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26.06.2011

13:44 Uhr

Studie

Jeden Tag eine Stunde länger arbeiten

Die Zahl der deutschen Arbeitskräfte geht drastisch zurück. Um den Wohlstand zu sichern, müssen sie nach aktuellen Berechnungen künftig länger arbeiten - jeden Tag. Mehr Vollzeitbeschäftigung könnte das Problem lösen.

Porsche-Mitarbeiter in Leipzig: Mehr Arbeitsstunden pro Tag - das ist der Preis für den demografischen Wandel in Deutschland. Quelle: dpa

Porsche-Mitarbeiter in Leipzig: Mehr Arbeitsstunden pro Tag - das ist der Preis für den demografischen Wandel in Deutschland.

München/BonnLänger Arbeiten nicht nur bis zur Rente, sondern auch pro Tag: Die Deutschen müssten nach Berechnungen des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) langfristig gesehen jeden Tag eine Stunde mehr arbeiten, um ihren Wohlstand zu sichern.

„Ab 2013 verlieren wir alle drei Jahre eine Million Menschen im erwerbsfähigen Alter“, sagte der IZA-Direktor für Arbeitsmarktpolitik, Hilmar Schneider, dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Wenn wir weniger werden, müssen wir mehr schuften“, verdeutlichte er. Schneider und das Bonner Institut waren am Sonntag zunächst nicht für weitere Stellungnahmen erreichbar.

Aktuell lebten in Deutschland knapp 54 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren: „Selbst unter optimistischen Annahmen wird diese Zahl bis 2050 auf 42 Millionen sinken“, erläuterte Schneider. Eine verstärkte Zuwanderung sowie die Rente mit 67 reichten nicht aus, den Mangel an Arbeitskräften auszugleichen.

Deshalb müsse auch die Jahresarbeitszeit von aktuell 1419 Stunden pro Erwerbstätigem spürbar erhöht werden: „Im Schnitt müssen wir langfristig 300 Stunden im Jahr mehr arbeiten. Das ist gut eine Stunde mehr am Tag“, rechnete der Bonner Experte vor.

„Die Arbeit, die heute 43 Millionen Menschen machen, müssen künftig 33 Millionen machen - für insgesamt das gleiche Geld. Damit bekommt natürlich jeder Einzelne, der mehr arbeitet, auch mehr ausgezahlt.“ Wichtig sei es vor allem, aus möglichst vielen Mini- Jobbern echte Vollzeit-Jobber zu machen.

Auch die Erwerbsbeteiligung der Frauen müsse stärker steigen. Erforderlich sei auch mehr Zuwanderung. „Aber nichts bringt so viel wie eine Ausweitung der Arbeitszeit der erwerbsfähigen Menschen. Mit hundert Stunden mehr Arbeit im Jahr können wir den Verlust von sieben Millionen Arbeitskräften bis 2020 ausgleichen“, bekräftigte Schneider.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Kind_des_Grundgesetzes

26.06.2011, 15:01 Uhr

Wer spaeter in Rente gehen darf, dem muss der Staat halt auch rein zufaellig weniger aus dem Rententopf zurueckzahlen, weil wir alle halt auch irgend wann mal weg sterben.

Und dass ein Grossteil ja eh die letzten Jahre in Arbeitslosigkeit und Hartz 4 verbringen werden muss, wird die Rente dann noch kleiner ausfallen.

Durchschaut dies irgendjemand ?

Schluss mit dem Quatsch !

Account gelöscht!

26.06.2011, 15:19 Uhr

Der grundlegende and gefaehrliche Fehler der diesem Artikel zugrunde liegt, ist die Annahme dass die Zukunft ein real steigendes Bruttosozialprodukt mit sich bringen wird und das auch noch ohne gleichzeitigen Verfall unserer derzeitigen Waehrung.

Was die wikliche Agenda dieser falsch gefuehrten Diskussion ist:

Das Finanzsystem global und eben auch in Deutschland wird zusammebrechen muessen und komplett neu geschrieben werden muessen in eta 2-4 Jahren.

Der Staat ist defakto Pleite und die Sozialsysteme koennen nicht bedient werden ohne weitere & noch hoehere Verschuldungen. Der EUR wird kaputt gehen, dies ist unvermeidbar am Ende.

Wer bis jetzt in die Sozialsysteme einzahlen muss (=alle) wird am Ende um sein Investment betrogen, und besten falles nur nominal bedient in einer Waehrung die praktisch den groessten Teil der Kaufkraft verloren haben wird.

Bis dahin aber, wird alles getan um Kontrolle zo maximieren und verdiente Ansprueche zu minimieren.

Dies ist Betrug am Sozialvertrag zwischen Buerger & Regierung. Demokratie verliert so Ihre Legitimation.

Baron

26.06.2011, 18:32 Uhr

Die gleiche Prognose, allerdings mit einer ganz anderen Begründung, lieferte bereits im Januar 2011 Prof. Dr. Peter Spahn von der Universität Hohenheim. Demach wird die europäische Schuldenkrise und Eurobonds künftig erfordern, dass die aufgrund von Lohn-, Sozial- und Rentenkürzungen wettbewerbsfährigere Bundesrepublik künftig Transferzahlungen in solche Ländern leisten muss, wo Lohn-, Sozial- und Rentendumping nicht im selben Umfang durchsetzbar sind.

Gefragt nach den "Nebenwirkungen" der Deutschen Exporte antwortete Prof. Spahn wie folgt:

"Für Deutschland ist es eine neue Lektion, dass der seine Exportüberschüsse begleitende Kapitalexport in einer Währungsunion letztlich eine unsichere Forderung gegen ausländische Importeure darstellt. Wenn der nicht unwahrscheinliche Fall eintritt, dass die nun übernommenen Garantien für fremde Staatsschulden tatsächlich fällig werden, so gäbe dies erneut Anlass, über das deutsche exportorientierte Wirtschaftsmodell nachzudenken"

European Circle: Mit welchen Folgen?

"Spahn: Die deutschen Arbeitnehmer und Steuerzahler würden sich fragen, wie sinnvoll es ist, fünf bis zehn Prozent der jährlichen Arbeitszeit für Geschenke an die Handelspartner Deutschlands zu verwenden".

European Circle: Kann Frau Merkel sich in 2011 weiter erfolgreich gegen Euro-Bonds wehren? Oder müssten/sollten diese eingeführt werden mit welchen Zielen und Folgen für Deutschland?

"Spahn: Die Aussicht ist leider pessimistisch. Deutschland ist politisch erpressbar, weil deutsche Politiker immer ihr Interesse an Europa und den deutschen Exporten betonen. Wenn dann alle Politiker aus den Nachbarstaaten eine deutsche Zusage zu Euro-Bonds fordern, wird es schwer, dies abzulehnen. Dies bedeutet das ungeheure Risiko, für die Schulden ganz Europas einzustehen".



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