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30.05.2012

19:27 Uhr

Studie des RWI

Krankenkassen beklagen unnötige Operationen

Deutsche Krankenhaus-Geschäftsführer sind aufgebracht: Die gesetzlichen Krankenkassen werfen ihren Häusern vor, zu häufig unnötige Operationen an Patienten vorzunehmen und die Gesundheitskosten in die Höhe zu treiben.

Zentralsterilisation in der Frankfurter Universitätsklinik. dpa

Zentralsterilisation in der Frankfurter Universitätsklinik.

In den Kliniken werden nach Ansicht des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung Patienten zu häufig unnötig operiert. "Vieles deutet darauf hin, dass in den Kliniken aufgrund ökonomischer Anreize medizinisch nicht notwendige Leistungen erbracht werden", sagte Verbands-Vize Johann Magnus von Stackelberg am Mittwoch in Berlin. Die Zahl der Krankenhausfälle und der jeweils abgerechnete Schweregrad stiegen scheinbar unaufhaltsam. Nur ein Teil dieser Steigerung lasse sich durch die demografische Entwicklung erklären.

Stackelberg berief sich auf ein Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung Essen (RWI) im Auftrag des GKV-Spitzenverbands. "Wir brauchen kurzfristig eine Stabilisierung von Preis und Menge und wir brauchen mittelfristig neue Modelle zur Steuerung der Mengen, insbesondere im Bereich planbarer Operationen", forderte Stackelberg. Gemeinsames Anliegen der Kliniken, der Patienten und der Krankenkassen müsse es sein, die Anreize für medizinisch nicht notwendige Operationen zu mindern.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zeigte sich empört. "Die pauschale Verdächtigung, die Krankenhäuser würden aus nichtmedizinischen Gründen Patienten operieren, ist diffamierend und dezidiert zurückzuweisen", sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum. "Es wundert schon sehr, dass die Krankenkassen vor Ort mit den Krankenhäusern die Leistungen vereinbaren und dann der Bundesverband der Kassen hingeht und alles in Frage stellt." Zudem würden die Vergütungen für die stationären Behandlungen jährlich zwischen dem GKV-Spitzenverband und der Kranhausgesellschaft neu vereinbart.

Baum betonte, der medizinische Behandlungsbedarf könne nur von den behandelnden Ärzten beurteilt werden. Patienten, die in Kliniken operiert werden könnten, würden in der Regel über den niedergelassenen Arzt eingewiesen. "Hier greift ein Mehraugenprinzip."

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Jens Spahn, kritisierte die Kliniken ebenfalls. "In Deutschland wird zu oft und zu früh operiert, etwa bei Bandscheiben-Vorfällen oder Knie-OPs", sagte der CDU-Politiker. Dies koste Geld, sei aber nicht immer zum Nutzen des Patienten. So lange es Chefärzte gebe, die Boni nach der Zahl der Operationen bekämen, dürfe man sich darüber nicht wundern. "Da müssen und wollen wir im Interesse der Patienten und der Beitragszahler ran", kündigte Spahn an. (Reporter: Thorsten Severin; redigiert von Michael Nienaber)

Von

rtr

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

30.05.2012, 20:14 Uhr

Stimmungsmache gegen Kliniken: Insider wissen, es geht zurzeit um ein Gesetz, mit dem die schlechte Finanzierung der Krankenhäuser verbessert werden soll. Der GKV-Spitzenverband macht Stimmung gegen die Kliniken, um dies zu verhindern. Man muss hier wirklich am Verstand mancher Politiker zweifeln, die die völlig haltlose Kritik einfach nachbeten und die Absicht nicht erkennen. Welcher Patient lässt sich ernsthaft eine Hüfte oder ein Knie einsetzen, wenn er nicht Schmerzen hätte und ein Ersatzgelenk bräuchte?

Erfahrung

30.05.2012, 20:42 Uhr

Also ich kann dazu nur sagen, dass es aus meiner bisherigen Sicht durchaus nachvollziehbar ist. Als ich im Krankenhaus wegen meiner Lunge auf intesiv lag wollte ein Arzt nach erster Diagnose sofort operieren, wobei das bei dem Befund bis dahin überhaupt nicht üblich gewesen wäre. Eine OP wäre im Normalfall erst nach 2. bis 3. maligem auftreten der Probleme üblich gewesen. In dem Moment wurde uns vor allem auch vom Pfleger auf der Intensiv von der OP abgeraten. Der kannte das wohl schon. Schlussendlich hatte der Arzt recht, weil die Problemstelle intensiver war, als vorerst angenommen (auch vom Arzt).
Grundsätzlich kann ich da aber nur sagen, dass der Arzt hier wohl gerne gleich zur OP geschritten wäre. Es ist hier sicher kein schwarz, weiß denken hilfreich. Ich denke nicht das ein Arzt nur aus ökonomischen Gründen operiert, aber wenn die Lage eher grau ist und eine OP vllt. eine sofortige Lösung bringt, aber auch durchaus ein auskommen ohne möglich ist wird vllt. dann doch lieber zur OP geschritte.

Das ist nur meine Erfahrung und Meinung dazu. Einzelfälle sagen nicht immer etwas aus, könnten aber in der Masse ein Gesamtbild und eine Aussage ergeben.

r.w.

30.05.2012, 20:44 Uhr

Zahle als Bauunternehmer für meinen Bauhelfer über 1100 € Krankenkassenbeitrag an die AOK und es ist kein Geld da !?

Vielleicht sollten die gesetzlichen Krankenkassen mal überlegen, wo Sie selbst sparen könnten !
Ist wirklich so viel Personal in den Glaspalästen nötig ?

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