Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.11.2013

08:44 Uhr

Studie

Bundeswehrsoldaten haben häufig Traumata

Viele kommen mit einem Trauma zurück: Die Zahl der Bundeswehrsoldaten mit einer psychischen Krankheit nach Auslandseinsätzen ist weit höher als gedacht. Ein Großteil verheimlicht seine Probleme – aus Scham.

Wenige Politiker wollen von einem Krieg in Afghanistan sprechen, wo die Bundeswehr eigentlich nur Stabilisierungsarbeit leisten soll. Doch viele Soldaten kommen traumatisiert zurück. dpa

Wenige Politiker wollen von einem Krieg in Afghanistan sprechen, wo die Bundeswehr eigentlich nur Stabilisierungsarbeit leisten soll. Doch viele Soldaten kommen traumatisiert zurück.

BerlinDie Zahl der Bundeswehrsoldaten, die mit traumatischen Störungen aus Auslandseinsätzen zurückkommen, ist einer Studie zufolge größer als bisher angenommen. Die vom Bundestag in Auftrag gegebene sogenannte Dunkelzifferstudie zeige, dass – aus Scham oder Angst vor beruflichen Nachteilen – nur etwa jeder fünfte Betroffene professionelle Hilfe suche, berichtet die Zeitung „Die Welt“. Nur etwa 20 Prozent der psychischen Krankheiten wie posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) würden überhaupt erkannt und behandelt, heiße es in der Untersuchung. Sie soll an diesem Dienstag in Berlin offiziell vorgestellt werden.

Die Bundeswehr biete PTBS-Kranken schon diverse Möglichkeiten der Behandlung an, sagte Studienleiter Prof. Hans-Ulrich Wittchen von der Technischen Universität Dresden der Zeitung. „Viele Betroffene haben aber Angst vor dem Gang zum Psychiater oder Psychotherapeuten, vielleicht befürchten sie auch negative Folgen für die Karriere.“

Die Einsätze der Bundeswehr

Türkei

Auf Bitten der türkischen Regierung beteiligen sich 304 Soldaten der Bundeswehr an der Nato-Operation „Active Fence“ im Grenzgebiet zu Syrien.

Afghanistan/Usbekistan

4135 Soldaten sind Teil der internationalen Sicherheits- und Aufbautruppe Isaf mit Schwerpunkt im Norden Afghanistans. Zudem ist ein Soldat als Vertreter der Bundeswehr bei der Mission der Vereinten Nationen (Unama).

Kosovo

754 Soldaten sollen als Teil der von der Nato geführten internationalen KFOR-Truppe die Unabhängigkeit des Kosovos sichern.

Horn von Afrika

Im Rahmen der EU-Mission Atalanta schützen 327 Marinesoldaten am Horn von Afrika Schifffahrtsrouten vor somalischen Piraten.

Libanon

163 Marinesoldaten sind im Unifil-Einsatz zur Absicherung der Küstengewässer. Sie sollen vor allem Waffenschmuggel verhindern.

Mittelmeerraum

Die Nato-Mission „Active Endeavour“ (OAE) dient der Überwachung und Terrorismusabwehr im Mittelmeer. Das Mandat endet am 31. Dezember 2013. Aktuelle Zahlen zum Einsatz von Soldaten gibt es derzeit nicht.

Südsudan

15 Soldaten sind Teil der internationalen Unmiss-Mission für Friedenssicherung und den Aufbau des neuen Staates Südsudan.

Sudan

Die internationale Unamid-Mission in Darfur überwacht den Waffenstillstand zwischen Regierungstruppen und Rebellen. 13 deutsche Soldaten sind beteiligt.

Uganda

Zwölf Militärberater sind Teil der EU-Ausbildungsmission (EUTM) zur Stabilisierung Somalias.

Deutschland

41 Angehörige hat der Sanitätsdienst mit Basis in Deutschland für internationale flugmedizinische Notfalleinsätze (STRATAIRMEDEVAC).

Demokratische Republik Kongo

Drei Berater unterstützen im Rahmen des EU-Einsatzes (Eusec RD Congo) die Reform des Sicherheitssektors.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf die Studie weiter berichtet, geht jeder fünfte deutsche Soldat bereits mit einer psychischen Störung in den Auslandseinsatz. Demnach handelt es sich um „manifeste, aber zumeist nicht erkannte“ Störungen. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, sagte der Zeitung, die Bundeswehr sei nun gefordert, endlich effektive Früherkennungsverfahren zu etablieren. „Nur psychisch gesunde Soldatinnen und Soldaten dürfen in die Einsätze gehen.“

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Micha

26.11.2013, 09:50 Uhr

Sehr viele "Berufssoldaten" haben sich ihr "Berufsleben" anderst vorgestellt. Wie kann es auch sein, dass man als Berufssoldat in den Krieg muß? Berufssoldaten sollten eigentlich wissen, was im Krieg alles passiert!

pro-d

26.11.2013, 10:15 Uhr

Schrecklich, was dort gemacht wird. Undd as alles nur, um uns sicher mit Mohn-Drogen zu versorgen.

[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

norbert

26.11.2013, 10:28 Uhr

Das ist ja eine bahnbrechende Erkenntnis, daß man im Krieg traumatisiert wird !
Der Job eines Soldaten ist der Tod ! Das vergessen diese mißbrauchten und betrogenen jungen Männer zu gerne.
Der eigene !!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×