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12.01.2015

15:15 Uhr

Studie zur Kindererziehung

Eltern setzen sich selbst unter Stress

Kinder zu erziehen ist keine Leichtigkeit. Eine Studie zeigt: Eltern geraten dabei zunehmend unter Druck. Doch nicht der Spagat zwischen Familie und Job ist schuld – sondern die Eltern selbst: Sie wollen perfekt sein.

Welcher Arzt? Welcher Kindergarten? Welche Sprache? Eltern setzen sich bei der Erziehung ihrer Kinder zunehmend unter Druck. dpa

Welcher Arzt? Welcher Kindergarten? Welche Sprache? Eltern setzen sich bei der Erziehung ihrer Kinder zunehmend unter Druck.

Viele Eltern in Deutschland setzen sich bei der Erziehung ihrer Kinder enorm unter Druck. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage für die Zeitschrift „Eltern“. Die Gründe dafür lägen dabei weniger im Spagat zwischen Job und Familie, sondern vor allem an den hohen Ansprüchen der Eltern an sich selbst, teilte die Zeitschrift am Montag in Berlin mit. Viele Mütter und Väter wollten in allem perfekt sein: im Job, als Eltern und als Partner.

Für die Umfrage wurden im September und Oktober rund 1000 Eltern mit Kindern bis 12 Jahre von dem Meinungsforschungsinstitut Forsa interviewt – und ergänzend dazu über 700 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren vom Kinder-Marktforschungsinstitut „iconkids und youth“.

Auf die Frage „Wenn Sie die Erwartungen und Anforderungen an Eltern von heute mit denen vor 30 Jahren vergleichen: was, meinen Sie, hat sich verändert?“ antworteten rund 60 Prozent der Mütter und Väter, dass die Erwartungen heute höher seien. 30 Prozent halten sie nicht für höher, sehen heute aber andere Anforderungen.

Kinder in Deutschland

Neugeborene

2013 kamen gut 682 000 Kinder zur Welt - das waren 8500 mehr Neugeborene als im Jahr zuvor.

Alter der Mütter

Das Durchschnittsalter der Mutter lag bei 29 Jahren, bei 3 Prozent der Erstgeburten war die Mutter älter als 40.

20 Prozent: alleinerziehend

Mehr als 136 000 minderjährige Kinder waren 2013 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, 20 Prozent aller Eltern in Deutschland waren alleinerziehend.

Jede siebte Familie ist kinderreich

Nur jede siebte Familie gilt als kinderreich, hat also 3 oder mehr Kinder im Haushalt.

Minderjährig

Es gab 2013 8,1 Millionen Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind. Von den insgesamt 18,6 Millionen Kindern in diesen Familien waren 13,6 Millionen unter 18.

Kinder in Armut

Laut Unicef mussten zwischen 2000 und 2010 8,6 Prozent der Kinder in Deutschland mehrere Jahre lang in Armut leben.

Akute Gefährdung für Kinder

Laut Studie zeigt rund ein Fünftel der Kinder von drei bis 17 Jahren psychische Auffälligkeiten, Jungen häufiger als Mädchen. Bei 17.000 Kindern und Jugendlichen haben die Jugendämter 2013 eine akute Gefährdung festgestellt – es ging um Vernachlässigung, seelische und körperliche Misshandlung sowie sexuelle Gewalt.

Alkohol bei Jugendlichen#

Mehr als die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen hat einer Studie zufolge schon einmal Alkohol getrunken. Bei 15,8 Prozent ist der Alkoholkonsum riskant.

Zerrissenheit zwischen Kind und Job gilt bisher vor allem bei Müttern als Stressfaktor Nummer eins. Nach der Umfrage machen sich Eltern den meisten Stress aber selbst. 56 Prozent der befragten Männer und drei Viertel der Frauen sprechen von sehr hohen Ansprüchen und Anforderungen an sich selbst. Das kann zum Beispiel von der Auswahl des Kinderwagens bis zur Entscheidung für eine Schule reichen.

