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13.02.2004

07:30 Uhr

Studenten erhalten bis zu 500 Euro im Monat

TU München bietet ersten Bildungsfonds an

VonDaniel Schönwitz (Handelsblatt)

Die Technische Universität (TU) München legt als erste öffentliche Hochschule in Deutschland einen Bildungsfonds auf. „Die Anschubfinanzierung ist gesichert“, teilten TU-Präsident Wolfgang Herrmann und David Schmutzler, Vorstandschef des Fondsanbieters Career Concept, am Donnerstag mit. Career Concept habe 500 000 Euro bei Privatpersonen eingesammelt.

DÜSSELDORF. Das Geld steht ab April bereit, um ausgewählten Studenten Zuschüsse zu den Lebenshaltungskosten von bis zu 500 Euro im Monat zu zahlen. „Im Gegenzug verpflichten sich die Studenten, nach dem Einstieg ins Berufsleben einen festen Prozentsatz ihres Gehalts zurückzuzahlen“, berichtet Oliver Krieg von Career Concept. So müsse ein Student, der acht Semester 300 Euro im Monat erhalte, später sechs Jahre 7 % seines Bruttoverdienstes zurückzahlen. Der Geförderte habe acht Jahre Zeit, die Rückzahlungsverpflichtungen zu leisten. „Er muss also noch nichts zahlen, wenn er nach dem Studium nicht direkt einen Job findet“, erläutert Krieg.

Wegen der einkommensabhängigen Rückzahlungen ohne fixe Schuldenlast seien Bildungsfonds ein soziales Finanzierungsmodell, sagt Frank Ziegele vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). „Studenten, die es sich sonst nicht leisten könnten, bekommen die Möglichkeit, an der TU zu studieren.“ Mit dem Bildungsfonds als Finanzierungsangebot habe die TU eine der Voraussetzungen für eine„Elite-Universität“ geschaffen, glaubt Ziegele.

„Wir wollen mit dem Bildungsfonds ein Signal für eine moderne Bildungspolitik setzen“, bestätigt Uni-Präsident Herrmann. Darüber hinaus erfülle die TU ein weiteres wichtiges Kriterium für eine „Elite- Uni“. „Wir führen in zehn Studiengängen Auswahlverfahren durch, suchen unsere Studenten also selbst aus“, berichtet Herrmann. Bisher hätten allerdings viele Studenten, die den Eignungstest bestanden hätten, das Studium wegen der hohen Lebenshaltungskosten in München nicht antreten können.

„Für die Zuschüsse bewerben können sich Studenten, die das Auswahlverfahren an der TU bestanden haben“, berichtet Herrmann. Er erwartet, dass das Interesse größer sein wird als das Fondsvolumen. Derzeit könnten etwa 50 Studenten unterstützt werden, so Herrmann. „Der Fonds soll jedoch im Lauf des Jahres auf 5 Mill. Euro ausgeweitet werden.“ Career Concept befinde sich in „fortgeschrittenen Gesprächen“ mit einigen Investoren. Auch Unternehmen und Banken hätten Interesse gezeigt, sagt Krieg: „Die versprechen sich neben der Rendite Kontakt zu begabten Studenten.“

„Das Modell wird an der TU München funktionieren, weil die Absolventen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben“, sagt CHE-Experte Ziegele. Bei vielen anderen Universitäten und Studiengängen dürfte es schwieriger sein, Investoren zu finden. TU-Präsident Herrmann ist aber überzeugt, dass Bildungsfonds an anderen Universitäten aufgelegt werden. „Wenn die Fonds eine kritische Masse erreichen, gleichen sich die Risiken aus. Dann lässt sich das Modell auf Geisteswissenschaftler ausweiten.“

Derzeit gibt es die Fonds in Deutschland nur an den Privat-Unis EBS und Handelshochschule Leipzig (HHL). In beiden Fällen war Career Concept der Initiator.

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