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12.06.2012

22:04 Uhr

Strompreise

Erneuerbare Energien in der Schusslinie

VonKlaus Stratmann

Strom aus regenerativen Quellen ist teuer wie nie. Die FDP warnt vor der Zerstörung von Arbeitsplätzen in der Industrie. Christian Lindner fordert eine stärkere Marktorientierung. Die Zukunft des Gesetzes ist unklar.

Elektriker installiert Solaranlage: Die Erneuerbaren sorgen für Streit. dpa

Elektriker installiert Solaranlage: Die Erneuerbaren sorgen für Streit.

BerlinDas Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) steckt in einer Existenzkrise. Seine Kritiker fordern nicht nur eine rasche Absenkung der Vergütung für Solarstrom, sie stellen mittlerweile auch das EEG-System insgesamt infrage: "Die Monopolkommission hat völlig zu Recht ihren Vorschlag bekräftigt, das planwirtschaftliche EEG mit garantierten Vergütungen durch ein marktwirtschaftliches Quotenmodell zu ersetzen", sagte Christian Lindner, Chef der NRW-FDP, dem Handelsblatt.

Lindner greift damit die Kritik von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) auf. Rösler bekräftigte, eine Kürzung der Solarförderung sei nur der erste Schritt. "Die Erneuerbaren müssen stärker an Marktverhältnisse herangeführt werden", sagte er dem Handelsblatt. Er sorgt sich um die Preisentwicklung: Strom müsse bezahlbar bleiben, sagte er. Entscheidender Hebel sei das EEG.

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Hintergrund der Kritik ist der Anstieg der EEG-Umlage. Sie sorgt für steigende Strompreise. Betroffen sind alle Stromverbraucher. Ausnahmen gelten für Teile der Industrie. Rösler will diese Ausnahmen erhalten: "Deutschland muss Industriestandort bleiben. Gerade die energieintensiven Unternehmen schaffen Produkte, mit denen der Umbau der Energieversorgung erst möglich wird", sagte Rösler. Wer an den Ausnahmen rüttle, zerstöre industrielle Arbeitsplätze. "Das wird auf meinen entschiedenen Widerstand treffen."

NRW-FDP-Chef Lindner sieht das ähnlich. "Wenn wir die Arbeitsplätze in der Stahlindustrie, in Gießereien und Aluminiumhütten erhalten wollen, gibt es gegenwärtig zu Ausnahmen von der EEG-Umlage keine Alternative", sagte er. Lindner kritisierte, die Belastungen aus dem EEG seien regional unausgewogen. Bayern profitiere, während Stromkunden in NRW zahlten. Zusätzlich gefährde die Volatilität der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen die Versorgungssicherheit. Das könne für ein Industrieland wie NRW ein Problem werden.

Auch Umweltpolitiker, dem EEG traditionell wohlgesonnen, sehen Handlungsbedarf. Horst Meierhofer (FDP), stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses des Bundestags, fordert, den Eigenverbrauch von EEG-Strom stärker in den Fokus zu rücken und den Anteil des Stroms, für den es feste Einspeisevergütungen gibt, entsprechend zu reduzieren. Meierhofer wirft der Photovoltaik-Branche vor, das Thema Innovationen verschlafen zu haben. Die Hersteller könnten im Wettbewerb mit chinesischen Herstellern im Massenmarkt ohnehin nicht bestehen und müssten daher stärker auf Forschung setzen.

Wissenschaftler warnen, sich in der Debatte über das EEG zu sehr auf die Höhe der Umlage zu konzentrieren. "Als politische Steuerungsgröße ist die Umlage nicht geeignet", sagte Felix Matthes vom Öko-Institut dem Handelsblatt. Matthes umreißt damit ein Problem, das in der öffentlichen Debatte oft untergeht: Wenn etwa zur Mittagszeit Strom aus Photovoltaik-Anlagen die Strombörsen flutet, sorgt das für sinkende Marktpreise. Bei sinkenden Marktpreisen steigt aber die Differenz zur gesetzlich festgelegten EEG-Vergütung je Kilowattstunde. Die Folge: Nominal steigen die EEG-Kosten.

Matthes warnt davor, bestimmte Quoten für Strom aus erneuerbaren Quellen vorzuschreiben, um die kostengünstigste Erzeugungsvariante zu stützen. "Dann haben wir bald nur noch Windkraftanlagen an Land." Wer eine bestimmte Breite an Technologie erhalten wolle, müsse am System differenzierter Vergütungssätze festhalten.

