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14.10.2016

10:35 Uhr

Strompreis 2017

EEG-Umlage steigt auf 6,88 Cent

Die Energiewende wird für die Stromkunden erneut teurer. Die Ökostrom-Umlage steigt 2017 auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Die Versorger müssen die Umlage allerdings nicht an ihre Kunden weiterreichen.

Strompreis 2017

Ökostromumlage steigt - Verbraucher zahlen drauf

Strompreis 2017: Ökostromumlage steigt - Verbraucher zahlen drauf

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BerlinVerbraucher müssen zur Förderung von Strom aus Windkraft und Sonne wohl auch im nächsten Jahr tiefer in die Tasche greifen. Die sogenannte Ökostrom-Umlage wird von derzeit 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde angehoben, teilten die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennez und TransnetBW am Freitag mit. Die Umlage zahlen Verbraucher über die Stromrechnung.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, nannte den starken Anstieg der Kosten für erneuerbare Energien ein Alarmsignal. „Die EEG-Umlage wächst in diesem Jahr fast viereinhalb Mal so stark wie die Wirtschaft. Das jetzige Fördersystem läuft aus dem Ruder.“ Er bemängelte, die versprochene Kostenbremse des Bundeswirtschaftsministeriums sei Wunschdenken. „Energiekosten werden für die Industrie zu einem echten Standortproblem.“ Der Handelsverband Deutschland (HDE) forderte eine Reduzierung der Kosten für die Energiewende und eine faire Verteilung der Belastungen.

Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Katherina Reiche, sagte: „Die Kosten für die Umsetzung der Energiewende machen sich nicht mehr nur in der gestiegenen EEG-Umlage bemerkbar, sondern immer stärker durch die Steigerung der Netzentgelte.“ Sie mahnte einen intelligenten Netzausbau und einen besseren lokalen Ausgleich von Stromerzeugung und -verbrauch an.

Wie die EEG-Umlage funktioniert

Was ist die EEG-Umlage?

Die seit dem Jahr 2000 erhobene Umlage finanziert den Ausbau der erneuerbaren Energien. Hintergrund ist die Verpflichtung der Übertragungsnetzbetreiber, angebotenen Strom aus erneuerbaren Energien abzunehmen und weitgehend zu festen Preisen zu vergüten. Die Netzbetreiber verkaufen den Strom dann an der Börse. Die Differenz zwischen den Vergütungssätzen und dem Börsenpreis soll mit der EEG-Umlage ausgeglichen werden.

Wer bezahlt die Umlage?

Grundsätzlich alle Stromverbraucher. Allerdings gibt es Ausnahmen: Unternehmen aus bestimmten Branchen, die besonders viel Strom verbrauchen, bekommen auf Antrag weitgehenden Rabatt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Ermäßigungen können zum Beispiel Holz- und Papierhersteller. Eisenbahnfirmen sind ebenfalls begünstigt. Privatkunden können keinen Rabatt bekommen.

Wie hat sich die Umlage entwickelt?

Bei ihrer Einführung vor 16 Jahren betrug die EEG-Umlage 0,19 Cent pro Kilowattstunde Strom. Heute ist sie mehr als 33 Mal so hoch. Von Jahr zu Jahr gab es eine Steigerung, nur 2015 wurde die Umlage zum bislang einzigen Mal gesenkt.

Welche anderen Abgaben müssen Stromkunden bezahlen?

Beim Strom machen die eigentlichen Energiekosten nur etwa ein Viertel des Endpreises aus: 26 Prozent entfallen laut Bundesnetzagentur auf die Strombeschaffung, den Vertrieb und die Gewinnmarge des jeweiligen Anbieters. Der Einkaufspreis wird maßgeblich von der Leipziger Strombörse bestimmt, dem wichtigsten Handelsplatz in Europa. Dieser Bestandteil kann bei einzelnen Lieferanten unterschiedlich ausfallen.

20,4 Prozent des Strompreises entfallen auf das Entgelt für die Netznutzung. Staatlich vorgeschriebene Abgaben und Umlagen machen rund 28,5 Prozent aus, dabei ist die EEG-Umlage mit 21,2 Prozent der größte Posten. 2,3 Prozent des Preises sind Entgelte für die Messung des Stromverbrauchs und die Abrechnung. Schließlich kommen noch Mehrwertsteuer und Stromsteuer hinzu.

Wer legt die Höhe fest?

Dafür sind die Betreiber der Stromübertragungsnetze 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW zuständig. In einer jährlich erstellten Prognose legen sie fest, wie viel Geld sie voraussichtlich an die Erzeuger von Ökostrom zahlen müssen und wie viel sie für die Energie an der Börse bekommen.

Schließlich spielt noch das sogenannte EEG-Konto eine Rolle. Auf dieses fließen die eingenommene EEG-Umlage und die Einnahmen aus dem Verkauf den Ökostroms, die Zahlungen an die Stromerzeuger gehen hiervon ab. Ende August lag das Konto mit knapp drei Milliarden Euro im Plus. Aus dem Zusammenspiel aller Faktoren berechnen die Netzbetreiber die EEG-Umlage für das nächste Jahr. Die Bundesnetzagentur muss kontrollieren, ob die Ermittlung ordnungsgemäß abläuft.

