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21.10.2015

17:23 Uhr

Studie zur Berufsausbildung

Das Image-Problem der Lehre

VonBarbara Gillmann

Die Zahl der Lehrverträge ist auf einem Tiefstand. Eine Studie zeigt nun, wie Deutschland die Attraktivität der Berufsausbildung verbessern könnte – als Vorbild gelten die Schweiz und Schweden.

Ausbildungsberufe Koch, Tischler, Landwirt: Weniger als die Hälfte der Schüler in Deutschland entschließen sich für eine Lehre – Tendenz sinkend. dpa

Lehrlinge in Deutschland

Ausbildungsberufe Koch, Tischler, Landwirt: Weniger als die Hälfte der Schüler in Deutschland entschließen sich für eine Lehre – Tendenz sinkend.

BerlinDeutschland kann von einigen europäischen Ländern noch etwas lernen, um die Berufsausbildung zukunftsfester zu machen. Das zeigt die Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans Böckler-Stiftung, der CDU-nahen Konrad Adenauer-Stiftung und der Vodafone-Stiftung erstellt hat.
Anlass gibt es durchaus: „Denn aktuell verliert die Berufsausbildung gegenüber dem Studium an Boden“, stellt die Studie trocken fest. Die Zahl der neuen Lehrverträge ist auf einen historischen Tiefstand gesunken.

Bundesländer gehen getrennte Wege

Unterschiedliche Modelle

Alle Bundesländer gehen in Sachen G8 und G9 eigene Wege. Die Modelle unterscheiden sich zum Teil erheblich.

Hessen

Einige Bundesländer wie etwa Hessen lassen den Schulen die Wahl zwischen G8 und G9, sie müssen abstimmen, welche Schulform sie künftig anbieten wollen.

Niedersachsen

Niedersachsen kehrt 2015/16 komplett zu G9 zurück, auch Schüler der heutigen Klassenstufe fünf bis sieben sollen wieder einbezogen werden.

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg läuft mit 44 Schulen ein G9-Modellversuch wie in NRW, wo sich allerdings nur zwölf Schulen beteiligen. Eine komplette Rückkehr zu G9 ist in Baden-Württemberg jedoch noch nicht in der Diskussion.

Bayern

In Bayern scheiterte ein Volksbegehren für die Rückkehr zu G9, allerdings gibt es seit 2013 eine individuelle Flexi-Option, mit der jeder Schüler ein zusätzliches Jahr nach der 8., 9., oder 10. Klasse einlegen kann.

Hamburg

Auch in der Hansestadt ist jüngst der Anlauf zu einem Volksbegehren gescheitert, das eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 einforderte. Die Diskussion läuft aber weiter.

Ostdeutschland

In vielen ostdeutschen Bundesländern gab es schon vor der Einführung im Westen der Republik nur zwölf Jahre Gymnasialzeit. Dort hat sich für die Schüler am wenigsten verändert.

Um die Attraktivität zu steigern, müsste vor allem die Durchlässigkeit größer werden, also die Möglichkeit beruflich Ausgebildeter, nach der Gesellenprüfung studieren zu können, empfehlen die Autoren nach dem Blick ins europäische Ausland: In Portugal und Polen erhalten Auszubildende mit dem Ausbildungsabschluss die Hochschulreife. In der Schweiz gibt es die Möglichkeit, parallel zur Ausbildung die „Berufsmaturität“ zu erwerben, mit der sie ohne Prüfung die FH besuchen können. Auch in Schweden gibt es die Möglichkeit, neben der Ausbildung mit Zusatzkursen ein Ticket für ein Studium zu lösen.
„In Deutschland sind wir zwar formal gut aufgestellt – Gesellen steht seit einigen Jahren prinzipiell der Weg in die Hochschule offen“, sagt Studienautor Dirk Werner vom IW. „De facto gibt es aber zwei große Hürden: erstens müssen die Bewerber nach der Lehre in der Regel noch drei Jahre Berufspraxis sammeln – wobei fraglich ist, ob dadurch die Studienreife steigt.“ Zudem gelte der Hochschulzugang nur für ein verwandtes Fach. „Würden wir diese beiden Hürden beseitigen, würde das Interesse an Berufsausbildungen vielleicht steigen“, vermutet Werner.

Denn wie in fast allen europäischen Ländern zeigt der Trend bei Schulabgängern und deren Eltern immer stärker Richtung Studium. Gerade deshalb sei es entscheidend, dass eine Berufsausbildung „keinesfalls als Sackgasse oder zweitbester Weg erscheint“, lautet eine Folgerung der Studie.

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