromerzeugung

Notstrom aus Altanlagen

VonKlaus Stratmann

Die Erzeugungskapazitäten sind knapp. Besonders in Süddeutschland drohen Engpässe. Daher sollen betagte Kraftwerke neu geprüft werden und länger laufen. Die Umweltschützer unterstützen den Vorstoß. .

Kraftwerkbaustelle des Braunkohlekraftwerkes von RWE in Neurath. dapd

Kraftwerkbaustelle des Braunkohlekraftwerkes von RWE in Neurath.

BerlinDie Energiebranche warnt angesichts knapper Stromerzeugungskapazitäten vor einer Stilllegung älterer Kraftwerke. Da mit Verzögerungen bei der Inbetriebnahme neuer Anlagen zu rechnen sei, "sollte die Politik bereits verfügte Stilllegungen älterer Kraftwerke noch einmal überprüfen", sagte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dem Handelsblatt. Umweltschützer stimmen ihr zu. Auch die Bundesnetzagentur hatte kürzlich angesichts drohender Engpässe empfohlen, Altanlagen einsatzbereit zu halten.

Tatsächlich stehen viele ältere Kraftwerke vor dem Aus. Dafür gibt es verschiedene Gründe. So verbinden Behörden die Genehmigung neuer Anlagen häufig mit der Auflage, weniger effiziente ältere Anlagen stillzulegen. Der BDEW geht davon aus, dass allein aus diesem Grunde in den kommenden Jahren 5,4 Gigawatt (GW) Kapazität vom Netz gehen. Das entspricht fünf Großkraftwerken. Weitere sechs GW stehen vor einer Stilllegung, weil die Kraftwerke den sich verschärfenden Immissionsschutzgesetzen nicht mehr gerecht werden. Da mit der Energiewende das Aus für sämtliche Kernkraftwerke bis 2022 beschlossene Sache ist, werden die Kapazitäten somit knapp.

Im vergangenen Winter hat sich das bereits bemerkbar gemacht. Einem Bericht der Bundesnetzagentur zufolge war die Situation im Stromnetz "sehr angespannt". Dreimal habe man auf die Kaltreserve zurückgreifen müssen. Dabei handelt es sich um Kraftwerke, die seit der Abschaltung von acht der 17 deutschen Kernkraftwerke im vergangenen Jahr im Stand-by-Betrieb gehalten werden. Wenn weitere Kraftwerke außer Betrieb gingen, "würde das Sicherheitsniveau auf nicht mehr akzeptable Weise sinken", hatte Jochen Homann, der Präsident der Bundesnetzagentur, kürzlich gewarnt und eine Erhöhung der Kalt?reserve gefordert.

"Der vergangene Winter hat gezeigt, dass die Erzeugungskapazitäten in einigen Regionen knapp sind", sagte Müller. Der Kraftwerksbestand sollte daher möglichst gesichert werden. Besonders prekär sei die Lage in Bayern und Baden-Württemberg, sagte sie. "Deshalb können wir es uns gerade dort kaum leisten, alte Anlagen ohne eine erneute Analyse der Situation einfach stillzulegen."

Umweltschützer, die den Weiterbetrieb alter Kraftwerke mit niedrigem Wirkungsgrad und hohen CO2-Emissionen grundsätzlich kritisch sehen, teilen angesichts der akuten Engpässe Müllers Forderung. "Die Lage ist angespannt. Es ist daher sinnvoll, auch alte Kraftwerke am Netz zu halten", sagte Felix Matthes vom Öko-Institut dem Handelsblatt. Da die alten Anlagen nur für wenige Stunden in Engpasssituationen ans Netz gehen müssten, sei der Emissionsaspekt nicht relevant. "Wir werden uns um die alten Anlagen kümmern müssen. Sie dürfen nicht einfach abgemeldet werden. Das ist das größte Flexibilitätspotenzial, das wir derzeit haben", sagte er.

Kommentare (4)

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feder24

12.05.2012, 08:40 Uhr

Zitat:... Es ist daher sinnvoll, auch alte Kraftwerke am Netz zu halten", sagte Felix Matthes vom Öko-Institut....

Tolle Logik, wie wäre es mit einer Inbetriebnahme der beiden , von Grün mit spitzfindiger Juristerei bekämpften, neuen Kraftwerke in Datteln und Lünen, womit die Atomlücke fast geschlossen würde.( Mit Neurath 4 neue Kraftwerke a 1000 MW Generatorleistung.)
Dann könnten viele alte Kraftwerke in den Schrott.

MaWo

12.05.2012, 09:19 Uhr

Hallo,
wie wäre es denn einmal mit der Überlegung die Verbräuche zu reduzieren. Ein Weg wäre z.B. die Oboleszenz (eingenauter Verfall) zu überdenken.
Warum muss ein Herd nach 20 Jahren erneuert werden, wenn die Heizung nicht mehr erhältlich ist? Das Normalgerät ist in Breite Tiefe und Höhe im Grunde unverändert und der Korpus hat eine weit längere Lebensdauer. Technische Verbesserungen sind also durchaus möglich.
Warum eine ganze Arbeitsplatte ausgetauscht werden muss, weil es keine Spülen / Herdmulden mit den ursprünglichen Maßen gibt? Und...und...und!
Warum werden Kfz als Innovation dem Kunden angepriesen, nur weil eine Schlitzschraube gegen eine Kreuzschlitzschraube ausgetauscht wurde?!
Es wird immer noch gehandelt als könnten wir auf unerschöpfliche Recourcen von der Herstellung bis zur periodischen Erneuerung zurück greifen.
Hier liegt unverändert etliches (von der Erzgewinug bis zur Verbrauchsenergie) im Argen.

MaWo

12.05.2012, 09:28 Uhr

"Hallo,
wie wäre es denn einmal mit der Überlegung die Verbräuche zu reduzieren. Ein Weg wäre z.B. die Obsoleszenz (eingenauter Verfall) zu überdenken.
Warum muss ein Herd nach 20 Jahren erneuert werden, nur weil die Heizung nicht mehr erhältlich ist? Das Normalgerät ist in Breite Tiefe und Höhe im Grunde unverändert und der Korpus hat eine weit längere Lebensdauer. Technische Verbesserungen sind also durchaus möglich.
Warum eine ganze Arbeitsplatte ausgetauscht werden muss, weil es keine Spülen / Herdmulden mit den ursprünglichen Maßen gibt? Und...und...und!
Warum werden Kfz als Innovation dem Kunden angepriesen, nur weil eine Schlitzschraube gegen eine Kreuzschlitzschraube ausgetauscht wurde?!
Es wird immer noch gehandelt als könnten wir auf unerschöpfliche Recourcen von der Herstellung bis zur periodischen Erneuerung zurück greifen.
Hier liegt unverändert etliches (von der Erzgewinnug bis zur Verbrauchsenergie) im Argen.

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