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28.02.2017

10:54 Uhr

Studie

Deutscher Mindestlohn niedriger als bei westlichen Nachbarn

Im Vergleich mit seinen westeuropäischen Nachbarländern hat Deutschland einen niedrigen Mindestlohn. Dabei hat Deutschland den Mindestlohn schon erhöht, 20 weitere EU-Staaten allerdings auch.

In südeuropäischen Staaten liegt der Mindestlohn im Vergleich zu den westeuropäischen Sätzen wesentlich niedriger. dpa

Mindestlohn

In südeuropäischen Staaten liegt der Mindestlohn im Vergleich zu den westeuropäischen Sätzen wesentlich niedriger.

BerlinDer deutsche Mindestlohn bleibt einer Studie zufolge verglichen mit anderen westeuropäischen Ländern eher niedrig. Zwar wurde er zu Jahresbeginn von 8,50 auf 8,84 Euro je Stunde angehoben. In den westeuropäischen Euro-Staaten liegt die Lohnuntergrenze aber bei mindestens 9,25 Euro, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. In Luxemburg etwa sind es 11,27 Euro, in Frankreich 9,76 Euro, in den Niederlanden 9,52 Euro, in Belgien 9,28 Euro und in Irland 9,25 Euro.

Wie der Mindeslohn wirkt

LÖHNE

Rund fünf Millionen Beschäftigte haben laut dem Institut WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vor der Einführung der Lohnuntergrenze weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdient - und somit seither zumindest potenziell profitiert. Vor allem Geringverdiener in Ostdeutschland hätten deutlich zugelegt, Arbeitnehmerinnen in den neuen Ländern im Schnitt um 8,5 Prozent. Ein deutliches Lohnplus gab es in Schlachtereien, Wachdiensten, im Garten- und Landschaftsbau.

PREISE

Sie sind vereinzelt gestiegen, etwa jene von Taxis. Kunden mussten laut dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hier 2015 durchschnittlich 12,1 Prozent mehr bezahlen als noch im Vorjahr. Auch Haushaltshilfen, Friseurdienstleistungen oder Schuhreparaturen wurden teurer. Doch die Inflation ist gering, der Ölpreis im Keller - auch deshalb hat der Mindestlohn nicht zu großen Sprüngen geführt.

ARBEITSPLÄTZE

Bislang keine negativen Auswirkungen des Mindestlohns auf Arbeitsmarkt oder Güternachfrage bestätigt das IW. Dies könne sich jedoch rasch ändern, wenn die Energiepreise steigen oder sich die Konjunktur deutlich abkühlt. Zwar fielen viele Minijobs weg - laut Arbeitsmarktexperten sind aber schätzungsweise 50 Prozent in Arbeitsplätze mit Sozialversicherung umgewandelt worden.

In Großbritannien muss umgerechnet mit 8,79 Euro etwas weniger als in Deutschland gezahlt werden - allerdings nur wegen der kräftigen Pfund-Abwertung nach dem Brexit-Votum. Bei stabilem Umrechnungskurs betrüge der Mindestlohn 9,92 Euro "und würde damit einen europäischen Spitzenwert einnehmen", erklärte WSI-Tarifexperte Thorsten Schulten. Die südeuropäischen EU-Staaten haben Lohnuntergrenzen zwischen 3,35 Euro in Griechenland und 4,29 Euro in Spanien. In den meisten mittel- und osteuropäischen Ländern seien die Mindestlöhne noch deutlich niedriger, auch wenn sie aufholten. In Polen müssten jetzt mindestens 2,65 Euro pro Stunde bezahlt werden.

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21 der 28 EU-Staaten haben ihre Lohnuntergrenze zum 1. Januar oder bereits im Laufe des vergangenes Jahres angehoben. Lediglich in Griechenland gab es wegen der Vorgaben der internationalen Geldgeber kein Plus. Die nominalen Erhöhungen waren die stärksten seit 2007. Da gleichzeitig die Inflation sehr niedrig war, legten die Mindestlöhne in den meisten EU-Ländern auch real deutlich zu.

Von

rtr

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