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16.06.2014

12:35 Uhr

Studie

Deutschland bietet kaum Jobs für Geringqualifizierte

Einfache Jobs werden in Deutschland Mangelware. Immer mehr Geringqualifizierte finden keinen Job. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Besonders brisant ist die Lage im Ruhrgebiet.

In den Wartezimmern der Arbeitsagenturen sitzen immer mehr Geringqualifizierte. Für sie gibt es in Deutschland kaum noch Jobs. ap

In den Wartezimmern der Arbeitsagenturen sitzen immer mehr Geringqualifizierte. Für sie gibt es in Deutschland kaum noch Jobs.

BerlinFür schlecht ausgebildete Arbeitslose gibt es einer Studie zufolge kaum Jobs. 45 Prozent der Arbeitslosen in Deutschland seien lediglich für Helfer- und Anlerntätigkeiten ausreichend qualifiziert, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Montag mit. „Diesem Niveau entsprechen jedoch nur 14 Prozent der Arbeitsplätze.“ Die Qualifikation vieler Arbeitsloser reiche nicht aus, um den steigenden Anforderungen der Betriebe gerecht zu werden.

„Kaum eine Region bietet genügend einfache Jobs“, erklärten die Forscher des zur Bundesagentur für Arbeit gehörenden Instituts. In den Ruhrgebiets-Städten Gelsenkirchen, Herne, Duisburg, Recklinghausen, Dortmund und Oberhausen haben gering Qualifizierte besonders schlechte Karten.

Fakten zum neuen Armuts- und Reichtumsbericht

Schere geht auseinander

Der Graben zwischen Arm und Reich ist tiefer geworden. Auf die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte entfielen 53 Prozent (Stand: 2008, neuere Zahlen liegen nicht vor) des gesamten Nettovermögens. 1998 lag die Quote bei 45 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte besaß zuletzt lediglich gut ein Prozent des Nettovermögens. 2003 waren es drei Prozent. Von 2007 bis 2012 hat sich das Gesamtvermögen der Haushalte trotz der Finanzkrise um weitere 1,4 Billionen Euro erhöht.

Der Staat ist ärmer geworden

Sein Nettovermögen schrumpfte zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro, während es sich bei den privaten Haushalten um gut fünf Billionen Euro mehr als verdoppelte. Zu dieser Entwicklung trug die Privatisierungspolitik aller Regierungen in diesem Zeitraum bei. Die Erlöse aus dem Verkauf öffentlichen Tafelsilbers versickerten in den Haushalten.

Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit

Die „Armutsgefährdungsschwelle“ liegt nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 952 Euro im Monat. Je nach Datengrundlage gilt dies für 14 bis 16 Prozent der Bevölkerung. Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit. Auch für Alleinerziehende ist das Risiko hoch.

Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro

Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor stieg und lag zuletzt zwischen 21 und 24 Prozent. Im Jahr 2010 waren 7,9 Millionen Arbeitnehmer betroffen. Die Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro pro Stunde.

Grundsicherung im Alter

Nur 2,6 Prozent der über 65-Jährigen sind derzeit auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

Niedrigste Jugendarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit sank im Berichtszeitraum auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen reduzierte sich zwischen 2007 und 2012 von 1,73 Millionen auf 1,03 Millionen oder um mehr als 40 Prozent. In der EU weist Deutschland aktuell die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aus - begünstigt von der Hartz-IV-Gesetzgebung: Seit 2005 müssen Langzeitarbeitslose auch schlecht bezahlte Jobs annehmen. Die Ausweitung von Niedriglohnsektor und atypischer Beschäftigung (Zeitarbeit, Teilzeitarbeit, Minijobs) ging laut Bericht nicht zulasten von Normalarbeitsverhältnissen.

Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger schrumpft

Der Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger an der erwerbsfähigen Gesamtbevölkerung schrumpfte von 9,7 auf 8,2 Prozent. Gab es im Jahresdurchschnitt 2007 noch rund 5,3 Millionen Leistungsbezieher, waren es im Jahr 2012 (Januar bis September) nur rund 4,5 Millionen. Die Zahl der Hartz-IV-Kinder unter 15 Jahren sank von 1,89 auf 1,63 Millionen.

Fortschritte beim Bildungsniveau

Beim Bildungsniveau, das für die Chancen im Arbeitsleben mitentscheidet, gab es ebenfalls Fortschritte: Zwischen 2006 und 2010 sank die Zahl der Schüler ohne Abschluss von 8 auf 6,5 Prozent.

Die Arbeitslosenquote für Helfer liegt hier bei mehr als 40 Prozent. In Ostdeutschland sieht es nicht viel besser aus: Hier liege die Quote bei fast 35 Prozent, der westdeutsche Schnitt dagegen nur knapp 22 Prozent. In Bayern und Baden-Württemberg gibt es dagegen 33 Landkreise, in denen die Arbeitslosenquote für Helfer unter zehn Prozent liegt.

„Die gravierenden Beschäftigungsprobleme der Geringqualifizierten lassen sich nur langfristig lösen“, heißt es in der Studie. „Dabei ist die Anhebung des Bildungsniveaus zentral.“ Hierzu gehören vor allem präventive Maßnahmen, wie die Vermeidung von Schul- und Ausbildungsabbrüchen, eine bessere Berufsorientierung sowie die gezielte Fort- und Weiterbildung.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

16.06.2014, 13:37 Uhr

Und genau vor diesem Hintergrund muß der Massenarmutsmigration aus Afrika ein massiver Riegel vorgeschoben werden. Diese Leute können nichts, was hier von irgend einem Nutzen wäre.

Account gelöscht!

16.06.2014, 14:06 Uhr

"Deutschland bietet kaum Jobs für Geringqualifizierte"

Doch. In unseren Parlamenten - vom Ortschaftsrat bis zum EU-Parlament - gibt es genug davon.

Account gelöscht!

16.06.2014, 15:29 Uhr

Allervollste Zustimmung.
Das ahben Sie treffend gesagt

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