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20.04.2015

14:53 Uhr

Studie zur Energiewende

Strom aus Erneuerbaren kannibalisiert sich selbst

VonDietmar Neuerer

Der März-Orkan „Niklas“ bescherte Deutschland einen neuen Ökostromrekord. Was sich auf den ersten Blick als großes Plus für die Energiewende erweist, birgt ein großes finanzielles Risiko für Erzeuger und Verbraucher.

Am 30.03.2015 wurde in Deutschland ein neuer Ökostromrekord erzielt – der Grund: der Orkan Niklas und eine parallel hohe Solareinspeisung. dpa

Windkrafträder in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen).

Am 30.03.2015 wurde in Deutschland ein neuer Ökostromrekord erzielt – der Grund: der Orkan Niklas und eine parallel hohe Solareinspeisung.

BerlinZur größten Hürde für die Energiewende könnte nicht der schleppende Netzausbau werden, sondern der zunehmende Wertverlust von Strom aus erneuerbaren Energien. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). In der Untersuchung mit dem Titel „The Economics of Wind and Solar Variability“, die dem Handelsblatt vorliegt, wird ein Wertverfall an der Strombörse von 25 Prozent prognostiziert, falls der Anteil von Windstrom im Netz von derzeit neun Prozent auf 30 Prozent steigt.

Bei Solarenergie fällt demnach der Verfall sogar noch stärker aus: Selbst bei einem Marktanteil von nur 15 Prozent sei hier ist ein Wertverlust von 50 Prozent zu erwarten. Sinke jedoch der Wert des Stroms, steigt die von den Verbrauchern gezahlte Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Der Preisverfall sei schon jetzt an den Strombörsen Europas zu beobachten, warnt der Studienautor Lion Hirth. „Setzt sich diese Selbstkannibalisierung der Erneuerbaren in gleichem Maße fort, werden Windturbinen und Solarzellen wohl noch lange nicht wettbewerbsfähig sein“, sagte der Wissenschaftler dem Handelsblatt. Der Marktwertverlust von Wind- und Solarstrom hätte demnach zur Folge, dass diese Technologien länger gefördert werden müssen, als viele hoffen. Dies wirke sich laut Hirth auf die langfristige Förderstruktur des EEG und die Höhe der EEG-Umlage aus. „Es sind die Stromverbraucher, die den Wertverlust in Form der EEG-Umlage mitzahlen werden müssen.“

Den Prognosen für den Wertverlust des Wind- und Solarstroms liegt ein von Hirth erstelltes Modell des europäischen Strommarktsystems zugrunde. Darin wird eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt, wie etwa die Zusammensetzung des konventionellen Kraftwerksparks, die Existenz von Stromspeichern, der großflächige Netzausbau oder die Import- und Exportmöglichkeiten in Nachbarländer.

Speisen die Erneuerbaren zu einer bestimmten Stunde Strom ein, sinkt die Netto-Nachfrage und damit der Preis. Je größer die Einspeisung, desto stärker der Preisverfall.  Der Grund ist, dass die Erzeugung etwa von Sonnenenergie auf weniger Stunden im Jahr konzentriert ist. In diesen Stunden ist der Preisverfall dann besonders stark zu spüren.

Kommentare (17)

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Herr R. Giesemann

20.04.2015, 15:33 Uhr

"Speisen die Erneuerbaren zu einer bestimmten Stunde Strom ein, sinkt die Netto-Nachfrage und damit der Preis."

So muss es sein.
Bitte noch mal lesen: Wenn Strom produziert wird sinkt die Nachfrage.

Liebes Handelsblatt, früher habe ich Dich mal ernst genommen, ja, früher.

Account gelöscht!

20.04.2015, 15:41 Uhr

Nochmal....
Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge (Erneuerbare Energien ist besser als unser Kraftwerkmixpark aus Kohle, Gas und Kernkraft), danach kommt der Selbstbetrug (der Gesetzgeber mischt sich mit dem EEG in den Markt = unsere Gesellschaft ein), danach kommt der Mangel (wir als Gesellschaft werden dazu gezwungen Energie/Strom einzusparen, obwohl wir mit der Kern- Kohle und Gaskraft noch über hunderttausend Jahre genug Energie/Strom zur Verfügung haben) und zum Schluss kommt die Armut über unsere strom- und industriebasierenden soziale Wohlstands-IT Gesellschaft.
Energiewende ist der politische Zwang per EEG Gesetz uns als freie Marktgesellschaft in die Vergangenheit der Vorindustrialisierung zurück zu diktieren. Keinen ist da geholfen...nicht einmal den Energiewendebefürwortern der Mercator Stiftung (EE-Mafia).

Herr Holger Narrog

20.04.2015, 15:42 Uhr

Die historischen Windmühlen und Segelschiffe wurden in erster Linie wegen der Launen des Windes und der daraus folgenden Unzuverlässigkeit durch moderne mit Kohle betriebene Systeme ersetzt.

Strom ist der am schlechtesten speicherbare Energieträger. In jedem Augenblick! müssen Strombedarf und Erzeugung gleich sein. Dies erreicht man am besten mit Grosskraftwerken und idealerweise umweltfreundlichen Kernkraftwerken die mit ihren rotativen Massen eine zuvor ungekannte Frequenzstabilität gewähren.

Erfrischend ist wenn eine Industrienation sich die Stromversorgung gem. (öko)religiöser Visionen gestaltet. Da solche Visionen üblicherweise mit Naturwissenschaft und Ökonomie im Konflikt stehen wird die Gesellschaft mit extremen Kosten für ein kaum funktionsfähiges System belastet.

Ein interessanter Aspekt des obigen Artikels ist die Problematik, dass sich die Solarenergie hierzulande auf ca. 500 - 800 h /Jahr konzentriert, Wind auf 1000 - 1500h. So werden zu Starkwindzeiten Stromüberschüsse erzeugt und zu anderen Zeiten kein umweltschädlicher Solar- oder Windstrom. Ein weiterer Ausbau dieser ökoreligiösen Symbole bewirkt dann nur wenig nutzbaren, zusätzlichen Strom.

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