Kommentare (12)

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vandale

12.06.2012, 23:10 Uhr

Das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) wirkt 2-fach.

Es enthält feste Subventionssätze die mögliche Marktpreise im Fall der Solarenergie um den Faktor 20, im Fall der Windenergie um den Faktor 9 übersteigen.

Das EEG sieht einen Vorrang für "Erneuerbare Energien" vor. Normalerweise wird man der Einspeisung verlässlich verfügbarem Strom den Vorzug geben. Das heisst in einem freien System würden die Netzbetreiber vermutlich die Einspeisung des Oekostroms verweigern, oder nur in Ausnahmefällen zulassen.

An einem sonnigem Sonntag im Sommer steigt gegen Mittag 11- 13:00 die Einspeisung umweltschädlichen Solarstroms nahe an den Verbrauch. Gleichzeitig sind jedoch zahlreiche Kohle und umweltfreundliche Kernkraftwerke am Netz. Das Hochfahren eines Steinkohlekraftwerks kann bis zu 6 Stunden dauern. Ein Kernkraftwerk in Grenzen im Lastfolgebetrieb gefahren werden. Dann wird aufgrund der Einspeiseverpflichtung der Strom aus den Kohlekraftwerken und Kernkraftwerken für Lau ins Ausland verkauft. Die Oekopropaganda lautet, dass der Solarstrom einen Ertrag erzielen würde.

Grundsätzlich erfolgt der Bau von Solarenergie und Windmühlen aufgrund ökoreligiöser Visionen. Die Forderung die "Erneuerbaren Energien" dem Markt zu überlassen führt zur kurzfristigen Abschaltung derselben. Da Wind und Sonne auch in Zukunft nicht stärker, oder regelmässiger scheinen/wehen wird sich dies in der vorhersehbaren Zeit nicht ändern.

Vandale

vandale

12.06.2012, 23:26 Uhr

Der Artikel wird sehr durch die links-ökologische Orientierung des Journalisten beeinflusst.

Sehr erfrischend ist es die Oeko Aktivisten des Darmstädter Oekoinstituts als Wissenschaftler zu bezeichnen.

Sehr erfrischend ist es zu behaupten, dass die Solarstromeinspeisung die Strompreise um die Mittagszeit senken würde.

Ich weiss nicht ob ein Journalist dies zu verstehen vermag. Der Solarstrom wird je nach Inbetriebnahmejahr der Anlage mit 20 - 50c/kWh subventioniert. Diese Kosten werden dem Verbaucher in Rechnung gestellt. Der erzeugte Strom wird dann für 4-7c/kWh verkauft und kann dann eine "preisdämpfende" Wirkung entfachen. Die Solarstromeinspeisung hat bei sehr sonnigem Wetter einen Peak zwischen 11:00 und 13:00. Da man für diesen Zeitraum keine Kraftwerke herunterfährt muss der in modernen Kraftwerken erzeugte Strom für Lau ins Ausland abgegeben werden. Diese Kosten werden nicht im EEG ausgewiesen. Die Kraftwerksbetreiber suchen diese Kosten in den Erzeugerkosten weiterzugeben. Möglicherweise gibt es demnächst eine Kapazitätsbereitstellungssubvention die in den Netzkosten ausgewiesen wird. Die massenweise Einspeisung von Solarstrom (u. Windstrom) erfordert einen Netzausbau auf allen Ebenen für ca. 60 Mrd.€. Diese Kosten werden in den Netzkosten ausgewiesen. Zu all diesen Kosten sind Marge, Steuern, Mehrwertsteuer zu addieren.

Die Behauptung dass Solarenergie die Strompreise um die Mittagszeit reduzieren würde ist entweder auf Naivität des Journalisten, oder eine bewusste Falschaussage desselben.

Vandale

haraldo1960

12.06.2012, 23:49 Uhr

Habe selten soviel Blödsinn in einem Kommentar gelesen. Wieder einer jenen Zeitgenossen, die den Atomausstieg nicht verkraften und krampfhaft an der Behauptung festhalten tomkraft sei sauber ... Noch nie was von einer Atommüllproblematik gehört :-( Atomstromproduktion ist eine der dreckigsten Arten Strom herzustellen - das geht schon beim Uranabbau los ...

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