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18.01.2010

17:15 Uhr

Studie

Berlin ist Deutschlands Hauptstadt der Armut

„Arm, aber sexy“: Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt zu einem vernichtenden Ergebnis für Berlin. Nirgendwo ist das Armutsrisiko so hoch wie nirgendwo sonst in Deutschland. Wer in Bayern und Baden-Württemberg lebt, ist laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung am besten vor Armut geschützt.

Armutsrisiko dpa

Wenn das Geld nicht mehr zum Essen reicht: In der Frankfurter St. Katharinenkirche kommen täglich bis zu 300 Gäste zur Winterspeisung.

HB BERLIN/GüTERSLOH. "Arm, aber sexy": In Berlin ist das Armutsrisiko so hoch wie nirgendwo sonst in Deutschland. Wer in Bayern und Baden-Württemberg lebt, ist laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung am besten vor Armut geschützt.

Eine weitere Analyse der DIW-Wirtschaftsforscher zeigt, dass zwar jeder Erwachsene im Schnitt über ein Vermögen von 150 000 Euro inklusive Rente verfügt. Der Reichtum ist aber ungleich verteilt. Mehr als jeder vierte Deutsche hat gar nichts auf der hohen Kante. An der Vermögensspitze stehen die Beamten.

Die Bertelsmann-Stiftung hatte das soziale Gefälle in den Ländern zwischen 2006 und 2008 bewertet. In Berlin waren von 1 000 Einwohnern knapp 200 auf staatliche Hilfe angewiesen. In Bayern und Baden-Württemberg waren es im Schnitt nur etwas mehr als 50 Bürger. Im unteren Drittel liegen Sachsen-Anhalt, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Alleinerziehende in Armutsfalle

Den großen Unterschied zwischen Ost und West führt die Stiftung auf den höheren Anteil junger Alleinerziehender zurück. Im Osten müssen 35 Prozent der Eltern unter 20 Jahren ihre Kinder ohne Partner aufziehen. In den westdeutschen Flächenländern schwankt der Anteil zwischen 16,6 Prozent in Baden-Württemberg und 22,3 Prozent im Saarland.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) untersuchte im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erstmals, wie sich die Renten und Pensionen auf das Vermögen der Deutschen auswirken. Ein Erwachsener besitzt danach neben Geld und Sachvermögen von 88 000 Euro im Durchschnitt rund 67 000 Euro an Pensions- und Rentenansprüchen.

Nach Berufen liegen Beamte an der Spitze. Im Pensionsalter verfügen sie laut Studie über ein Vermögen inklusive Altersvorsorge von rund 502 000 Euro. Durchschnittsrentner können rund 233 000 Euro verbuchen. Ein ungelernter Arbeiter kommt auf 74 000 Euro, ein Handwerksmeister auf 130 000 Euro, ein Selbstständiger auf 220 000 Euro. Dagegen bringt es ein Arbeitsloser nur auf 56 000 Euro. Insgesamt summieren sich die Rentenansprüche der Deutschen auf 4,6 Billionen Euro.

Reicher Westen, armer Osten

Die Vermögensunterschiede zwischen Ost und West sind gewaltig. In Westdeutschland hat ein Bürger mit Altersvorsorge im Schnitt 350 000 Euro, im Osten 190 000 Euro. "Der stärkere Effekt in Westdeutschland geht vor allem auf Betriebsrenten und Beamtenpensionen zurück, die in Ostdeutschland nur wenig verbreitet sind", heißt es beim DIW.

Gewarnt wird, dass mehr Menschen wegen Arbeitslosigkeit und reduzierter Sozialleistungen im Alter verarmen. "Zusätzliche private Altersvorsorge wird nach den Reformen bei der Alterssicherung immer wichtiger", sagte DIW-Experte Markus Grabka. Dafür hätten Geringverdiener aber meist kein Geld übrig.

Auch Langzeitarbeitslose könnten so gut wie kein Vermögen für das Alter aufbauen. "Dies gilt besonders für Ostdeutschland, denn hier haben wir ohnehin eine geringere Vermögensbildung als im Westen und deutlich mehr Langzeitarbeitslose."

Die Linke kritisierte: "Es darf nicht zur Normalität werden, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden." Deshalb müsse die Vermögenssteuer wieder eingeführt werden, damit wohlhabende Bürger sich stärker an der Finanzierung des Sozialstaats beteiligen müssten.

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