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14.08.2012

04:45 Uhr

Strompreise

Oettinger fordert Obergrenze für Energieumlage

Deutschland hat die zweithöchsten Strompreise in Europa - wegen seiner Abgaben, meint EU-Energie-Kommissar Oettinger. Trotz der Umlage für erneuerbare Energien gibt es einen Faktor, der die Preise im Zaum halten könnte.

Von 18 Unternehmen, die Entsprechungserklärungen zum Kodex abgegeben haben, befindet sich derzeit noch kein Unternehmen mit Bundesbeteiligung. dpa

Von 18 Unternehmen, die Entsprechungserklärungen zum Kodex abgegeben haben, befindet sich derzeit noch kein Unternehmen mit Bundesbeteiligung.

BerlinEU-Energie-Kommissar Günther Oettinger (CDU) hat vor hohen Strompreisen in Deutschland gewarnt und eine Deckelung der Umlage für erneuerbare Energien verlangt. "Sonst laufen die Kosten für Verbraucher und Wirtschaft aus dem Ruder", sagte Oettinger der "Bild"-Zeitung.

Deutschland habe "vor allem wegen der hohen Steuern und der Abgabe für erneuerbare Energien" die zweithöchsten Strompreise in Europa, sagte Oettinger laut Vorabbericht. "Das kann so nicht weitergehen, weil wir damit die Verbraucher überfordern und die Wirtschaft schädigen", fügte der EU-Kommissar hinzu. Wenn im Herbst die neue Höhe der Umlage für die erneuerbaren Energien festgelegt werde, müsse noch einmal über eine Deckelung geredet werden.

Herkulesaufgabe Energiewende

Mammutprojekt Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erbt von Norbert Röttgen eine Menge Probleme. Diese sind aber weniger Röttgens Arbeit geschuldet als der Tatsache, dass die Energiewende ein Mammutprojekt ist. Ein Jahr nach dem Start drängt die Zeit: Weichenstellungen für Investitionen in neue Netze, mehr Energiespeicher und neue Gaskraftwerke sind dringend nötig.

Solarstrom-Reform

Im Vermittlungsausschuss muss Altmaier wegen des Widerstands gerade der ostdeutschen Länder die Pläne für die Kürzung der Solarförderung wohl etwas abmildern lassen. Dadurch drohen aber steigende Belastungen für die Bürger. Sie zahlen die Förderkosten über den Strompreis.

Die Regierung will, dass die Bürger nicht mehr als die derzeit 125 Euro (bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden) pro Jahr für die Ökostromförderung zahlen. Das auch im Bundestagswahljahr 2013 zu schaffen, wird immer schwerer.

Ökoenergie-Kosten und fehlende Kraftwerke

Bisher gibt es kein tragfähiges Modell, um erneuerbare Energien wettbewerbsfähig zu machen, also die Subventionierung massiv zurückzufahren. Und wegen des Einspeisevorrangs für Wind- und Sonnenstrom lohnen sich zum Beispiel neue Gaskraftwerke kaum noch. Die braucht man aber, wenn es keine Sonne oder Wind gibt und die Atomkraftwerke abgeschaltet sind.

Daher müssen hier Anreize oder Regelungen geschaffen werden, damit diese jetzt bald gebaut werden, denn bis 2022 sollen die restlichen neun Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Speicher und Netze

Die Regierung investiert in Speicherforschung, doch schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten. Immer mehr Wind- und Solarparks bringen nur etwas, wenn überschüssiger Strom eines Tages auch gespeichert werden kann. Zudem können die Netze mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien (Stromanteil schon rund 20 Prozent) kaum noch mithalten.

Tausende Kilometer an neuen Leitungen sind nötig. Hier muss Altmaier mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Lösungen finden, in Kürze soll ein Bundesnetzplan vorliegen. Besonders der Anschluss der See-Windparks muss beschleunigt werden.

Koordinierung

Jedes Bundesland hat sein Energiekonzept, hinzu kommen hunderte kommunale Pläne. Hier ist dringend mehr Abstimmung und eine einheitliche Koordinierung nötig, damit neue Wind- und Solarparks da entstehen, wo sie gebraucht werden und wo es Netze gibt.