Die EEG-Umlage wird als Differenz zwischen dem Preis, den Stromerzeuger für ihren Strom bekommen, und den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom berechnet. Je niedriger der Börsenpreis, den Energiekonzerne zahlen müssen, desto höher die Umlage.

Was der Anstieg der Umlage für Haushalte am Ende konkret bedeutet, ist kaum zu berechnen. Es kommt darauf an, ob die Energiekonzerne fallende Börsenstrompreise an die Kunden weitergeben.

Von 2017 an wird die Förderung von Ökostrom in Deutschland komplett umgestellt. Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhalten Betreiber größerer Windparks oder Solaranlagen sowie von Biogas-Anlagen künftig für eingespeisten Strom keine feste, gesetzlich festgelegte Vergütung mehr. Stattdessen werden neue Projekte ausgeschrieben. Wer am wenigsten Subventionen pro Kilowattstunde Strom verlangt, erhält dann den Zuschlag.

Kommentare (23)

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Herr Holger Narrog

14.10.2016, 10:45 Uhr

Fair wäre es wenn diese Umlage von denen erhoben würde die an "Erneuerbare Energien", ökoreligiöse Weltuntergangskatastrophen wie Klimawandel und Dämonische Atomstrahlen glauben. Andere Religionsgemeinschaften müssen gleichfalls für ihre Visionen aufkommen.

Der Gedanke Strom mit Wind und Sonne zu erzeugen ist eine ökoreligiöse Vision die mit Hilfe einer sehr selektiven und phantasiereichen Kommunikation der Medien den Menschen nahegebracht wird. Sachlich ist die Nutzung solcher Erzeuger im Netz nicht sinnvoll.

Hintergrund: Windstrom fällt entsprechend den Launen des Wetters an, Solarstrom entsprechend der Tageszeit, Wetter und der Jahreszeit (im Juli 5 x mehr als im Januar). Im Stromnetz müssen Erzeugung und Verbrauch in jedem Augenblick gleich sein. Damit ist Strom der ungeeignetste Energieträger um diesen mit Wind und Sonne zu erzeugen. Eine Speicherung von Strom ist extrem schwierig. Der erzeugte Strom ist nahezu wertlos.

In der Konsequenz müssen regelmässig Kapazitäten moderner Grosskraftwerke in Höhe der Verbrauchsspitzen in kalter, warmer und heisser Bereitschaft vorgehalten werden. Um die Frequenzstabilität zu gewährleisten darf der Anteil "Erneuerbarer Energien" auch ein gewissen Anteil nicht übersteigen. Das hat dann zur Folge dass bei starkem Wind der erzeugte Strom den Nachbarländern zu Negativpreisen ins Netz gedrückt wird.

Herr Thomas Behrends

14.10.2016, 10:45 Uhr

Also, liebe Leute, ich habe mir gerade einmal eine Beispielrechnung von Vattenfall aus dem Jahre 2014 im Internet angesehen und stelle Folgendes fest:

Bei einer Rechnung, die 100% Bruttokosten für den Endverbraucher umfassen bezahlen die Kunden:

1. Einen Anteil für Strombeschaffung und Stromvertrieb von rund 16% sowie
2. einen Anteil für Steuern, Abgaben und Netzbetreiber von rund 84%, darin sind auch 21,1%-Punkte EEG-Umlage enthalten.

Unter der Voraussetzung, dass alle anderen Parameter gleich blieben, würde die EEG-Umlage somit um rund 0,22%-Punkte ansteigen.

Ein unglaublicher Skandal angesichts der Tatsache, dass umweltfeindliche Energieerzeugung durch Kohle- und Kernkraftwerke weiterhin betrieben wird und die Effizienz bei Windkraftwerken (On- und Offshore) sowie Solarenergie zu wünschen übrig lässt.

Insbesondere Offshore-Windkraftparks sind aus meiner Berufserfahrung her besonders Störanfällig, weil der Netzdurchleiter wie z.B. vor Bremerhaven (das Unternehmen TENNET) die Strommengen aufgrund von Durchleitungsstörungen gar nicht ins deutsche Netz einspeisen kann. Dafür, dass TENNET die Durchleitung nicht gewährleisten kann, haben sie sich gegenüber den Windkraftbetreibern obendrein vertraglich von Schadensersatzforderungen für die ersten 10-11 Tage freischreiben lassen. Das bedeutet für jeden Offshore-Windkraftpark-Betreiber gigantische Umsatzeinbußen selber tragen zu müssen. Das zum Thema Windkraft und Effizienz.

Herr Peter Lustig

14.10.2016, 10:56 Uhr

"Die Versorger müssen die Umlage allerdings nicht an ihre Kunden weiterreichen."
Wer es glaubt....

Hat die Politik gut gemacht. Die "Armen" ohne Solarzelle aufm Haupt und Selbstverbrauch werden geschröpft. Die Reichen werden immer reicher.
Hat die CDU/CSU und FDP damals ja super eingeführt und später die SPD bestätigt.

Der Strom kostet an der Börse derzeit 3,54 €ct/kWh.

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