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16.12.2014

09:54 Uhr

Studie „Leben in Europa“

Jeder Fünfte in Deutschland von Armut betroffen

Mehr als 16 Millionen Menschen in Deutschland waren 2013 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Das zeigt eine neue Untersuchung. Der Wert bleibt damit stabil auf hohem Niveau.

Der Anteil der von Armut betroffenen Menschen in Deutschland bleibt seit 2008 relativ konstant. dpa

Der Anteil der von Armut betroffenen Menschen in Deutschland bleibt seit 2008 relativ konstant.

WiesbadenJeder fünfte Einwohner Deutschlands ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen - etwa, weil Geld für Auto und Heizen fehlt. Das waren 2013 rund 16,2 Millionen Menschen beziehungsweise 20,3 Prozent der Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag auf Grundlage der Untersuchung „Leben in Europa 2013“ berichtete.

Im Jahr 2012 habe der Wert bei 19,6 Prozent gelegen. Insgesamt sei er seit 2008 (20,1 Prozent) relativ konstant geblieben. In der gesamten Europäischen Union lag der Anteil armer oder sozial ausgegrenzter Menschen 2013 mit 24,5 Prozent deutlich höher als in Deutschland.

So zeigt sich Armut in Deutschland

Die Gefahr arm zu werden...

... ist gewachsen. Der Schwellenwert für die Armutsgefährdung lag in Deutschland 2009 bei 11.278 Euro und 2010 bei 11.426 Euro pro Jahr. Das entsprach monatlich einem Betrag von 940 Euro (2009) beziehungsweise 952 Euro (2010). Nach Zahlung staatlicher Sozialleistungen waren 2010 insgesamt 15,8 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet gegenüber dem Jahr 2009 (15,6 Prozent). Frauen waren auch 2010 mit 16,8 Prozent stärker armutsgefährdet als Männer mit 14,9 Prozent (Frauen 2009: 16,4 Prozent; Männer 2009: 14,9 Prozent).

Wo Deutsche sparen müssen

5,2 Prozent der Deutschen geben an, ihre Wohnung aus finanziellen Gründen nicht ausreichend warm halten zu können. Mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) fährt nach eigenen Angaben im Jahr nicht mal eine Woche in den Urlaub, weil er oder sie es sich nicht leisten kann. 34,5 Prozent können plötzlich anfallende Kosten von mindestens 930 Euro im Monat nicht aus eigenen Mitteln bestreiten, eine vollwertige Mahlzeit können sich 8,8 Prozent nicht einmal jeden zweiten Tag leisten.

Der höchsten Armutsgefährdung...

... sind mit Abstand Alleinerziehende (37,1 Prozent), Alleinlebende (32,2 Prozent), Arbeitslose (67,8 Prozent) und niedrig Gebildete (25,8 Prozent) ausgesetzt.

Die Armutsgefährdung im mittleren Alter...

... ist dagegen zwischen den Geschlechter fast ausgeglichen. Dennoch ist die Gefahr bei Frauen stets höher. Bei Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren war der Abstand zwischen den Armutsgefährdungsquoten 2010 bei Frauen (21,1 Prozent) und Männern (19,5 Prozent) geringer. Auch bei den 25- bis 54-Jährigen fiel der Unterschied mit 0,2 Prozentpunkten (Frauen 2010: 14,9 Prozent; Männer: 14,7 Prozent) viel niedriger aus als bei den Jüngeren. Im Jahr 2009 hatte der Abstand noch 1,5 Prozentpunkte (Frauen: 14,8 Prozent; Männer: 13,3 Prozent) betragen.

Junge Frauen...

... sowie ältere Frauen laufen besonders leicht Gefahr in Armut abzurutschen. Junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren (2010: 19,0 Prozent) sowie 55- bis 64-Jährige (2010: 20,4 Prozent) sind in höherem Maße armutsgefährdet sind als andere Altersgruppen. Junge Menschen befinden sich häufig noch in einer Ausbildung oder stehen am Anfang des Berufslebens. In dieser Altersgruppe treten auch die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf. Mehr als jede fünfte Frau (21,8 Prozent) zwischen 18 und 24 Jahren war 2010 armutsgefährdet, unter den gleichaltrigen Männern waren es dagegen nur 16,2 Prozent. Ähnlich hoch war der Abstand bei 65-Jährigen und Älteren (2010 Frauen: 16,2 Prozent; Männer: 12,0 Prozent).

