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19.04.2011

12:54 Uhr

Studie

Greenpeace kanzelt Stromriesen als Bremser ab

Stromriesen als Energiewende-Verweigerer? Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft den vier großen Stromversorgern in Deutschland vor, einen Umstieg auf erneuerbare Energien zu verhindern.

Eine Greenpeace-Aktion (Archivbild). Quelle: dpa

Eine Greenpeace-Aktion (Archivbild).

Berlin"Die Energieriesen schieben einfach nur ihren Schwerpunkt derzeit hin und her, momentan zurück auf fossile Brennstoffe und danach vielleicht wieder auf Atom", sagte Greenpeace-Atomexperte Karsten Smid am Dienstag in Berlin.

Die Investitionen der Energiekonzerne EON, RWE, Vattenfall und ENBW im Bereich der erneuerbaren Energien lägen deutlich hinter den politisch gesteckten Zielen zurück. Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor, die die Organisation beim Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Auftrag gegeben hatte. Die Energiekonzerne planten laut der Studie, zwischen 13 und 20 Prozent ihrer Investitionen in den kommenden Jahre in erneuerbare Energien zu stecken. "Das reicht aber nicht für einen Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix von 35 Prozent, den die Regierung bis 2020 anpeilt", sagte der Hauptautor der IÖW-Studie, Bernd Hirschl.

Die Konzerne hätten zudem ihren Anteil an Strom aus Wind, Solar oder Erdmasse seit 2007 nicht maßgeblich gesteigert.

Die SPD fordert derweil stabile Rahmenbedingungen für die künftige Energieversorgung in Deutschland. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel verlangte am Montag eine Klarstellung, wie trotz eines Ausstieg aus der Atomkraft im Jahr 2020 die Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen sichergestellt werden könne. Die Schätzungen über die Kosten der Energiewende gehen unterdessen weiterhin deutlich auseinander.

Gabriel warnte in Berlin vor übereilten Beschlüssen bei der Energiepolitik. Es gehe um das "Herz-Kreislauf-System der Industriegesellschaft in Deutschland". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) operiere jedoch "gerade mit wechselnden Diagnosen am offenen Herzen".

Der SPD-Chef traf sich am Montag mit Vertretern aus Mittelstand und Handwerk, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden sowie der energieintensiven Wirtschaft. Weitere Gespräche etwa mit den Stadtwerken, den vier großen Energieversorgern und der Bundesnetzagentur seien geplant, sagte Gabriel. Am 20. Mai will die SPD eine Konferenz veranstalten, auf der die energiepolitischen Positionen der Partei noch einmal überprüft werden sollen. Diese sollen auch Gegenstand der Beratungen im Bundestag werden.

Der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie, Utz Tilmann, der an den Gesprächen bei der SPD teilgenommen hatte, versicherte, dass auch die energieintensiven Branchen ein Interessen an sauberer und bezahlbarer Energie hätten. Hierfür brauche es einen breiten Energiekonsens. "Ohne gesellschaftlichen Konsens können wir keine Leitungen durchs Land legen, ohne gesellschaftlichen Konsens können wir auch keine neuen Kraftwerke bauen", betonte er.

Kommentare (7)

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19.04.2011, 13:01 Uhr

Das grüne Jobwunder ist nur ein Märchen
Die Grünen zwischen Utopie und Wirklichkeit

Politiker verkaufen erneuerbare Energien als ''Jobmotor''. Dabei dürften Subventionen für Ökostrom mehr Arbeitsplätze vernichten als schaffen.
Der designierte Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann (Grüne), hat immer auch die Wirtschaft und Arbeitsplätze seiner Heimat im Blick – selbst wenn es um so heikle Themen wie Atomkraft geht. „Was muss man da jetzt die alten Monopolisten stärken?'', fragte Kretschmann, nachdem sein Amtsvorgänger Stefan Mappus (CDU) für das Land Anteile am AKW-Betreiber EnBW gekauft hatte. „Die dynamischen Sektoren liegen ganz woanders'', kritisierte Kretschmann: „In dem Feld der erneuerbaren Energien liegen 300.000 Arbeitsplätze.''
Mit seinem Glauben an das große Arbeitsmarktpotenzial der erneuerbaren Energien steht Kretschmann nicht allein. In dem an Landtagswahlen nicht armen Jahr 2011 vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Politiker das Lied vom „grünen Jobwunder'' anstimmt, das sich einstellen werde, wenn die Ökobranchen nur weiter genügend Fördergelder bekommen. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) etwa wird nicht müde, die erneuerbaren Energien zu einem „Jobmotor für Deutschland'' zu erklären.
Klimaschutz und Versorgungssicherheit haben als Rechtfertigung für üppige Ökostrom-Subventionen ausgedient: Im Wahljahr 2011 mit seinen sieben Landtagswahlen kommen Politiker beim Bürger mit dem Arbeitsplatz-Argument offenbar besser an. Nur: Ist am grünen Jobwunder überhaupt etwas dran? ..........................
http://archiv.raid-rush.ws/t-777621.html

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19.04.2011, 13:02 Uhr

Die fragwürdigen Wahlversprechen der Grünen

Die fragwürdigen Wahlversprechen der Grünenhttp://blog.br-online.de/report-muenchen/2011/02/21/die-fragwurdigen-wahlversprechen-der-grunen.html

Kowalski

19.04.2011, 13:24 Uhr

Die Darstellung von Subventionen für die Kernenergie in der neuesten Greenpeace-Studie entspricht nicht den Fakten und ist irreführend. Die Kernenergie ist in Deutschland eine sehr günstige Stromerzeugungsform, was auch von keinem namhaften Volks- oder Betriebswirt bestritten wird.
Greenpeace verwendet irreführende Zahlen, um die eigenen alten Studien und Pressemitteilungen aufzupeppen.
Die kommerzielle Nutzung der Kernenergie in Deutschland hat keine Subventionen erhalten. Alle Leistungsreaktoren, auch die derzeit 17 in Betrieb befindlichen Reaktoren, haben keine staatlichen Finanzhilfen erhalten. Das hat auch die rot-grüne Bundesregierung 2002 ausdrücklich festgestellt.
Ganz im Gegensatz zu den wiederholten Behauptungen von Greenpeace leistet die Kernenergie in Deutschland durch verlässliche und kostengünstige Stromerzeugung einen wichtigen volkswirtschaftlichen Beitrag in Form von Wettbewerbsfähigkeit für unsere Unternehmen und Kaufkrafterhaltung für die Privathaushalte. Nach einer vom Bundesverband der Deutschen Industrie veröffentlichten Studie zu den ökonomischen Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung kann diese den Strompreisanstieg um bis zu 25 Prozent dämpfen und durchschnittlichen Privathaushalten bis zu 144 Euro Stromkosten pro Jahr ersparen. Summa Summarum ist Greenpeace ist eine unseriöse Organisation, welche vor allem durch die "Rotlicht-Bestrahlung" der öffentlich rechtlichen Rundfunkmedien, eine zu große Bedeutung erhält.

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