Viele glauben schließlich, als Eltern nicht zu genügen. So sagen drei Viertel der befragten Frauen, dass sie mit sich als Mutter häufig oder gelegentlich unzufrieden sind. Bei den Männern glauben zwei Drittel, dass sie ihrer Vaterrolle nicht gut genug gerecht werden. Die befragten Kinder sehen das allerdings völlig anders: Rund 90 Prozent halten ihre Eltern für die besten der Welt.

Isabelle Haesler, Sprecherin der Zeitschrift „Eltern“ sieht den gefühlten Stress der Eltern auch als Folge einer Qual der Wahl. „Es gibt heute so viele Optionen und ein Übermaß an Informationen.“ Vielleicht sei bei Eltern damit auch die Angst verbunden, eine falsche Entscheidung zu treffen.

Kommentare (2)

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Herr Niccolo Machiavelli

12.01.2015, 15:46 Uhr


Ja, das stimmt, die Eltern setzten sich selbst unter Druck.

Die Gesellschaft wird zunehmend neurotisch, das zeigt sich nicht zuletzt in der Kindererziehung.

Der Leistungsaspekt wird einfach maßlos überbewertet. Zu meiner Zeit waren da die Rahmenbedingungen noch weitaus entspannter.

Wir haben eben nicht 100 % geistige Höhenflieger, sondern nur 2 %. Und nur die gehören auf das Gymnasium. Doch das wollen viele Eltern nicht wahr haben.

Herr Peter Aue

12.01.2015, 18:53 Uhr

"Doch nicht der Spagat zwischen Familie und Job ist schuld – sondern die Eltern selbst: Sie wollen perfekt sein."

Aber natürlich! Es ist doch sonnenklar, daß meine Frau arbeiten geht, denn unser Hausmädchen hält den Haushalt schön sauber und alle Einkäufe sind ordentlich erledigt , wenn meine Frau mittags nach Hause kommt. Auch der Gartenpfleger hat schon die Einfahrt freigeschippt.
Wieso das irgendwelche negativen Auswirkungen auf die Familie haben soll, wenn Frauen das neben einem Vollzeitberuf erledigen, verstehe ich ja gar nicht. Einfach ein gutes Hauspersonal nehmen!
Sich entspannt um die Kinder zu kümmern, das macht doch gleich mehr Freude.

Aber wieso Frauen, die sich 8 Stunden täglich hinter einer Supermarktkasse oder in einem Büro "selbstverwirklichen", sich um den Haushalt kümmern, nicht optimale Mütter sein sollen, nur weil sie so geizig sind und sich keine Haushaltshilfe nehmen und keine Zeit für ihre Kinder haben und von einem Termin zum anderen hetzen und ausgepumpt sind, tja, das verstehe ich auch nicht.

Schon klasse, wie das 1% es der blöden Masse von Frauen schmackhaft gemacht hat, diese Form des Sklavendaseins als Gipfel der Selbstbestimmung und Selbstvberwirklichung zu verkaufen.
Wie arm wäre doch das durchschnittliche Frauendasein, wenn sie einen Mann hätten, der das Geld nach Hause bringt und sie sich mit Liebe und Hingabe ihren Kindern widmen könnten. Wie viel erfüllender ist doch eine Supermarktkasse und vernachlässigte Kinder. Ein Haushalt in dem weibliche Güte und Frieden herrschen, anstatt der Gehetztheit des Lohnsklavendaseins, wer will das schon!

Wirklich wahr, wieso sollte Beruf und Kindererziehung nicht unter einen Hut zu bekommen sein?
Frau von der Leien schafft es ja auch mit ihrer Haushaltshilfe, also liebe Frauen, seid nciht so geizig und gönnt euch das auch.

Dann klappts auch ganz ohne Streß!

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