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22.07.2012

18:35 Uhr

Studie

Radikales Steuermodell könnte 500.000 Jobs schaffen

VonDietrich Creutzburg

ExklusivEine Bonner Forschergruppe hat das Kirchhof-Modell umgearbeitet und fordert eine radikale Reform: 60 Prozent Spitzensteuersatz, dafür keine Sozialbeiträge mehr. So könnten eine halbe Million neue Jobs entstehen.

Damals hatte sich das die CDU so schön einfach ausgedacht: Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel. Jahre später kommt nun ein ganz anderer Reformvorschlag, der alles besser machen soll. dpa

Damals hatte sich das die CDU so schön einfach ausgedacht: Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel. Jahre später kommt nun ein ganz anderer Reformvorschlag, der alles besser machen soll.

BonnEine Radikalreform des deutschen Steuer- und Abgabensystems könnte nach Berechnungen des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) 500.000 zusätzliche Arbeitsplätze bringen und zugleich die hierzulande relativ niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen. Das zeigt eine bisher unveröffentlichte Studie mit einem Reformvorschlag des Bonner Instituts, die dem Handelsblatt vorliegt.

Anders als  bei vielen reinen Steuerreform-Konzepten entstehe das kalkulierte zusätzliche Arbeitsvolumen bei dem vorgeschlagenen Modell „nicht in erster Linie durch eine Ausweitung der pro Kopf gearbeiteten Stunden, sondern durch die Schaffung von zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten“, schreibt die Forschergruppe um den Arbeitsmarktökonomen Hilmar Schneider.

Das neue Reformkonzept lehnt sich teilweise an den Vorschlag des früheren Verfassungsrichters Paul Kirchhof für eine radikale Steuerreform an. Allerdings gehen die IZA-Forscher noch einen Schritt weiter und nehmen die Einkommensteuer und Sozialversicherung gleichzeitig in den Blick. Fast alle vorliegenden Steuerreformkonzepte würden „das Zusammenwirken zwischen Sozialversicherung und Einkommensteuer vernachlässigen“, argumentieren sie. Die Forscher zeigen, dass die Abzüge von einem zusätzlich verdienten Euro für Arbeitnehmer am unteren Ende der Einkommensskala teilweise höher sind als die entsprechenden Abzüge für Spitzenverdiener.

Das IZA-Reformkonzept ist allerdings politisch noch heikler als das Kirchhof-Steuerkonzept: Es sieht ebenfalls einen radikalen Abbau von Steuervergünstigungen vor, zugleich aber einen fünfstufigen Einkommensteuertarif mit einem Spitzensteuersatz von 60 Prozent ab 60.000 Euro Jahreseinkommen. Dafür soll es nach diesem Modell allerdings keine Sozialbeiträge mehr geben, weil die Leistungen bereits  über den Steuertarif finanziert würden. Unterm Strich würde das Modell Arbeitnehmer mit kleinen bis mittleren Einkommen besserstellen. Jenseits der heutigen Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherung (Krankenversicherung: 45.900 Euro, Rente:  67.200 Euro) käme es dagegen zu deutlichen Mehrbelastungen.

Auch wenn nicht zu erwarten sei, dass die Reform sofort politisch umgesetzt werde, liefere die zugrundeliegende Untersuchung wichtige Hinweise. Beispielsweise verdeutliche sie, dass das Steuer- und Sozialsystem regelrecht durchzogen sei von  „subtilen Mechanismen, die Frauen die Entscheidung für eine Berufstätigkeit erschweren“, sagte Schneider. „Das können wir uns angesichts des demografischen Wandels nicht mehr leisten“, warnte er. Fragwürdig seien aus diesem Blickwinkel neben dem Ehegattensplitting beispielsweise die steuerbegünstigten Minijobs, durch die in vielen Fällen ein Umstieg auf vollwertige Arbeit steuerlich unattraktiv werde.

Kommentare (67)

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AngelaMerkel

22.07.2012, 19:34 Uhr

Ich bin dafür, das alles Ersparte und erarbeitete Vermögen den Menschen komplett abgenommen wird, um die Banken in Europa zu stützen. Die geldpolitische Elite muss doch bei der Stange gehalten werden...

Account gelöscht!

22.07.2012, 19:56 Uhr

Interessantes Gedankenmodell!

Allerdings bleiben - noch - sehr viele Fragen offen.

Wer ist dann wie sozialversichert? Man bedenke Beamte und Selbständige sowie Rentner und diverse Versorgungseinrichtungen.

Aber grundsätzlich scheint mir der Ansatz in die richtige Richtung zu gehen, da gerade für einige Einkommensgruppe nicht die Steuer, sondern die Sozialabgaben DER entscheidende Punkt sind.

TarGeT

22.07.2012, 19:58 Uhr

So ein Steuerkonzept wird niemals 1:1 umgesetzt. Eher gewinne ich im Lotto.

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