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19.10.2012

14:30 Uhr

Studie

Rentner mit Erwerbsminderung stark von Armut bedroht

Rentner mit Erwerbsminderung sind einer Studie zufolge mehr als doppelt so häufig von Armut bedroht, viele sind auf staatliche Leistungen angewiesen. Verbände warnen vor der prekären Lebenssituation dieser Rentnergruppe.

Die Gefahr der Altersarmut ist für Erwerbsgeminderte überdurchschnittlich groß. dpa

Die Gefahr der Altersarmut ist für Erwerbsgeminderte überdurchschnittlich groß.

BerlinDie gut 1,6 Millionen Rentner mit einer Erwerbsminderung und ihre Familienmitglieder sind überdurchschnittlich stark von Armut bedroht. Das ergaben erste Ergebnisse einer neuen Studie der Deutschen Rentenversicherung (DRV), aus der die Süddeutsche Zeitung am Freitag berichtete. Danach sind 37 Prozent der Menschen, die in Haushalten von Erwerbsminderungsrentnern leben, von Armut gefährdet.

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind laut Statistischem Bundesamt nur 15,8 Prozent von Armut bedroht. Als armutsgefährdet galt im Jahr 2010, wer weniger als 952 Euro pro Monat zu Verfügung hatte, wie das Bundesamt am Mittwoch mitgeteilt hatte.

Ein beachtlicher Teil der Erwerbsminderungsrentner und ihrer Haushaltsmitglieder sei in einer „prekären Einkommenslage“, zitierte die Zeitung aus der DRV-Studie. Mit einer durchschnittlichen Höhe von 660 Euro monatlich biete diese Rente allein „in der Regel keine ausreichende Absicherung des Haushalts“.

Auf eine zusätzliche Vorsorge wie eine private oder betriebliche Rente können der Studie zufolge aber jeweils nur etwa ein Zehntel der Betroffenen zurückgreifen. Überdurchschnittlich stark von einer materiellen Notlage betroffen seien alleinlebende Männer, Haushalte mit Kindern, Zuwanderer und Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss.

Laut der Studie muss mittlerweile ein Viertel der Haushalte von Erwerbsminderungsrentnern staatliche Leistungen wie Wohngeld, Hartz IV, Grundsicherung oder Sozialhilfe beziehen. Die Forscher führten dies dem Zeitungsbericht zufolge vor allem auf die nach der Rentenreform von 2001 gesunkenen Leistungen zurück. So hätten Neurentner mit einer Erwerbsminderung im Jahr 2000 durchschnittlich 706 Euro bekommen. 2010 seien es nur noch 600 Euro gewesen.

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Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, sagte der Zeitung, bei der Studie handele es sich um „erste Projektergebnisse“. Er bewertete es als positiv, dass die Bundesregierung in ihrem Rentenpaket „eine Verbesserung der sozialen Absicherung von Erwerbsminderungsrentnern vorsieht“. Es sei wichtig, noch in dieser Legislaturperiode eine entsprechende Regelung zu verabschieden. Sie soll Erwerbsminderungsrentnern im Schnitt in knapp 20 Jahren etwa 45 Euro mehr Rente bringen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält dies für nicht ausreichend. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte der Zeitung: „Kranke Frührentner sind in Not, weil ihre Gesundheit ruiniert worden ist, sie sich keine ausreichende Alterssicherung aufbauen konnten und auch noch mit Rentenabschlägen bestraft werden.“ Durch das sinkende Rentenniveau werde sich ihre Situation noch verschärfen.

Von

afp

Kommentare (5)

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AxelSiegler

19.10.2012, 15:15 Uhr

.. mir kommen gleich die Tränen: die Frührentenkasse ist doch sowieso zur totalen Schmarotzerhalde vorkommen, sind doch die meisten Frühverrentungen "psychosomatisch" bedingt. Derlei Drückeberger, die nun zu Lasten einer Kasse leben, in die sie kaum'was eingezahlt haben, künftig auch noch fürstlicher zu bewirten, ist einfach nur geschmacklos - und geradezu kriminell den aufrechten Beitragszahlern gegenüber! Stattdessen sollten sämtliche Frühverrentungen erneut auf den Prüfstand (und das bitteschön REGELMÄSSIG!) und diesmal bitte nicht von durchwinkenden Erfüllungsärzten! Wer wirklich offenkundig (und bitteschön nicht selbstverschuldet!) erwerbsunfähig ist, soll gut versorgt sein - der Rest soll anderen nicht mehr länger zur Last fallen!

Nachwuchs

20.10.2012, 00:52 Uhr

Na und? Diese Leute sollen endlich verschwinden aus Deutschland. Unsere Politiker wollen nur noch Ausländer bes. Griechen, hier auch Tote unterstützen.

Mazi

21.10.2012, 18:59 Uhr

Ich wünsche den beiden "Vorrednern" nichts Böses, aber die Möglichkeit praktische Erfahrung zu sammeln.

So wie sie es sehen, ist es ganz bestimmt nicht. Sie müssen sich vorstellen, dass Betroffene einer geschlossenen Front von Versicherungsvertretern gegenüber stehen, sich die Gerichte einreihen und sich selbst nicht mehr wehren können.

Da gibt es Publikationen, bei denen die Autoren weder die Sponsoren der Beiträge nennen noch selbst eine Erklärung über einen etwaigen Interessenkonflikt angeben. Diese Missachtung der von der Wissenschaft formulierten allgemeingültigen Prinzipien für die Beurteiung wissenschaftlicher Arbeiten halten Gerichte nicht davon ab, derartige Populärliteratur ihrer zweckmäßigen Urteilsfindung heranzuziehen.

Da gibt es Ärzte, die sich offiziell Versicherungen anbieten, für diese Gutachten zu erstellen und dabei für dies einen fünfstelligen Eurobetrag privat investieren.

Da gibt es Gerichte, die laut Staatsanwaltschaft in ihren Urteilen versehentlich Kläger und Beklagte verwechseln.

Da gibt es Gerichte, die bei der Rückgabe von Unterlagen nicht bestätigen können, dass sie diese bereits beschädigt und unvollständig vom Gutachter erhalten haben.

Da gilb es Gerichte, die wiederholt auf die abweichende Aktenlage in der Sachverhaltsdarstellung hingewiesen werden und dann " im Namen des Volkes" die Berufung nicht zu lassen.

Dem Einzelfall, den die Vorkommentatoren im Auge haben, stehen in der Bundesrepublik jährlich ca. 10.000 Unfälle, die unsachgemäß diagnostiziert werden entgegen. Nur ein Bruchteil landet vor den Gerichten und davon wird wiederum nur ein verschwindend kleiner Bruchteil sachlich entschieden.

Eines soll noch nachgeschoben werden. Bei den Berufsgenossenschaften eingegangene Unfallmeldungen werden (Angabe gemäß) im Archiv, im Keller aufgehoben. Erst wenn ein Anwalt oder ein Gericht sich meldet, dann schauen die Hausjuristen, was sie machen können.

Ein Skandal für unsere geglaubte Rechtsstaatlichkeit.

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