Obere 20, untere 20

Das Verhältnis der Einkommen der 20 Prozent einkommensstärksten Personen zu dem der 20 Prozent einkommensschwächsten Personen blieb zwischen 2009 und 2010 konstant: Das obere Fünftel der Bevölkerung verfügte
zusammen über ungefähr viereinhalbmal so viel Einkommen wie das untere Fünftel der Bevölkerung.

Arm im Alter...

.. ist ein vergleichsweise häufiger Zustand. In der Untergliederung nach Altersgruppen zeigt sich, dass das mittlere Äquivalenzeinkommen bei Menschen zwischen 25 und 54 Jahren mit 20.703 Euro im Jahr 2010 deutlich über dem
Wert für die Gesamtbevölkerung lag. Menschen in der Altersgruppe 55 bis 64 Jahre verfügten mit 19.087 Euro ebenfalls über ein leicht über dem Durchschnitt liegendes Einkommen. Anders bei den 65-Jährigen und Älteren: Hier lag das mittlere Einkommen mit 17.611 Euro unter dem Bundesdurchschnitt.

Frauen verdienen...

...immer noch weniger als Männer. Zwar war der Einkommenszuwachs bei Frauen zwischen 2009 und 2010 etwas höher (252 Euro) als bei Männern (203 Euro). Allerdings bestehen nach wie vor deutliche Unterschiede zwischen den Einkommen von Männern und Frauen: Der Median des Nettoäquivalenzeinkommens von Frauen war 2010 mit 18.700 Euro um 689 Euro niedriger als der von Männern (19.389 Euro).

Quelle: „Datenreport 2013. Ein Sozialbericht für Deutschland“.

Als armutsgefährdet gilt, wer als Einzelperson weniger als 979 Euro im Monat zur Verfügung hat. „Das ist weniger als 60 Prozent der mittleren Einkommen der Gesamtbevölkerung“ sagte ein Sprecher des Bundesamtes. Um aber Armut nicht nur am Geld zu messen, sind für diese Untersuchung die beiden anderen Prüfsteine hinzugenommen worden.

Die Quote allein für armutsgefährdet liegt bei 16,1 Prozent, einschließlich der beiden anderen Kriterien landen die Statistiker bei 20,3 Prozent. „Bei keinem Kriterium hat es seit 2008 große Schwankungen gegeben“, sagte der Sprecher. Bei allen Merkmalen liege die Quote bei den Frauen über der der Männer. „Da spielen Alleinerzieherinnen und Rentnerinnen eine Rolle.“

Für den Sozialverband VdK Deutschland sind die Zahlen nach wie vor ein Alarmzeichen. Armut sei keine Randerscheinung mehr, teilte der Verband mit. Besorgniserregend sei vor allem das Armutsrisiko für ältere Menschen.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Herr Vittorio Queri

16.12.2014, 12:02 Uhr

>> Mehr als 16 Millionen Menschen in Deutschland waren 2013 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. >>

Ein Hauptargument im Zusammenhang mit den Flüchtlingen seitens der Nomenklatura heißt immer :

So ein Reiches Land wie Deutschland....?

Polit-Abschaum !

Account gelöscht!

16.12.2014, 12:21 Uhr

Wer politisch akzeptiert, dass global operierende Konzerne mit ca 1% besteuert werden (LUXLeak) sollte dies auch für den normalen Steuerzahler einführen.
Aktuell ist doch die Verelendungpolitik nur zum Nachteil von ganz normalen Einkuftsbezieher ausgelegt.

Frau Margrit Steer

16.12.2014, 12:35 Uhr

Armut für alle, das ist von dieser Regierung angesagt.

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