Zudem muss ein Ausufern von Subventionen vermieden werden, denn der Netzausbau treibt in diesem Jahr stark die Netzentgelte, die wie die Ökoförderkosten über den Strompreis zu zahlen sind.

Geld für Energiewende-Projekte

Damit die Einnahmen aus dem Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten wieder anziehen, wäre eine Anhebung des EU-Klimaziels auf 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) notwendig. Doch das Kohleland Polen blockiert. Die Einnahmen sind nötig zur Finanzierung von Energiewende-Projekten. Bleiben diese weiter aus, könnten bis zu fünf Milliarden Euro in den kommenden Jahren fehlen.

Besonders Maßnahmen für Energieeinsparungen würden darunter leiden. Wird weniger Energie verbraucht, werden auch weniger Netze und Kraftwerke gebraucht - ein Schlüssel zum Erfolg.

Atom-Endlager

Röttgen hat viel Vorarbeit geleistet für eine neue Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Doch geklärt werden muss noch, wie der bisher favorisierte Standort Gorleben in das Suchverfahren integriert wird und wer das Sagen bei der Suche haben soll.

Bis zum Sommer soll das Problem abgeräumt werden und mit SPD und Grünen ein Suchgesetz erarbeitet werden.

Asse

Altmaier muss klären, wie das Problem in dem maroden Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bei Wolfenbüttel gelöst werden soll, wo 126.000 Atomfässer geborgen werden sollen.

Es kommt aber zu ständigen Verzögerungen, und die Zweifel wachsen, ob eine Bergung angesichts mangelnder Stabilität des Lagers noch möglich ist.

Im Oktober wird die Umlage für alle Verbraucher für die Förderung von Strom aus Wind, Wasser oder Sonne für 2013 veröffentlicht. Es wird mit einem Anstieg auf über fünf von derzeit knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde gerechnet. Das würde jährlich für den Durchschnittshaushalt einen Aufschlag von etwa fünf bis sechs Euro pro Monat auf den Strompreis bedeuten.

Allerdings sinken trotz des Ausstiegs aus der Atomenergie an der Börse die Strompreise. Sie haben laut Industrieverband VIK den tiefsten Stand seit über zwei Jahren erreicht, was auch auf den wachsenden Anteil von Ökostrom zurückzuführen ist. Eine Weitergabe dieses niedrigeren Preises an die Endkunden könnte die Kosten durch den Aufschlag dämpfen.

Große Teile der Industrie sind von der Ökostrom-Umlage befreit.

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Von

rtr

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

14.08.2012, 06:43 Uhr

Es ist ein Irrtum, über eine mögliche Weitergabe des niedrigeren Börsenpreises für Strom an die Endverbraucher zu spekulieren. Der dort ermittelte Preis basiert auf einer Grenzkostenkostenrechnung, aber eben nicht auf den erheblich höheren Vollkosten.

Näheres zum Verständnis des Börsenpreises findet man hier: http://www.energie-fakten.de/pdf/stromboerse.pdf

Eine Preisberechnung zu geringeren Preisen als den Vollkosten führt langfristig zum Ruin der Stromanbieter. Das kann also keine Lösung sein.

Der Dilettantismus der Gesetzgeber (allen voran die Grünen, aber auch SPD und CDU) hinsichtlich der Erneuerbaren Energien, des Atomausstiegs und CO2 Zertifikate beschert uns mit Sicherheit erheblich höhere Stromkosten.

Personal_Deutsch

14.08.2012, 06:53 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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Account gelöscht!

14.08.2012, 07:22 Uhr

Große Teile der Industrie sind von der Ökostrom-Umlage befreit.
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Wenn das nicht so wär,wären bereits große teile der Industrie geschlossen .
Wenn der Energiepreis zum Wettbewerbsnachteil für Deutsche Unternehmen wird , verlagern diese Unternehmen ihre Produktionsstätten in Gegenden die diesen Nachteil nicht haben .
Beispiel FORD in Kölln beantragte Kurzarbeit während in Asien die selbe Produktionsstätte mit weit größerer Kapazität errichtet wird .
Der Atomausstieg kostet den Deutschen viel viel Geld,Arbeitsplätze und wird Deutschland Deindustrialisieren .

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