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28.08.2014

14:15 Uhr

Studie mit Fehlern

Schäuble fällt auf falsche Riester-Bilanz herein

VonSara Zinnecker, Oliver Stock

ExklusivDas Finanzministerium hat einer Studie vertraut, die die Riester-Rente schön rechnete. Handelsblatt Online deckte den Fehler auf. Jetzt wird mit neuen Zahlen hantiert. Es geht um Schadensbegrenzung.

Eine Studie im Auftrag des Finanzministeriums zur Kostenbelastung bei Riester-Produkten ist fehlerhaft. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung. dpa

Eine Studie im Auftrag des Finanzministeriums zur Kostenbelastung bei Riester-Produkten ist fehlerhaft. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung.

DüsseldorfDas Bundesfinanzministerium hat sich auf falsche Zahlen bei der Riester-Rente verlassen. Der Grund ist eine fehlerhafte Kalkulation zur Rendite bei der staatlich geförderten Rentenversicherung. Nach Prüfung von Handelsblatt Online stellte sich heraus, dass die in der ersten Version der Studie mit 3,6 Prozent bezifferte Rendite nach Kosten des Altersvorsorgeprodukts sich nur auf die Eigenbeiträge des Sparers bezieht. Die Darstellung der Rendite sollte sich ausweislich der Erläuterungen der Studie jedoch auf Eigenbeiträge und auch staatliche Zulagen beziehen. Diese liegt bei 2,89 Prozent. Sparer, die sich auf die ursprünglichen Zahlen verließen, konnten denken, dass die prozentuale Rendite aus den Beiträge und Zulagen der klassischen Rentenversicherung bescheren, höher sei als in Wirklichkeit.

Auf den Fehler angesprochen haben das Finanzministerium und das Berliner Institut für Transparenz (ITA), das die Zahlen im Auftrag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble berechnet hat, ihre Studie gestern zurückgezogen. Seither werden neue Zahlen präsentiert.

Das Ministerium hatte im vergangenen Jahr die Studie beim ITA, einem Schwesterunternehmen des Versicherungsanalysten Morgen & Morgen, in Auftrag gegeben. Die Experten sollten ausloten, ob und wie stark der Gesetzgeber die Kosten für die Riester-Produkte begrenzen muss, damit für die Sparer am Ende noch genug übrig bleibt.

Kernpunkte der Riester-Förderung

Idee

Förderung der privaten Altersvorsorge durch jährliche Zulagen und Steuervorteile

Quelle: LBS

Grundzulage

154 Euro pro Person

Kinderzulage

185 Euro je Kind, geboren vor 2008
300 Euro je Kind, geboren ab 2008

Steuervorteile

Sparer können ihre Einzahlungen als Sonderausgaben absetzen. Die Auszahlungen der Riester-Rente sind voll steuerpflichtig zum individuellen Steuersatz. Dieser dürfte im Alter jedoch niedriger sein als während des Berufslebens.

Voraussetzung

Für die volle Förderung müssen Einzahlungen in Höhe von vier Prozent des Bruttoeinkommens des Vorjahres vorgenommen.

Obergrenze

Es werden maximal 2.100 Euro Einzahlungen gefördert.

Vorteil

Die geflossenen Zulagen reduzieren die erforderliche eigene Sparleistung.

Sozial

Die Förderung ist unabhängig von der Höhe des eigenen Einkommens.

Die Beamten hatten vorher selbst Zahlen gewälzt und festgestellt, dass das staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukt immer mehr an Beliebtheit verliert. Nach Erhebungen des Branchenverbands der Versicherer GDV ist der Bestand an dem ehemaligen Vorzeige-Produkt Riester-Lebensversicherung erstmals seit Einführung geschrumpft – und zwar um 100.000 auf noch 10,8 Millionen Verträge in 2013.

Die rückläufigen Zahlen sind das Ergebnis jahrelanger Kritik an dem Produkt. Nach Meinung des unabhängigen Versicherungsberaters Thorsten Rudnik haben wiederkehrende Vorwürfe zu intransparenten Verträgen, mickrigen Renditen, und Niedrigzinsen Verbraucher „völlig verunsichert“. Auch die Beamten im Ministerium mussten feststellen, dass die staatlich geförderte Altersvorsorge ein Akzeptanzproblem hat. Um zu wissen, wie sie gegensteuern können, gaben sie die Studie in Auftrag.

Sie steht ergänzend zu einem Gesetz, das Anbietern von Altersvorsorge-Produkten ab 2016 Kostentransparenz vorschreibt. Sollte dieser neue Durchblick nicht genügen, oder es bei der Umsetzung dauerhaft hapern, listet die Studie detailliert auf, an welchen Kostenschrauben Berlin dann per Gesetz drehen könnte. Das Ergebnis lag Mitte Juli vor und wurde vom Institut unter den Augen des Finanzministeriums veröffentlicht. Was vor zwei Wochen niemandem auffiel war allerdings, dass die Berechnungen peinliche Fehler enthielten.

Kommentare (43)

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Herr Gerhard Kraus

08.08.2014, 07:45 Uhr

Wundert das jemand?
Welche Ergebnisse erwartet man, wenn Politiker etwas anfangen?

OK,sich selbst die Taschen voll zu machen.

Herr Manfred Zimmer

08.08.2014, 07:48 Uhr

"Schäuble fällt auf falsche Riester-Bilanz herein"

Wie soll jemand einen Fehler erkennen, der nach den gleichen Prinzipien arbeitet? War es nicht Schäuble, der in der Buchhaltung lediglich den Wert von Statisk erkannte?

Deutschland hat dringenden Nachholbedarf in der Qualität seiner "Manager" - qualitativ und ethisch!

Herr Manfred Zimmer

08.08.2014, 07:52 Uhr

Haben jetzt die Riester-Kunden das Recht wegen Falschberatung von ihren Verträgen zurückzutreten?

Was sagt die BAFin, die die Verträge zuvor geprüft hat?

Wenn so viele Bürger betrogen wurden, sollte dies Konsequenzen haben. Die Staatsanwaltschaft sollte wegen des großen öffentlichen Interesses tätig werden.

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